26.05.2009 · Die Kurse der Anleihen der Unylon AG und ihres Großaktionärs Pongs & Zahn sind schon lange verfallen. Zurecht, wie sich nun herausstellt: beide Unternehmen wollen Möglichkeiten einer Schuldenrestrukturierung prüfen.
Von Martin HockUm 3,8 Prozent ist das Bruttoinlandsprodukts Deutschlands im ersten Quartal des laufenden Jahres gesunken. Das hat nicht alle Branchen gleich getroffen, doch unter anderem leiden die Automobil- und Chemiebranche leiden besonders stark. Während erstere immerhin noch in den Genuss staatlicher Konjunkturspritzen kommt, muss letztere praktisch alleine mit den Belastungen fertig werden.
Können ein BASF-Konzern oder eine Lanxess dies mit Kostensenkungen, Produktionskürzungen und Kurzarbeit dies noch einigermaßen auffangen, so kann dies für kleinere Unternehmen rasch existenzgefährdend werden.
Bedienbarkeit der Anleihe in Frage gestellt
Mit dürren Worten teilte am Montag etwa die Hamburger Mutter-Gesellschaft des in dem an der polnischen Grenze gelegenen Guben ansässigen Nylon-Herstellers Unylon Polymers mit, dass die schlechte Entwicklung der Konjunktur in der Kunststoffbranche sowie der noch nicht definierbare Umfang der wirtschaftlichen Auswirkungen aus Bürgschaften sich negativ auf die nachhaltige Sicherung der Zahlungsfähigkeit auswirken und damit in der Folge auf die momentane Bedienbarkeit der von Unylon begebenen Anleihe auswirken könnte.
Eigentlich hat Unylon zwei Anleihen ausgegeben, beides Optionsanleihen, die also mit Optionsscheinen gekoppelt, aber auch getrennt handelbar sind. 2005 hatte der Nylon-Hersteller die erste Emission mit einem Kupon von 6 Prozent begeben, 2008 eine zweite mit 7 Prozent verzinste. Erstere Anleihe wird zum 31. Juli fällig und hat ein Volumen von 5 Millionen Euro, letztere von 10 Millionen Euro.
Großaktionär in ähnlichen Nöten
Unylon gehört mehrheitlich zur auf die Erzeugung von Kunststoff-Rohstoffen spezialisierten Berliner Holding Pongs & Zahn. Diese teilte schon im Februar mit, dass „bei pflichtmäßigem Ermessen angenommen werden muss, dass ein Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals eintreten wird“. Am Montag gab es von Pongs & Zahn eine ähnlich lautende Mitteilung wie von Unylon, nämlich dass sich die Situation „auf die momentane Bedienbarkeit der von uns begebenen Anleihe auswirken“ könne.
Im dritten Quartal 2008 hatte das Unternehmen noch ein Volumen von 3,7 Millionen Euro an Anleihen zurückerworben, mit der Begründung, die Kursschwäche der Anleihe sei weder fundamental noch hinsichtlich des Ausschüttungstermins gerechtfertigt. Fällig wird die Anleihe allerdings erst zum 1.11.2011.
Unylon hatte zum letzten Mal Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2008 veröffentlicht und einen Umsatzeinbruch von rund 25 Prozent auf 30,2 Millionen Euro und einen Verlust nach Steuern von 1,38 Millionen Euro berichtet. Die Eigenkapitalquote des Unternehmens war von 35 auf 26,5 Prozent gefallen.
Produktionsbetrieb in Insolvenz
Ende April teilte die Hamburger Unylon AG mit, dass die - einzige - Tochtergesellschaft Unylon Polymers die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt habe. Ziel sei die Umsetzung eines Sanierungskonzeptes zum Erhalt des Unternehmens und der Arbeitsplätze im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens.
Ertragsschwach war Unylon auch schon davor gewesen. Den letzten Gewinn verbuchte man 2004 und auch operativ ging es trotz Besserungszeichen im Jahr 2006 seitdem ebenfalls abwärts.
Pongs & Zahn berichteten zuletzt zum dritten Quartal 2008. Mit 28,65 Millionen Euro lagen die Erlöse auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 2 Jahren. Den letzten Jahresgewinn hatte man 2003 ausgewiesen, seitdem waren die Verluste deutlich angestiegen. Schon 2006 waren die kumulierten Gewinne der Jahre seit 1995 mehr als aufgezehrt gewesen.
Renditen auf hohem Niveau
Pongs & Zahn verhandelt nach eigener Aussage derzeit über einen Verkauf der
Unylon-Beteiligung. Gleichzeitig prüft die Gesellschaft die Möglichkeiten einer Verlängerung der Laufzeit und der Aussetzung der Zinszahlung ebenso wie Unylon selbst.
Die Renditen der von keiner Rating-Agentur bewerteten Anleihen war bereits im vergangenen Herbst, ohne dass akute Zahlungsnöte bekannt gewesen wären, deutlich gestiegen. Die mit 8,5 Prozent verzinste Anleihe von Pongs & Zahn und einem Volumen von 10 Millionen Euro hatte am 31. August noch mit 8,3 Prozent rentiert. Anfang Oktober betrug sie schon 80 Prozent, im März erreichte sie bei 127 Prozent ihren Höchststand, seitdem hat sie sich sogar etwas erholt.
Warten, wie es weiter geht
Die Rendite der Unylon-Anleihe nahm einen ähnlichen Verlauf, lag aber schon im September 2008 bei knapp 30 Prozent und hatte nach dem Insolvenzantrag ihren Tiefststand von 4444 Prozent erreicht. Derzeit liegt sie bei 3326 Prozent. Dies ist aber eine akademische Ziffer, da ja eine Verlängerung der Laufzeit und der Aussetzung der Zinszahlung erwogen werden.
Was geschieht, wenn keine Einigung erfolgt bzw. wenn sich die Unylon Polymers als unverkäuflich erweisen sollte, darüber kann nur spekuliert werden. Wie sich die Attraktivität der Anleihen darstellen wird, wenn eine Einigung erfolgt, ist ebenso offen.