09.02.2006 · Des einen Freund, des anderen Leid - das läßt sich im Zusammenhang mit Übernahmen oft beobachten. Das Leid gilt meist für die Anleihegläubiger eines übernommenen Unternehmens, da Bonitätseinbußen zu Kursverlusten führen.
Des einen Freund, des anderen Leid - das läßt sich im Zusammenhang mit Übernahmen oft beobachten und gilt einerseits für Aktionäre und andererseits für die Anleihegläubiger eines übernommenen Unternehmens.
So erhalten die Anteilseigner und damit auch die Aktionäre im Rahmen einer solchen Transaktion in der Regel einen satten Aufschlag auf den bisherigen Firmenwert. Anders sieht des dagegen für die Gläubiger aus. Denn nicht selten werden Übernahmen durch neue Schulden finanziert, was zu einer Verminderung der Bonität des erworbenen Unternehmensteils oder gar des neu entstehenden Unternehmens führt.
Schuldenfinanzierte Übernahmen verschlechtern die Bonität und führen zu Kursverlusten
Eine schwächere Bonität ist an den Märkten verbunden mit einer höheren Risikoprämie in Form einer steigenden Rendite. Die wiederum bedeutet nichts anderes als Kursverluste der Rentenpapiere des übernommenen Unternehmens. Das zeigte sich in den vergangenen Tagen wieder einmal bei den ausstehenden Papieren der britischen BAA, nachdem die spanische Grupo Ferrovial ein feindliches Übernahmeangebot für den weltgrößten Flughafenbetreiber in Aussicht gestellt hat.
Anfang Februar hatte BAA Papiere im Volumen von umgerechnet 2,76 Milliarden Dollar plaziert. Der Kurs brach am achten Februar ein. Anleger, die diese Papiere gezeichnet haben, müssen Bloomberg-Berechnungen zufolge mit Verlusten von 87,7 Millionen Dollar rechnen. Aus diesem Grund haben sich die Anleihegläubiger in einer Gruppe zusammengeschlossen, um ihre „Optionen“ zu prüfen, sagte Joe Biernat, Leiter Analyse bei European Credit Management. „Wir sind gewillt, energisch zu werden, wenn es nötig ist“, erklärte Biernat in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. European Credit Management habe die Anleihe letzte Woche gezeichnet, berichtete er.
Das ist beileibe kein Einzelfall. Denn mehr als 50 Prozent der Unternehmen, deren Rating Moody's Investors Service in den vergangenen sechs Monaten herabgestuft hat, waren in irgendeiner Form in Übernahmen oder Fusionen involviert, schrieb Moody's- Chefvolkswirt für Europa, Guillaume Menuet, Anfang Januar in einer Studie.
Ein Beispiel sei der weltgrößte Reinigungskonzern ISS. Die Anleihen des Unternehmens gaben am 29. März deutlich nach, als EQT Partners - dahinter steht die schwedische Familie Wallenberg - und Goldman Sachs übereinkamen, ISS für 3,8 Milliarden Dollar zu kaufen. Der Kurs der 2014 fälligen ISS-Anleihe mit einem Kupon von 4,5 Prozent rutschte von 100,62 am 28. März auf 78,02 am 29. März ab, die Rendite schnellte 3,4 Prozentpunkte nach oben auf 7,81 Prozent. Die Anleihe war erst vier Monate zuvor aufgelegt worden. Eine Gruppe von Anleihegläubigern drohte wegen des Wertverlustes mit einer Klage, einigte sich aber im Oktober außergerichtlich.
Auch die BAA-Papiere haben verloren
Die BAA-Papiere werden erst am 15. Februar endgültig abgerechnet, das heißt, dann erst erfolgt eine Zahlung. Die Anleihegläubiger werden ein Rückgaberecht für die Papiere zum Kurs von 101 Prozent des Nominalwertes fordern, sollte eine Übernahme zu einer Bonitätsnote unterhalb von Investmentgrade führen, erläuterte Biernat. Erreicht werden könnte das über eine sogenannte „Change-of Control-Clause“, die in die Anleihebedingungen eingefügt wird, führte er aus. Andernfalls dürften die Investoren erwägen, ihre Zeichnungen zu annullieren, warnt Biernat.
Moody's bewertet den Flughafenbetreiber mit „Baa1“, der drittniedrigsten Stufe in der Kategorie Investmentgrade. Standard & Poor's hat die Note „A“ vergeben, zwei Stufen höher. S&P bestätigte das Rating am Mittwoch nach der Bekanntgabe der Ferrovial-Offerte. Mit dem Erlös der Anleihe will BAA den Kauf des ungarischen Flughafenbetreibers Budapest Airport Zrt. finanzieren. BAA habe die Papiere mit einer guten Rendite ausgestattet, weil „wir den Markt in guter Kondition verlassen wollen“, sagte Nick Roach, Leiter Finanzabteilung und Risikomanagement bei BAA, in einem Interview mit Bloomberg News am 2. Februar. „Wir wissen, daß wir in Zukunft erneut an den Markt gehen wollen, und uns ist klar, daß die Anleihen dem Investor ebenso Vorteile einbringen müssen wie uns.“
Vertreter von BAA hätten den Anlegern erklärt, sie seien „zuversichtlich, kein Übernahmeziel zu sein“, beschrieb Biernat. „Jetzt sind sie es und müssen die Klausel einfügen.“ Von den konsortialführenden Banken war keine Stellungnahme zu erhalten. BAA prüft einer eigenen Mitteilung derzeit die Auswirkungen eines Ferrovial-Angebots auf die Neuemission.
„Die Anleger werden künftig keine Unternehmensanleihen mehr kaufen wollen, wenn es keine Absicherung gegen so etwas gibt“, betonte Biernat, der bereits früher durch überraschende Übernahmen Nachteile erlitten hat. „Es ist einfach zu riskant.“