Die Zahl der Unternehmen, deren Bonitätseinschätzung unter die unterste Stufe der Kategorie Investment-Grade fällt, dürfte das zweite Jahr in Folge zurückgehen. Das erwartet die Ratingagentur Standard & Poor's. Angesichts der Konjunkturerholung sind die Unternehmen eher in der Lage, ihren Verbindlichkeiten nachzukommen.
Nachdem die Anzahl der gefallenen Engel im Jahr 2002 mit 82 einen Höchstwert erreichte, fiel sie im letzten Jahr auf 65. Sie dürfte dieses Jahr weiter auf 46 sinken, prognostiziert S&P. Unternehmen mit einer Bonitätseinschätzung niedriger als "BBB-" von S&P werden in der "Junk"-Kategorie eingestuft. Das bedeutet ein höheres Risiko, daß sie ihre Verbindlichkeiten nicht zurückzahlen können. Letztes Jahr waren Anleihen im Volumen von 77,3 Milliarden Dollar von derartigen Herabstufungen betroffen.
Bis 2002 war die Zahl der gefallenen Engel sieben Jahre lang gestiegen. Die Konjunkturabschwächung, Unternehmens- und Bilanzskandale, beispielsweise bei Enron Corp. und WorldCom Inc., forderten ihren Tribut. Jetzt profitieren die Unternehmen vom Konjunkturaufschwung. "Auf breiter Ebene beobachten wir eine Verbesserung bei den Bilanzen und steigende Rentabilität," berichtete Diane Vazza, geschäftsführende Direktorin Anleiheanalyse bei S&P in New York.
Tommy Hilfiger U.S.A., Toys "R" US seit neuestem „Ramsch“
Amerikas Notenbankchef Alan Greenspan sagte am Mittwoch, die Wirtschaft dürfte in diesem Jahr um fünf Prozent wachsen. Das wäre die stärkste Dynamik seit 1984. Der Internationale Währungsfonds wird wahrscheinlich seine weltweite Wachstumsprognose für dieses Jahr anheben, kündigte Horst Köhler, geschäftsführender Direktor beim IWF, diesen Monat an.
S&P hat diesen Monat die Ratingeinschätzung von drei Unternehmen der Investment-Grade-Kategorie auf "Ramsch" herabgesetzt: Tommy Hilfiger U.S.A., Toys "R" US Inc. und bestimmte Verbindlichkeiten von Southern California Edison Co.
Unternehmen, die zu gefallenen Engel werden können, haben ein Rating von "BBB-" und sind bei den Bonitätsperspektiven auf "negativ" gesetzt, erläutert Vazza. Das impliziert, daß sie auf eine mögliche Herabstufung geprüft werden. Die Branchen, in denen es dieses Jahr wahrscheinlich die meisten gefallenen Engel geben wird, sind Technologie, Versicherung, Medien, Unterhaltung und Versorger, erwartet Vazza.