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Unternehmensanleihen Renten in Not

16.04.2008 ·  Der Kurs so mancher Hochzinsanleihe, der zu Jahresbeginn unter Druck stand, hat sich erholen können. Nicht so bei Thomson und Waterford Wedgwood: Die Krise beider Unternehmen hat sich jüngst erst dramatisch verschärft.

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Nach der großen Panik zu Jahresbeginn, in deren Zug wahllos risikoträchtige Anleihen abgestoßen und Staatsanleihen gekauft wurden, ohne dass das eine oder andere immer vernünftig gewesen wäre, ist auch im Bereich der Hochzinsanleihen Ruhe eingekehrt.

Zum Teil konnten sich Anleihenkurse wieder fangen, wie etwa der der mit 8,625 Prozent verzinsten Grohe-Anleihe (Isin XS0200848041) die seit ihrem Märztief mittlerweile 13 Prozent zulegen konnte oder die des Chemieunternehmens Cognis, das am Donnerstag zahlen vorlegen wird und deren Bond (Isin XS0191508281) sich mit 93,5 Prozent wieder normalen Kursniveaus nähert.

Dividendenausfall bei Thomson schlecht auch für Gläubiger

Die Kurse anderer Anleihen stehen dagegen völlig unter Wasser, beispielsweise der Hybrid-Bond des französischen Anbieters von Medientechnik, dessen Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen am Mittwoch um nicht weniger als 864 Basispunkte auf 2827 Basispunkte nach oben schoss, nachdem das Unternehmen entgegen seiner früheren Ankündigung für das vergangene Jahr keine Dividende ausschütten wird.

Das Fatale für die Anleihegläubiger ist, dass die Zinsen nur gezahlt werden müssen, wenn auch eine Dividende ausgeschüttet werden muss und diese Zinsen auch nicht nachgezahlt werden müssen. Mit dem Moratorium würde Thomson 28,75 Millionen Euro jährlich einsparen können.

Die Bonds, die in Stuttgart und Frankfurt noch mit rund 40 Prozent des Nominalwerts gelistet sind, werden nach Angaben der Royal Bank of Scotland derzeit tatsächlich noch zu 28 Prozent gehandelt.

Komplett in der Krise

Thomson steckt nicht nur in einer Führungskrise, nachdem Präsident Frank Dangeard das Unternehmen Anfang des Monats verließ, dem der Aufsichtsrat die jüngsten Verluste des Unternehmens ankreidet. Dangeard stieß vor drei Jahren zu Thomson und versuchte, das französische Unternehmen von der Unterhaltungselektronik für den Massenmarkt auf einen professionellen Anbieter der Medienbranche umzupolen. Viele Analysten verfolgten den Wandel jedoch mit Skepsis.

Doch 2007 erlitt Thomson bei einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro einen Verlust von 23 Millionen Euro. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres sank der Umsatz auf Basis konstanter Wechselkurse um 11 Prozent auf knapp über eine Milliarde Euro. Nach Angaben von Thomson schlug sich der lange Streik der Drehbuchautoren in Hollywood negativ nieder, denn viele Fernsehproduktionen, die Thomson mit Filmtechnik beliefert, fielen aus.

Zahlungsausfall droht nicht - Tilgung nicht unbedingt vorgesehen

Im zweiten Quartal soll der Umsatz um weitere 6 bis 8 Prozent sinken, und aufgrund von Restrukturierungskosten werde im ersten Halbjahr ein Verlust anfallen. Ein Betriebsgewinn soll dagegen noch erwirtschaftet werden, kündigte das Unternehmen an.

Jetzt setzt Thomson auf Kostensenkung - in diesem Jahr sollen die Betriebskosten um rund 50 Millionen Euro sinken - und auf die Verkäufe von kleineren Unternehmensbereichen. Das verlustreiche Silikon-Geschäft könnte dazu gehören, deutete Thomson an.

Ein Zahlungsausfall der mit Ba3 bewerteten Anleihen steht nicht bevor - aufgrund der unbegrenzten Laufzeit. Indes läuft es auf dasselbe hinaus, wenn die Zinsen für längere Zeit nicht bezahlt werden.

Nettoverschuldung von Waterford Wedgwood weiter gestiegen

Ebenfalls jenseits von Gut und Böse befindet sich mittlerweile der Kurs des Bonds des irischen Kristallherstellers Waterford Wedgwood. Konnte sich der Kurs zum Jahreswechsel noch kurzzeitig von 46,6 Prozent bis auf 79 Prozent erholen, nachdem einer Tochter-Gesellschaft der amerikanisch-französischen Investmentbank Lazard fünf Millionen konvertible Vorzugsaktien aus einer Kapitalerhöhung zeichnete, so hatte der Bond bei 36,5 Prozent zu Monatsbeginn einen neuen Tiefststand erreicht.

Grund dürfte der Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Peter Cameron sein, der laut Mitteilung eigene Geschäftsinteressen verfolgen werde. Das Unternehmen hatte zwar im Vorjahr den operativen Verlust auf 17 Millionen und den Nettoverlust auf 71 Millionen Euro deutlich verringern können. Doch lag das deutlich unter den Erwartungen.

Auch hat sich die Nettoverschuldung weiter um knapp elf Prozent auf 412,2 Millionen Euro erhöht. Schon im Weihnachtsgeschäft hatten Liquiditätsengpässe die die Produktion und den Vertrieb gehemmt.

Akute Ausfallgefährdung

Seit dem Weggang von Cameron scheinen sich jetzt die Ereignisse zu überstürzen. Ende der vergangenen Woche wurde bekannt, dass das Unternehmen sich nun um staatliche Garantien für einen Kredit über 39 Millionen Euro bemüht, mit dem man die traditionsreiche Kristallsparte retten möchte, auch wenn diese in Irland in der Hauptsache noch ein touristische Attraktion darstellt.

Nichtsdestotrotz beschäftigt das Unternehmen noch 1.000 Mitarbeiter am Traditionsstandort Kilbarry, obwohl seit Februar klar ist, dass die Belegschaft auf 500 Mitarbeiter reduziert werden soll.

Die im Dezember 2010 fällige, mit 9,875 Prozent verzinste Anleihe wird von Standard & Poor's seit Montag nur noch mit „CC“ bewertet, da die Liquiditätsrisiken es unwahrscheinlich machten, dass sich die operativen Verbesserungen im laufenden Geschäftsjahr fortsetzen ließen. S&P rechnet mit einem negativen Ebitda vor Sondereffekten, nachdem dieses im Vorjahr bei 15 Millionen Euro gelegen hatte.

Verfehlte Akquisitionsstrategie?

Damit stuft die Agentur den Bond als akut ausfallgefährdet ein. Das Emittentenrating liegt nunmehr bei „CCC“. Die irische Regierung reagierte auf das Ansinnen des Unternehmens positiv, was auch den Anleihenkurs wieder auf 41,5 Prozent klettern ließ.

Doch mittlerweile mehren sich Stimmen, die in den Liquiditätsengpässen das Symptom und nicht die Ursache des Problems sehen. Vielmehr seien in den vergangenen Jahren Hunderte Millionen Euro für verfehlte Zukäufe aus dem Fenster geworfen worden, schreibt die irische Wochenzeitung „Sunday Business Post“ und die „Irish Times“ weist daraufhin, dass die einheimische Kristallsparte Waterford noch allemal besser laufe als die britischen Keramikzukäufe Wedgwood und Royal Doulton.

Die Regierungsgarantien werden von Verwaltungsratschef Tony O'Reilly besichert, der gleichzeitig einer der reichsten Männer des Landes ist und den Konzern schon einmal in den achtziger Jahren gerettet hatte. Damals sei dieser aber noch nicht von schuldenfinanzierten Zukäufen belastete gewesen, heißt es.

Rosenthal hofft auf Wende

Auch die deutsche Tochter Rosenthal hat zu kämpfen. „Beeinflusst durch die Restrukturierungsmaßnahmen erwartet die Rosenthal AG im laufenden Geschäftsjahr 2008 eine Umsatz- und Ergebnisentwicklung unter Vorjahresniveau“, hieß es in einer Pressemitteilung Mitte Februar. Dadurch hofft man, für die Zukunft besser gewappnet zu sein.

Im ersten Halbjahr des im März endenden Geschäftsjahres war der Umsatz um 4,8 Prozent zurückgegangen. Der operative Verlust hatte sich gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres auf 5,2 Millionen Euro versiebenfacht, der Verlust nach Steuern stieg um knapp das Dreifache auf 7,7 Millionen Euro.

Daraufhin schmolz auch das Eigenkapital um 5,6 Millionen Euro und die Eigenkapitalquote im Berichtszeitraum von schwachen 11,1 auf magere 6,6 Prozent zusammen. Im Januar beschloss der Vorstand daraufhin eine Kapitalerhöhung um 2,45 Millionen Euro zu erhöhen.

Wer sich von den mehr als 60 Prozent nominaler Rendite locken lässt, der läuft trotz aller Rettungsversuche dennoch Gefahr, dass Tony O'Reilly irgendwann in den kommenden Jahren die Nabelschnur für das Unternehmen durchschneidet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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