08.05.2009 · In den Boomjahren wurden Unternehmensanleihen vor allem bei Profis plaziert, Privatanleger schauten in die Röhre. Derzeit sind sie gefragter denn je. Wohl dem, dessen Bank unter den Zeichnern ist.
Von Martin HockWährend die Wirtschaft noch im tiefen Konjunkturtal steckt, überlegen Börsianer schon lange, wer denn die Krisensieger sein könnten. Angesichts der Bankenkrise und der Tatsache, dass die vergangene Hausse hauptsächlich kreditfinanziert war, gehen viel Aktienstrategen davon aus, dass Liquidität zu den Erfolgsfaktoren der kommenden Monate zählt.
Das hat sich im ersten Quartal in einer wahren Flut von Emissionen am Primärmarkt für Unternehmensanleihen bemerkbar gemacht. Anders als früher seien diese vor allem auf Vorrat und nicht zu Akquisitionszwecken begeben worden, sagt Roland Plan, der bei der Royal Bank of Scotland das Emissionsgeschäft leitet. Dabei akzeptierten die Emittenten bisweilen Aufschläge gegenüber den Referenzzinssätzen, die vor einigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte.
Fundamentaler Wandel am Primärmarkt
Die Emissionsflut sei gleichzeitig auf eine enorm hohe Nachfrage gestoßen, so Plan, vor allem von Privatanlegern. Dafür spreche eine grundsätzlich andere Struktur der Zeichner. Seien Emissionen in früheren Zeiten vor allem von großen Adressen gekauft worden, so träten jetzt zahlreiche kleinere Banken als Abnehmer auf, die zuvor nie in Erscheinung getreten seien.
Diese kauften nahezu ausschließlich Schuldtitel nationaler Emittenten, ob es sich nun um Schweizer Kantonalbanken, dänische Sparkassen oder deutsche Volksbanken handelt - eine typische Präferenz von Privatanlegern.
Auch ein Wandel in den Anleihebedingungen deute auf eine andere Endkundschaft hin. Da Privatkunden Anleihen grundsätzlich auf Endfälligkeit kauften, seien die Emissionen zuletzt grundsätzlich mit Laufzeiten unter 7 Jahren ausgestattet gewesen. Vor allem aber seien die Stückelungen wieder auf 1000 Euro reduziert worden, während früher Emissionen mit einer Stückelung von 50.000 Euro eher der Standard gewesen seien.
Säkularer Wandel in der Unternehmensfinanzierung
In jüngster Zeit sei das Geschäft indes etwas ruhiger geworden. Das ist wenig verwunderlich. Zum einen haben sich die Börsen wieder stabilisiert, und so hoffen wohl einige potentielle Emittenten, so weit sie ihren Liquiditätsbedarf nicht schon befriedigt haben, auf wieder günstigere Konditionen. Zum anderen dürfte sich die Nachfrage gerade einer Klientel, die Anleihen bis zur Endfälligkeit hält, auf Dauer abschwächen.
Doch Plan ist für den Primärmarkt nicht bange. Denn er sieht auf der Angebotsseite auch einen säkularen Effekt. Traditionell hätten sich westeuropäische Unternehmen zu einem großen Teil über Kredite ihrer Hausbanken finanziert. Die derzeitige Krise habe ihnen aber die Nachteile dieser Finanzierungsart deutlich gemacht. Plan geht davon aus, dass sich das Verhältnis verschieben werde und sich auch westeuropäische Unternehmen künftig mehr über den Kapitalmarkt als über Bankkredite finanzieren werden.
Anleihen dürften teurer werden
Dabei kann Ihnen nicht viel Besseres passieren, als Privatanleger zu Gläubigern zu haben. Diese bescheiden sich in der Regel mit einer pünktlichen Zinszahlung und Tilgung, vor allem aber neigen sie weniger dazu, Anleihen zu verkaufen, so dass die Gläubigerstruktur weitgehend konstant bleibt.
Unter den Privatanlegern profitieren allerdings vor allem diejenigen von dieser Entwicklung, deren Banken sie an der Zeichnung teilhaben lassen. Denn je mehr Anleihen sich in festen Händen befinden, desto stärker sinkt die Liquidität auf dem Sekundärmarkt. In der Folge sinken die Risikoaufschläge, fallen die Kurse und weiten sich die Spannen zwischen Geld- und Briefkursen aus. Kurz und gut: Unternehmensanleihen dürften teurer werden.