20.04.2007 · Mit einer Hybrid-Anleihe finanziert der Holzwerkstoffspezialist Pfleiderer die Übernahme des schwedischen Laminatfußbodenherstellers Pergo. Das Papier rentiert mit 7,125 Prozent per Emission und erscheint damit angemessen bewertet.
Hybrid-Anleihen standen vor zwei Jahren, als das Finanzierungsvehikel neu war, an der Börse deutlich stärker im Fokus als es derzeit der Fall ist. Das liegt nicht zuletzt an der wenig berauschenden Performance des Anleihenmarktes.
Nichtsdestotrotz ist diese Anleihenform weiter gefragt und so bringt nun der Holzverarbeiter Pfleiderer eine Hybrid-Anleihe auf den Markt. Begeben wird die Anleihe im Zuge der Expansion des Konzerns im Holzwerkstoffgeschäft, zu welchem Zweck das Unternehmen den schwedischen Laminatfußbodenherstellers Pergo übernommen hat. Mit dem Erlös soll gemeinsam mit anderen Finanzierungsmitteln ein Brückenkredit refinanziert werden.
Gutes spekulatives Rating
Die Titel im Volumen von insgesamt 275 Millionen Euro sind mit einem Kupon von 7,125 Prozent ausgestattet und werden zu pari ausgegeben. Die Anleihe soll nach sieben Jahren gekündigt werden können. Anfänglich war mit einem Gesamtvolumen von 200 bis 250 Millionen Euro gerechnet worden.
Die Anleihe ist nachrangig besichert und wird üblicherweise zwei Stufen unterhalb des Senior-Ratings der Gesellschaft bewertet. So hat Moody's die Bonität des Unternehmens zunächst einmal mit der Note „Ba2“ eingestuft und ihm damit das zweihöchste spekulative Rating verliehen. Die Hybridanleihe wurde mit „B1“ im oberen Mittelfeld der spekulativen Ratings eingestuft.
Moody's begründete die Bewertungen mit der guten Marktposition des Unternehmens auf seinen Kernmärkten Deutschland, Nordamerika und West- und Osteuropa sowie mit der daraus resultierenden geografischen Diversifizierung. Dadurch sei die Gesellschaft in der Lage, eine schwächere Entwicklung auf einem Markt durch ein besseres Abschneiden auf einem anderen aufzufangen. Darüber hinaus begünstige Pfleiderers Positionierung auf dem Renovierungsmarkt die Bonitätseinstufung, denn der Markt für Neubauten sei insgesamt zyklischer. Positiv wertete Moody's auch die vergleichbar hohen operativen Margen.
Anleihe erscheint angemessen bewertet
Fitch Ratings ordnet die Bonität des Unternehmens mit „BB“ ähnlich wie Moody's ein, hält aber eine Heraufstufung auf „BB+“ für möglich, die Anleihe selbst wird mit BB- bewertet und damit um eine Stufe besser als von Moody's.
Pfleiderer hat die Eigenkapitalquote zum 31.12.2006 deutlich auf 39,5 Prozent gegenüber 19,1 Prozent zum Vorjahresstichtag erhöhen können. Dabei wurden die Finanzverbindlichkeiten von 702 auf 458 Millionen Euro massiv abgebaut, so dass auch die Nettoverschuldung deutlich um rund ein Drittel auf 414,6 Millionen Euro abnahm. Möglich wurde dies durch die Restrukturierung eines Konsortialkredits. Aufgrund der Eigenheiten von Hybrid-Anleihen werden diese als Eigenkapital bilanziert. Von Moody's wird die Anleihe zu 50 Prozent, von Fitch zu 75 Prozent als Eigenkapital eingestuft.
Geht man nach den ewigen Renditen von Hybrid-Anleihen, so erscheint die Pfleiderer-Anleihe im Vergleich zu Hybrid-Anleihen mit höherer Bonität durchaus akzeptabel bewertet. Die mit „BB“ bewertet Anleihe des französischen Thomson-Konzerns rentiert bei 6,53 Prozent, die mit „BB+“ bewertete Linde-Anleihe bei 5,8 Prozent. Indes wird die mit „B-“ eingeordnete Tui-Anleihe mit mehr als acht Prozent gehandelt, die nicht geratete Anleihe von Porsche mit sieben Prozent.