29.06.2010 · Nach Heidelbergcement haben nun auch Peugeot und Renault neue Anleihen auf den Markt gebracht. Diese waren am Montag durchaus gefragt, doch besteht Skepsis, dass die Emissionstätigkeit anhält.
Von Martin HockNach kurzzeitiger Flaute wurde das Treiben am Emissionsmarkt für Unternehmensanleihen in der vergangenen Woche wieder bunter. Auch Anleihen mit Bonitätsnoten im spekulativen Bereich waren nicht selten vertreten.
Den Anfang machte Heidelbergcement (Isin XS0520759803), wobei der Baustoffhersteller nach Ansicht der Analysten der WGZ-Bank angesichts eines schwachen Aktienmarktumfelds nicht gerade einen idealen Zeitpunkt zur Plazierung seines Rentenpapiers erwischte und so stieg die zunächst Rendite leicht an.
Zwei ähnliche Papiere aus Frankreichs Autoindustrie
Nicht so viel besser fuhren die französischen Autohersteller Peugeot (Isin FR001091511) und Renault Isin FR0010916734). Beide haben ein etwas besseres Rating als Heidelbergcement, wobei Peugeot mit „BB+“ knapp unter Investmentgrad und eine Stufe besser als Renault eingeordnet wird. Moody's vergibt mit “Baa3“ sogar noch ein Investment-Grad-Rating.
Beide Papiere besitzen eine fünfjährige Laufzeit und einen Kupon von 5,625 Prozent und haben auch ein ähnliches Volumen von 500 Millionen Euro im Falle Peugeots und 400 Millionen Euro bei Renault. Trotz der etwas besseren Bonitätsnote wurde die erstere mit einem leicht höheren Renditeaufschlag gegenüber dem Referenzzinssatz von 3,57 Prozentpunkten begeben. bei letzterer betrug dieser lediglich 3,50 Prozentpunkte.
Ähnlich krisenbelastet
Gefragt waren am Montag allerdings beide, wenn gleich sich eine Präferenz für den Peugeot-Bond herauskristallisierte, was beim höheren Rating und höherem Aufschlag bei sonst gleicher Ausstattung nicht überrascht. Jedenfalls fiel die Rendite des Rentenpapiers von ursprünglich 5,75 Prozent recht deutlich auf 5,6 Prozent, während die Verringerung bei Renault von 5,77 auf 5,75 Prozent doch eher bescheiden ausfiel.
Beide Emittenten hatten in der Krise mit den gleichen Problemen zu kämpfen: Die Umsätze fielen seit 2007 deutlich, 2009 brachte herbe Verluste. Die Eigenkapitalquoten gingen deutlich zurück, bei Peugeot fiel sie zwar nur leicht, lag aber zuletzt unter 20 Prozent. Die Decke von Renault ist mit gut 25 Prozent zwar etwas dicker, ist aber von mehr als 30 Prozent deutlicher zurückgegangen. Beide wurden vom französischen Staat gestützt.
Vor allem stieg die Hebelung der Bilanz und erreichte bei Peugeot das Neun- und bei Renault mehr als Zehnfache des operativen Gewinns. Allerdings soll das 2010 besser werden: Der operative Gewinn von Peugeot soll laut Analystenprognosen immerhin das reduzierte Niveau von 2008 wieder erreichen, Renault diesen sogar übertreffen. Insgesamt ergeben die Bilanzkennziffern von Renault ein etwas volatileres Bild als bei Peugeot.
„Nicht für die breite Anlegerschaft geeignet“
Gegenüber vergleichbaren Anleihen bieten beide Anleihen nicht sehr viel mehr. Die 2014 fälligen Anleihen der beiden Konzerne rentieren lediglich 24 (Peugeot) bzw. 33 Basispunkte niedriger, das erscheint aber angemessen. Eine im Februar 2015 fällige Fiat-Anleihe rentiert bei gleicher Bonitätsnote wie Renault bei 6,38 Prozent, hat aber den Nachteil einer Mindeststückelung von 50.000 Euro.
Interessanter wird es gegenüber Titeln aus anderen Branchen: Die Anleihe des französischen Baustoffherstellers Lafarge, die im Mai 2015 fällig wird, rentiert mit 5,4 Prozent, die im März 2015 fällige Anleihe von Thyssen-Krupp mit 3,82 Prozent.
WGZ-Bank-Analyst Markus Roß hält die Anleihen trotz eines attraktiven Renditeniveaus für nicht für die breite Anlegerschaft geeignet. Die hohe Absatzkonzentration auf die (west-)europäischen Märkte dürfte vor dem Hintergrund der auslaufenden Förderprogramme insbesondere in der zweiten Jahreshälfte einen signifikanten Belastungsfaktor darstellen. Die Profitabilität sei schwach, die Nettoverschuldung hoch. Wenn, so empfehlen die Analysten sogar eher Renault, da an diesem Konzern der französische Staat mit 15 Prozent beteiligt sei und außerdem potenziell veräußerbare Beteiligungen wie an Volvo vorhanden seien.
Unsicherheit am Primärmarkt
Analysten zeigten sich nach den Renditeanstiegen in der Vorwoche angesichts der Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Auswirkung der Verschuldungskrise skeptisch, was die Aussichten für Unternehmensanleihen und den Emissionsmarkt angeht. Renault hatte schon das ursprüngliche Volumen von 500 Millionen Euro zusammenstreichen müssen.
„Geht man nach dem Erfolg der jüngsten Emissionen, so sollten wir den laden für den Sommer schließen“, sagte etwa Suki Mann, die die strategische Anleihenabteilung der Societe Generale in London leitet, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Norval Loftus, von der Fondsgesellschaft Allegra sieht eine sehr fragile und wendische Stimmung und befürchtet, dass die Emissionstätigkeit gerade bei Emittenten guter Bonität zurückgehen könnte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3216 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 118,08 $ | +0,15% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |