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Unternehmensanleihen : PCC-Anleihen sind etwas für Zinssammler

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Bild: FAZ.NET

Einen neuen Siebenprozenter in Direktemission begibt das Duisburger Chemie- und Rohstoffhandelsunternehmen PCC. Die Geschäfte liefen zuletzt nicht mehr so glatt wie gewohnt, doch stellt sich das Unternehmen weiterhin solide dar.

          Die Duisburger PCC AG finanziert sich schon seit 1998 über Inhaberschuldverschreibungen, um nicht von Banken oder Aktionären abhängig zu sein. Sie befindet sich praktisch im Alleinbesitz von Vorstandschef Waldemar Preussner. Derzeit begibt das Unternehmen eine neue Anleihe, die mit sieben Prozent verzinst und an der Börse gelistet werden wird. Die Anleihe läuft bis zum 1. April 2011 und kann ohne Agio bei einer Mindestanlagesumme von 5.000 Euro direkt bei PCC gezeichnet werden (Isin: DE000A0JFJ90).

          Vom Rohstoffhandel zur Chemie

          Die PCC-Unternehmensgruppe ist in den drei Sparten Handel/Energie, Chemie-Produktion und Logistik tätig und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 2.800 Mitarbeiter in 16 Ländern. 1993 gegründet handelte PCC ursprünglich mit chemischen Rohstoffen und festen Brennstoffen. Dieses Segment gehört auch heute noch heute zu den Kerngeschäftsfeldern des Konzerns. Im Energiehandel wurde PCC bereits seit Beginn der Liberalisierung der Märkte 1998 aktiv und ist als Großhändler und Stromversorger für Industrie und Mittelstand tätig.

          PCC hat sich in den vergangenen Jahren gezielt bei Unternehmen der polnischen Chemieindustrie eingekauft und seine Handelstätigkeiten durch Produktion unterstützt. Hergestellt und veredelt werden unter anderem Basischemikalien wie Phenol- und Phosphorverbindungen, Adipinsäure und Polyole sowie Steinkohlenteer, die beispielsweise in der Papier-, Waschmittel-, Textil-, Kosmetik- und Pharmaindustrie eingesetzt werden

          Die Sparte Logistik wird seit 2001 ebenfalls kontinuierlich ausgebaut. Mit über 84 eigenen Lokomotiven und rund 2.800 Waggons, Kessel- und Tanklastwagen gehören die PCC-Unternehmen zu den größten privaten Bahnbetreibern in Polen.

          Rohstoffhandel in den roten Zahlen

          Das Unternehmen steigerte in den vergangenen Jahren den Umsatz deutlich. 2005 legte dieser nach eigenen Angaben den Umsatz um knapp 20 Prozent auf 820 Millionen Euro zu. Indes entwickelten sich die Erträge weniger positiv als in den Vorjahren. Insgesamt über alle Sparten konnte PCC mit knapp 17 Millionen Euro Gewinn vor Steuern (EBT) nur ein Ergebnis unter dem Niveau des Jahres 2004 (17,5 Millionen Euro) erwirtschaften.

          Vor allem schloß der Geschäftsbereich Handel/Energie, auf den rund zwei Drittel des Umsatzes entfallen, das dritte und vierte Quartal mit Verlust ab. Gründe waren ein schwaches Energiehandelsgeschäft und ein flauer Handel mit Kraftwerkskohle, der ob dessen zum Jahresende auch komplett eingestellt wurde.

          Im dritten Quartal sei es unter anderem unerwartet zu Durchleitungsbeschränkungen in
          Südosteuropa gekommen, durch die man gezwungen gewesen sei, teure Regelenergie zuzukaufen, um Verträge zu bedienen.

          Umsatzrückgang für 2006 prognostiziert

          Diese Verluste konnten durch über Plan liegende Ergebnisse der Sparten Chemie-Produktion und Logistik großteils kompensiert werden. Dabei kam PCC auch eine gute Entwicklung des polnischen Zloty gegenüber dem Dollar zugute.

          Das Unternehmen plaziert sich zusehends stärker in der Chemie-Produktion und hat im Februar mit Chemax einen amerikanischen Entwickler von Tensiden übernommen. 2005 habe das Unternehmen mit 27 Beschäftigten einen Umsatz von 16,8 Millionen Dollar erzielt.

          Chemax produziert nicht selbst, sondern über Lohnfertiger. Kunden seien sogenannte Compoundierer, die Tenside aus dem Chemax-Labor als Bestandteil eigener Produkte einsetzten. Beliefert werden mit diesen Produkten Unternehmen der Kunststoff-, Metall-, Textil- und Erdölindustrie.

          Für 2006 erwartet PCC für alle Geschäftsbereiche wieder einen positiven Geschäftsverlauf. Indes sind die guten Zeiten im Rohstoff- und Energiehandel offenbar erst einmal vorbei und so prognostiziert man einen um drei Prozent geringeren Umsatz von 795 Millionen Euro, wovon im ersten Quartal bereits 238 Millionen erwirtschaftet wurden.

          Genußrechtsemission erhöht Eigenkapital

          Das Vorsteuerergebnis betrug 3,7 Millionen Euro und lag damit rund 18 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresquartals. Grund waren erneute Verluste im Geschäftsbereich Handel/Energie in Höhe von 150.000 Euro. Im März sei das Ergebnis aber bereits positiv gewesen. Eine stärkere Konzentration auf einige wenige strategische Produkte sowie eine Reduzierung der Fixkosten soll nunmehr die Wirtschaftlichkeit des mit einem Umsatzanteil von rund zwei Dritteln größten Geschäftsbereichs nachhaltig verbessern.

          Den größten Ergebnisbeitrag leistete dabei wie erwartet die Sparte Chemie-Produktion. Etwas Sorgen macht die in der Produktion von Haushaltschemikalien tätige „Enkeltochter“ Kosmet-Rokita, die zwar im ersten Quartal 2006 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen konnte, aber deren Erfolgsaussichten angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbsdrucks bei der Belieferung großer Handelsketten „eher fraglich“ seien. Die PCC Rokita habe daher für 2006 den Verkauf dieser Tochter in Erwägung gezogen.

          Ihre Anleihen hat die PCC AG bislang stets pünktlich bedient. Die Liquidität des Unternehmens betrug mit dem Bilanzstichtag 30. September 2005 57,8 Millionen Euro. Die Quote des wirtschaftlichen Eigenkapitals war um 1,4 Prozentpunkte auf 34,5 Prozent gestiegen. Indes hat die Quote des bilanziellen Eigenkapitals deutlich abgenommen, da sich dieses trotz größerer Bilanzsumme kaum verändert hat. Das zusätzliche wirtschaftliche Eigenkapital ist vielmehr einer Genußrechtsemission geschuldet, die mit einem Volumen von 36 Millionen Euro zu Buche schlägt.

          Anleihekapital dient der Wachstumsfinanzierung

          Die Fremdkapitalquote ist dementsprechend gesunken. Allerdings steht auch das Genußrechtskapital nur zeitlich begrenzt zur Verfügung und muß zur Hälfte im Dezember 2011 getilgt werden, die andere Hälfte kann 2012 gekündigt werden.

          Insofern ist die zukünftige Liquiditätsbelastung größer geworden, weil dem Unternehmen kein bilanzielles Eigenkapital zugeführt wurde. Nicht zuletzt stiegen auch die Anleiheschulden zwischen dem 30. September 2004 und dem 30. September 2005 um 73,4 Prozent auf 82,7 Millionen Euro.

          Der freie Cashflow des Unternehmens war in den Jahren 2003 und 2004 negativ, wobei der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit 2003 noch positiv war. Die liquiden Mittel wurden aus Finanzierungstätigkeit aufgestockt. Eine spruchreife Kapitalflußrechnung für 2005 liegt derzeit noch nicht vor.

          Laut PCC befindet man sich derzeit in einer Phase starken Wachstums, das man durch Anleihekapital finanziert. Mit den Akquisitionen kaufe man sich auch positiven Cashflow dazu. Außerdem verweist man bei der Kapitalflußrechnung auf nachteilige Effekte der Finanzierung durch die Direktemission. Bevor das benötigte Kapital für eine Akquisition eingesammelt ist, werde die Liquidität schon durch Zinszahlungen belastet. Man sei bemüht die Finanzierungsstruktur zu verbessern, die Genußrechtsemission sei hier ein Schritt. Für das Jahr 2007 peilt man die Einleitung einer Konsolidierung an.

          Weiter eher ein Papier für Zinssammler

          Diese Argumentation erscheint durchaus plausibel und durchdacht. Auch ist die Bilanzstruktur der PCC derzeit völlig in Ordnung und im Rahmen des Üblichen. Es gibt momentan keinen Anlaß, an der Solvenz des Unternehmens Zweifel zu hegen. Derzeit scheint man sich etwas in der Umstrukturierung vom Rohstoffhändler zum Chemie-Unternehmen zu befinden.

          Das Unternehmen hat weiterhin kein Agentur-Rating und die Anleihen somit durchaus ein höheres Risiko, weil es keine unabhängigen Analysen gibt. Das kann sich in deutlichen Kursverlusten bemerkbar machen können, wenn die Geschäftsentwicklung schlechter verlaufen sollte als erwartet.

          Kursgewinne sind mit den Papieren möglich, wenngleich derzeit eher weniger wahrscheinlich. Zum einen ist das Klima für spekulative Anleihen aufgrund der verringerten Risiko-Aversion der Anleger momentan eher ungünstiger geworden. Die 2005 emittierte PCC-Anleihe hatte nach Beginn der Notierung zunächst bis auf 99,65 Prozent nachgegeben, bevor sie Ende Mai auf 102,5 Prozent hochschnellte. Mittlerweile notiert sie bei 101 Prozent.

          Das Papier ist daher eher etwas für Hochzinssammler. Das Listing bietet aber in Anbetracht der relativ stabilen Kursentwicklung eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, wenn nötig Kasse zu machen.

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