Home
http://www.faz.net/-gvt-qcxs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Unternehmensanleihen Neue Metro-Anleihe lockt mit vorteilhaften Konditionen

05.12.2008 ·  Mit 581 Basispunkten weist die neue Metro-Anleihe einen deutlichen Renditevorsprung gegenüber Bundesanleihen auf. Auch innerhalb der Branche verfügt das Papier laut WGZ-Bank über ein attraktives Rating-Rendite-Verhältnis.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Bei den festverzinslichen Anlagepapieren bietet sich nach wie vor ein zwiespältiges Bild. Während erstklassige Staatsanleihen immer weniger abwerfen, weisen Unternehmensanleihe oft so eine so hohe Risikoprämie auf wie noch nie. Nachdem die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Donnerstag mit zeitweise 2,94 Prozent auf den niedrigsten Stand seit dem Fall der Berliner Mauer 1989 gesunken ist, stellt sich für Sparer immer dringender die Frage, ob man sich damit zufrieden geben soll, oder vielleicht doch auf die eine oder andere Unternehmensanleihe setzen soll.

Eine Alternative könnte eventuell das in der Vorwoche aufgelegte Euro-Anleihe (ISIN: DE000A0T33X3, 104,00 Prozent) des Düsseldorfer Einzelhandelskonzerns Metro (Rating: Baa2/BBB+/BBB) sein. Zumindest können Anleger, die eine Kaufen und Halten-Strategie verfolgen und die noch nicht im Einzelhandelssegment engagiert sind, nach Einschätzung der WGZ-Bank das Papier in Erwägung ziehen. Und Investoren, die bereits in Metro-Papieren investiert sind, wird geraten, sich den Renditeaufschlag durch einen Umtausch ihrer bisherigen Euro-Anleihen in den neuen Bond zu sichern. Ähnliches gilt demnach für Investoren, die in Papieren von Casino oder anderen Emittenten mit längeren Laufzeiten engagiert sind.

Attraktives Rating-Rendite-Verhältnis innerhalb der Branche

Zur Begründung wird auf die überschaubare Laufzeit und das innerhalb des Retail-Segments vergleichsweise bessere Rating-Rendite-Verhältnis verwiesen. Als entscheidendes Argument werden dabei die vorteilhaften Konditionen hervorgehoben und weniger der Name des Emittenten oder die Branche. Die Emission hat ein Volumen von 500 Millionen Euro und ist mit einem Kupon von 9,375 Prozent ausgestattet. Das Papier läuft bis zum 28. November 2013 und der Mindestanlagebetrag beläuft sich auf 1.000 Euro.

Die Anleihe wurde mit einem Renditeaufschlag von 590 Basispunkten über dem Swapsatz begeben und weist derzeit bei einer Rendite von 8,35 Prozent einen Renditevorsprung gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen von 581 Basispunkten auf. Obwohl sich der Aufschlag damit etwas verringert hat, sind die Konditionen laut WGZ-Analyst Torsten Hähn nach wie vor günstig. Denn abgesehen von einer bis 2013 laufenden Casino-Anleihe weist das Papier die höchsten Risikoaufschläge innerhalb des Segmentes Einzelhandel auf, obwohl es in diesem Segment sowohl Bonds anderer Emittenten mit längeren Laufzeiten als auch schwächere Bonitäten gibt. Schon aus dieser relativen Betrachtung heraus erwartet Hähn, dass sich die neue Metro-Anleihe weiterhin gut behaupten sollte und zunächst eine weitere Annäherung der Risikoaufschläge an die länger existierenden Bonds vollzogen werden dürfte.

Zum bisherigen Geschäftsverlauf bei Metro im Jahr 2008 heißt es ergänzend, dieser sei zufrieden stellend verlaufen und die Daten für das dritte Quartal hätten oberhalb der Erwartungen gelegen. Nach neun Monaten ist der Umsatz um 7,1 Prozent auf 47,85 Milliarden Euro gestiegen. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen lag mit 855 Millionen Euro um elf Prozent höher als in den ersten neun Monaten des Vorjahres. Werden Sonderfaktoren (Straffung des Real-Ladennetzes) berücksichtigt, lag das betriebliche Ergebnis jedoch mit 618 Millionen Euro um knapp 20 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Für das Gesamtjahr hat der Vorstand ein Umsatzwachstum von mehr als sechs Prozent in Aussicht gestellt und ein Betriebsgewinnwachstum von sechs bis acht Prozent. Allerdings wird viel davon abhängen, wie das für den Einzelhandel so wichtige vierte Quartal verläuft und wie stark sich die Konjunkturschwäche im nächsten Jahr bemerkbar macht. Zumal es bei einem Konjunkturabschwung oft so ist, dass der Einzelhandel die Flaute eher später spürt.

Ratingagenturen äußerten sich zuletzt unterschiedlich

Die Ratingagenturen haben sich zuletzt unterschiedlich zu dem Unternehmen geäußert. Während S&P den Konzern im Mai von BBB auf BBB+ heraufgestuft und die Benotung damit eine Stufe über die der anderen Agenturen gestellt hat, hat Moody´s Mitte November den Ausblick auf das Baa2 Rating von stabil auf negativ gesenkt. Eine Herabstufung ist somit nicht ungeschlossen. Und nach dem Urteil der WGZ Bank scheint die Heraufstufung bei S&P eher ein Vorschuss auf noch zu erbringende Leistungen des Managements (Verbesserung der Situation bei Real, Verkauf von Kaufhof) gewesen zu sein. Wichtige Finanzkennzahlen untermauern das BBB+ jedenfalls (noch) nicht.

Aber wenigstens scheint es laut Höhn bislang für die Metro noch zu keinerlei Problemen in Bezug auf die externe Finanzierung oder Liquiditätsausstattung gekommen zu sein. Allerdings musste der Konzern vermutlich auch Konzessionen bei den Konditionen hinnehmen, wie die Bepreisung der neuen Anleihe verdeutlicht. Mit Blick auf die weltwirtschaftliche Situation ist Metro sicherlich kein idealer Wert, um in einen konjunkturellen Abschwung zu gehen. Zwar hat der Konzern auch weniger zyklische Lebensmittelsparten, doch besteht in den Geschäftseinheiten Saturn / Media Markt; Kaufhof (und auch Real) ein merklicher Anteil an eher zyklischen Produkten, die ein eingetrübtes Konsumumfeld stärker zu spüren bekommen dürften. Entschädigt wird man aber durch den eingangs erwähnten deutlichen Renditeaufschlag.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 22:03 Uhr
  Vortag
BUND 144,35 +0,25%
 OK
Zinsen
25.05.2012 11:45 Uhr
  Vortag
REXP 422,77 +2,82%
 OK