Es war ein dramatischer Spätherbst für die Anleiheninhaber des irischen Porzellan- und Kristallherstellers Waterford Wedgwood. Der Kurs stürzte von rund 90 Prozent um die Hälfte ab, nachdem zum Halbjahr der Fehlbetrag gegenüber der Vorjahresperiode drastisch um 170 Prozent auf 56,7 Millionen Euro gestiegen und die Umsätze um weitere zehn Prozent auf nur noch 317,4 Millionen Euro gefallen waren.
In der Folge wurde bekannt gegeben, dass nach dem Abbau von 2.300 Arbeitsplätzen in den vergangenen zweieinhalb Jahren nun noch weitere rund 500 Arbeitsplätze in Irland und damit mehr als die Hälfte der Belegschaft abgebaut würden. Zudem sollen außerhalb Irlands weitere 910 Stellen gestrichen werden.
Deutliche Erholung nach dem ersten Schreck
Vor allem wurde angesichts der Finanzkrise die Überzeugung schwächer, dass die Konzern überlebensfähig sein werde. Immerhin hat das Unternehmen in den vergangenen vier Jahren keinen Gewinn mehr erzielt, das Eigenkapitaldefizit beträgt 12,4 Prozent. Nur das Engagement der Großaktionäre hielt das Unternehmen weiter am Leben. Verwaltungsratschef Tony O'Reilly und sein Schwager und Stellvertreter Peter Goulandris, hatten zuletzt bei einer Kapitalerhöhung weitere 83 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt und für eine Emission von konvertiblen Vorzugsaktien weitere 17 Millionen Euro zugesagt.
Doch die schwierigen Verhältnisse auf den Kapitalmärkten machen es nicht einfacher, Kapital von außen zu attrahieren. Und so sagte auch Unternehmenschef Peter Cameron der „Irish Times“, dass die ungenannten Interessenten angesichts der Krise, wie alle anderen, sich überlegen müssten, was sie tun. Das war zwar alles nichts Neues, doch offenbar hatte sich die Wahrnehmung zuungunsten des Unternehmens verschoben.
Indes war der erste Schreck offenbar rasch vorbei und angesichts einer Rendite von 46,3 Prozent fanden sich bald wieder Anleger, die den Kurs auf über 70 Prozent hochtrieben. Am Mittwoch startete das Papier sogar mit einem Kursaufschlag von 10,77 Prozent in den Stuttgarter Handel.
Lazard steigt ein
Die Optimisten können sich nunmehr bestätigt sehen. Denn mit dem letzten Arbeitstag des alten Jahres konnte Waterford Wedgwood einen neuen Investor vorweisen, namentlich den amerikanischen Private-Equity-Fonds Corporate Partners II einer Tochter-Gesellschaft der amerikanisch-französische Investmentbank Lazard.
Diese wird fünf Millionen Stück der konvertiblen Vorzugsaktien zeichnen und damit insgesamt 50 Millionen Euro in den Konzern pumpen, so dass nun zur geplanten Kapitalerhöhung noch 33 Millionen Euro fehlen, die über die Investmentgesellschaft Birchfield Holdings von O'Reilly und Goulandris hereinkommen sollen.
Indes wird das Unternehmen ein Stück Unabhängigkeit verlieren, denn mit Ali Wambold, dem Vorstandsvorsitzenden von Lazard Alternative Investments und Jonathan Kagan werden zwei Vertreter von Lazard Einzug in den Verwaltungsrat halten. Trotz des offiziellen Austauschs von Höflichkeiten dürfte dies sicher nicht der dringende Wunsch der bisherigen Vorstände und Eigentümer gewesen sein.
Nichtsdestoweniger ist dies eine positive Nachricht für Waterford Wedgwood, macht es doch einen Ausfall der Anleihe im Volumen von 166 Millionen Euro im Jahr 2010 weniger wahrscheinlich.
Janusköpfige Finanzinvestoren
Riskant bleibt die Anleihe allemal. Moody's vergibt mit „Caa2“, dem zweitschlechtesten Rating noch die beste Note. Standard & Poor's bewertet das Papier mit der schlechtesten Note „CCC-“. Fitch vergibt ein sogenanntes „Recovery-Rating“ von „RR6“. Das ist die niedrigste Kategorie und bedeutet, dass man für die Inhaber im Insolvenzfall nur geringe Chancen sieht. Auch Moody's vergibt hier die Note LGD5 und rechnet im Fall der Zahlungsunfähigkeit mit einem Verlust von 81 Prozent.
Wenn auch die Hoffnungen größer sind, so ist der Einstige von Lazard ein zweischneidiges Schwert. Denn das Beispiel von Schefenacker (vgl. Anleiheninhaber von Schefenacker erhalten bessere Konditionen) zeigt, dass Hedge- und Private-Equity-Fonds sich nicht unbedingt verpflichtet sehen, Anleihen zu tilgen, wenn es sich vermeiden lässt.
Es ist ein nicht undenkbares Szenario, insbesondere angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen rund 70 Prozent seiner Umsätze in den Vereinigten Staaten tätigt, dass im falle einer Rezession daselbst, Waterford Wedgwood dennoch in größerer Schwierigkeiten gerät und es zu einer Umstrukturierung des Unternehmens kommt, in der die Anleihegläubiger aufgefordert werden, Verzicht zu leisten und dabei erhebliche Einbußen hinnehmen müssen.
Vielleicht ist diese Begrenztheit der guten Nachricht auch die Ursache gewesen, dass die hohen Kursaufschläge keinen Bestand hatten und dieser wieder auf 66 Prozent abrutschte, so dass die Anleihe aktuell mit 28,5 Prozent immer noch sehr hoch rentiert und durchaus dem Rating angemessene Renditeaufschläge bietet.