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Unternehmensanleihen Knappe Ware

 ·  Institutionelle Investoren setzten gegenwärtig vermehrt auf Unternehmensanleihen. Der Rückzug der Banken aus dem Handelsgeschäft zwingt Investoren zu hohen Geboten für Neuemissionen.

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© dapd Vergrößern Fast enttäuschend: Der zwölfjährige Titel der Telekom über 650 Millionen Euro war nur doppelt überzeichnet

Europäische Unternehmensanleihen zählen gegenwärtig zu den begehrtesten Anlageklassen institutioneller Investoren. Diese seien im Niedrigzinsumfeld fieberhaft auf der Suche nach Rendite, erklärt Fidelity-Fondsmanager David Simner die hohe Nachfrage nach Neuemissionen und die Kursgewinne der schon im Umlauf befindlichen Anleihen, die am sogenannten Sekundärmarkt gehandelt werden. Doch dort wird das Angebot knapp, weshalb viele Investoren gezwungen sind, sich auf neue Anleihen, den sogenannten Primärmarkt, zu konzentrieren. „Die Handelsvolumina von Unternehmensanleihen sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen“, sagt Stephan Ertz, Fondsmanager für Unternehmensanleihen bei Union Investment.

Er führt dies auf das höhere Interesse institutioneller „Buy-and-Hold-Investoren“ wie Versicherungen oder Pensionsfonds zurück. Darunter sind Anleger zu verstehen, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten. Ein weiterer Grund seien die geringeren Handelsbestände der Banken. Hätten die Banken früher Handelsaufträge für Unternehmensanleihen im zweistelligen Millionenbereich bedienen können, seien die Losgrößen in den vergangenen Jahren auf im Schnitt einstellige Millionenbeträge geschrumpft, berichtet Ertz. Vor der Finanzkrise sei es für Banken nicht teuer gewesen, größere Handelsbestände von Unternehmensanleihen zu halten, sagt Markus Wiedemann, der für die DWS den Bereich Unternehmensanleihen verantwortet.

Doch dies habe sich geändert, weil die Banken aufgrund der höheren Eigenkapitalanforderungen keine größeren Positionen mehr vorhielten. Dadurch verknappe das Angebot am Sekundärmarkt. Die Folge sei, dass weniger Unternehmensanleihen gehandelt und geringere Volumina umgesetzt würden, so Wiedemann. „Gegenüber den Umsätzen vor drei bis vier Jahren ist der Markt für Unternehmensanleihen illiquide geworden“, sagt er. Wie sehr die Handelsvolumina in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, das zeigen die Zahlen der elektronischen Handelsplattform Market Axess.

Im September belebte sich darauf das Handelsvolumen mit europäischen Unternehmensanleihen auf 2,4 Milliarden Dollar nach nur 1,6 Milliarden Dollar im August. Doch lagen die Umsätze in den ersten drei Monaten 2007 noch jeweils über 9 Milliarden Dollar. Die Emittenten neuer Anleihen können aufgrund der hohen Nachfrage und des geringen Angebots am Sekundärmarkt auf deutlich überzeichnete Orderbücher hoffen. Am Donnerstag begab der italienische Getränkehersteller Campari eine siebenjährige Anleihe über 400 Millionen Dollar. Die Investoren fragten den Schuldtitel, den ersten des Unternehmens seit drei Jahren, mit 4,8 Milliarden Euro nach, obwohl Campari über keine Bewertung durch eine der drei großen Ratingagenturen verfügt.

Fast schon enttäuschend fiel die Emission der Deutschen Telekom aus. Deren zwölfjähriger Titel über 650 Millionen Euro war nur doppelt überzeichnet. Dagegen erzielte die fünfjährige Anleihe des französischen Medienkonzerns Lagardère über 500 Millionen Euro eine neunmal so hohe Nachfrage. Vor allem die Nachfrage nach Unternehmensanleihen aus Italien und Spanien sei deutlich gestiegen, berichtet Ertz. Das Angebot am Markt sei aber sehr gering, so dass sich die Anleger auf Neuemissionen konzentrierten.

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