28.05.2008 · Rasant stieg das Sägewerk Klausner zum zweitgrößten europäischen Schnittholzproduzenten aus. Jetzt befindet man sich in einer akuten Krise. Ursache ist das Wegbrechen des wichtigen amerikanischen Holzmarktes.
Rekordniedrige Ausfallraten hatten in der Vergangenheit die Kurse der Hochzinsanleihen auf Rekordhöhen getrieben. Mit der Eintrübung der Lage in den Vereinigten Staaten kamen vermehrt Zweifel auf, die dafür sorgten, dass die Kurse wieder nachgaben, allzumal die Rating-Agenturen verstärkt vor einem Ansteigen der Ausfallraten auch in Europa warnten.
Indes fragten sich manche Anleger, welcher Emittent denn in Zahlungsnöte geraten könnte. Eine Antwort hat sich jetzt in Wien gefunden und Ursache ist tatsächlich die amerikanische Immobilienkrise. Bereits vor einer Woche wurde der Handel mit der ursprünglich 2007 begebenen und bis 2014 laufenden Anleihe mit einem Kupon von fünf Prozent in einem Volumen von 125 Millionen Euro ausgesetzt.
Rascher Aufstieg und jäher Fall
Denn der österreichische Sägewerkskonzern steckt in akuten Finanznöten. Zwar gibt man sich äußerst zugeknöpft und bestreitet auch den Umfang des Konzern-Fehlbetrags der mit bis zu 100 Millionen Euro kolportiert wird.
Die Geschichte des Konzerns ist eine von raschem Aufstieg und jähem Fall. Mehr als 70 Jahre lang betrieb Klausner lediglich ein Sägewerk im Tiroler Sankt Johann, bevor man in den neunziger Jahren die Produktion ins subventionsbegünstigte Deutschland verlegte und die Produktion immens ausweitete.
So gewährte die bayerische Landesforstverwaltung Klausner im Jahr 2005 für das neu gegründete Werk in Landsberg einen auf zehn Jahre abgeschlossenen Rundholzliefervertrag zu sehr günstigen Preisen. Üblicherweise werden Verträge in der Branche quartalsweise abgeschlossen. Gegenüber dem österreichischen Wirtschaftsblatt bezeichnete Hans-Günter Sturm, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie, dies als „Gipfel der Wettbewerbsverzerrung“.
Weil die vertraglich zugesagten Holzmengen nicht mehr ausgereicht hätten, seien sogar langjährige Kunden von der Landesforstverwaltung kurzerhand „ausgelistet“ worden. Die Stadt Landsberg verkaufte das Gelände zu weniger als einem Drittel des ortsüblichen Preise.
Amerikas Immobilienkrise reißt Klausner mit
Das Holz exportierte Klausner zum großen Teil in die Vereinigten Staaten, die nicht zuletzt aufgrund der traditionellen Holzbauweise trotz großer Vorkommen der größte Schnittholzimporteur der Welt sind. Laut Unternehmensangaben machte Klausner 40 Prozent des Umsatzes dort. Doch mit der Immobilienkrise brach die Nachfrage rasch ein. Im Februar 2008 gab Geschäftsführer Leopold Stephan gegenüber der FAZ den Markteinbruch seit 2005 mit einem Drittel an, mittlerweile sind die Ziffern eher gestiegen als gefallen.
Peter Kickinger, Vorstand von Europas führendem Schnittholzproduzenten Stora Enso, sagte dem Wirtschaftsblatt, man habe das Geschäft in den Staaten auf nahezu Null herunter gefahren. Allerdings macht Stora Enso nur fünf bis sechs Prozent des Umsatzes dort. Nichtsdestoweniger schreibt die Holzproduktsparte der Finnen seit einigen Quartalen rote Zahlen.
Ruinöser Wettbewerb
Dafür dürfte nicht zuletzt eine Ursache sein, dass Klausner auf Gedeih und Verderb versuchte, die Produktionsmengen umzulenken. Im vergangenen Jahr habe man 30 Prozent des Amerika-Geschäfts umlenken können, sagte Leopold seinerzeit.
Für Klausner anscheinend zu wenig, für den Holzmarkt offenbar zu viel. Anstatt mit Produktionsrücknahmen zu reagieren, habe Klausner in Europa einen ruinösen Wettbewerb angezettelt. Sturm beziffert die deutschen Überkapazitäten mit 30 Prozent und spricht von der schwersten Krise der vergangenen Jahrzehnte, verursacht durch eine ignorante Subventionspolitik.
Rettungsbemühungen
Derzeit arbeiten Banken und der Unternehmensberater Roland Berger an einem Sanierungskonzept. Die Gläubigerbanken hielten Klausner für „sanierungsfähig und sanierungswürdig“. Bis Mitte Juli gebe ein Stillhalteabkommen, schreibt das Wirtschaftsblatt. Fritz Klausner habe die Handlungsfreiheit verloren und müsste im Fall, dass neues Kapital benötigt wird, sämtliche Anteile ohne Bedingungen übertragen.
Ein Rating hat die Klausner-Anleihe mit einer Mindest-Stückelung von 50.000 Euro, die ausschließlich bei institutionellen Investoren plaziert wurde, nicht. Geschäftszahlen publiziert die Gruppe nicht oder nur rudimentär.
Vor Handelsaussetzung lag die Rendite der Anleihe bei 6,32 Prozent, also etwa auf dem Niveau von Anleihen mit niedrigem Investment-Grade-Rating. Diese dürfte sie auch dann nicht erreichen, wenn der Handel nach der Verabschiedung eines Sanierungskonzepts wieder aufgenommen würde. Denn angesichts der Krise der Industrie und des Konzerns muss die Anleihe als spekulativ gelten. Zudem ist noch nicht ausgemacht, wie ein Sanierungskonzept aussieht.
Spekuliert wird etwa, dass der ebenfalls in Tirol beheimatete Holzkonzern Egger
den Standort in Wismar übernehmen könnte. Sollte es beispielsweise zu einer Zerschlagung kommen, ist nicht ausgemacht, dass für die Anleihengläubiger überhaupt etwas übrig bleibt. Insofern bleibt zunächst nur einmal übrig, abzuwarten und das Beste zu hoffen.