Home
http://www.faz.net/-gvt-nvf8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Unternehmensanleihen Kein guter Zeitpunkt für AHBR-Anleihen

30.03.2007 ·  Immer noch steckt die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden tief in den roten Zahlen. Das Rating hat sich nach einer Abstufung vom Donnerstag weiter verschlechtert. Ende April dürfte die Bilanz vorgelegt werden. Derzeit ist Vorsicht angesagt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Bis zu 6,2 Prozent Rendite bieten aktuell Anleihen der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR)- sehr ungewöhnlich für Anleihen einer Bank, aber angesichts ihrer Vorgeschichte durchaus verständlich.

Im Dezember 2005 drohte noch der Zusammenbruch der ehemaligen Gewerkschaftsbank. Vier Milliarden Euro, ein Vielfaches des im Jahr 2001 vorhandenen Eigenkapitals, soll die Hypothekenbank in fünf Jahren verspekuliert haben.

Drastische Schrumpfung des Geschäftsvolumens

Die Gewerkschaften konnten sich von dem Fass ohne Boden nur trenne, indem sie dem neuen Eigentümer noch 870 Millionen Euro bezahlten, ohne dass damit die Schieflage der Bank beseitigt gewesen wäre, nicht zuletzt weil der Finanzinvestor Lone Star das Geld nicht in die Bank steckte.

Seitdem bemüht sich die Bank um eine Sanierung, die sich in einer drastischen Schrumpfung manifestiert. Gemäß dem Neun-Monats-Bericht ist die Bilanzsumme zum 30. September 2006 um 39 Prozent auf 41,1 Milliarden Euro gesunken.

So zieht sich die Bank aus der Staatsfinanzierung zurück und kaufte fällige Öffentliche Pfandbriefe zurück. Entsprechend sank der Bestand um 60 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro. Das Neugeschäft mit Hypothekenkrediten wurde zum Jahresbeginn 2006
ausgesetzt. Der Bestand ging um 35 Prozent zurück.

Ihre Liquiditätsversorgung bewerkstelligt die Bank aus dem Abbau von Aktiva, die Aufnahme von Termingeldern und die Nutzung einer von einem internationalen Bankenkonsortium
bereitgestellten Kreditfazilität.

Verlust in „mittlerer dreistelliger Millionenhöhe“ erwartet

Das Zinsergebnis drückte mit einem Minus von 335 Millionen Euro - Ausdruck von „Altlasten aus dem Derivateportfolio“. Der Verlust nach Steuern betrug 368,3 Millionen Euro und soll im Gesamtjahr eine „mittlere dreistellige Millionenhöhe“ erreichen.

Den Anleihe- und vor allem den Genussscheingläubigern der Bank ist dabei alles andere als wohl, je näher die Bilanzvorlage für 2006 rückt. Schon im vergangenen Jahr mussten sie bedingungsgemäß am Verlust der Bank von einer Milliarde Euro teilnehmen und eine Reduktion ihrer Rückzahlungsansprüche um 360 Millionen Euro hinnehmen. Das bedeutet einen Verlust von 61 bzw. 71 Prozent je nach Bedingungskonstruktion.

Angesichts eines bevorstehenden Verlusts in „mittlerer dreistelliger Millionenhöhe“ droht ihnen eine weitere Aufzehrung des Genussscheinkapitals mit begrenzter Hoffnung auf Wiederauffüllung.

Die schwierige Lage drückt sich auch in einem sich verschlechternden Rating aus. Bereits Mitte Januar stufte die Agentur Moody's in einer Aufsehen erregenden Entscheidung die Pfandbriefe des Instituts um drei Stufen herab. Dies reflektierte die Verschlechterung des Emittentenratings in den spekulativen Bereich auf mittlerweile „Ba3“, wodurch Moody's die freiwillige Überdeckung der Pfandbriefe nicht mehr berücksichtigte, da diese ja zur Disposition stehen könnte.

Kein positiver Ausblick

Am Donnerstag nun stufte die Agentur Standard & Poor's die langfristigen Verbindlichkeiten der Bank abermals zurück, diesmal auf „BB-“ von „BB-“ und damit auf die siebtschlechteste Note der Skala und das gleiche Niveau wie Moody's.

Kreditanalyst Volker von Krüchten begründete die Herabstufung mit anhaltend hohen Risiken und Verzögerungen im Restrukturierungsprozess. Dies treffe insbesondere auf die Trennung von faulen Krediten und nicht mehr zum Kerngeschäft zählender Kreditportfolios zu. Der Ausblick ist kurzfristig negativ.

Zudem werde es der Bank schwer fallen, sich rasch als neuer Nischenberater im hart umkämpften deutschen Gewerbeimmobilienmarkt zu etablieren. Die Möglichkeit eine Stützung durch Lone Star im Falle einer möglichen Pleite will S&P in seine Bonitätsnoten nicht miteinbeziehen. Die Amerikaner hätten als Finanzinvestor kein langfristiges
strategisches Interesse an dem Institut.

Den Kursen der zum Großteil bis 2009 fälligen Anleihen der Bank konnte diese erneute Herabstufung indes nichts anhaben. Die Papiere sind lange schon Spekulationsobjekte und angesichts der Geringschätzung der Ausfallrisiken angesichts niedriger Raten der vergangenen Jahre, scheinen sich die Anleger darauf zu verlassen, dass es schon nicht zum Äußersten kommen werde.

Dabei gelten Maßnahmen wie eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Einhaltung von Überdeckungs- und Liquiditätskriterien für Deckungsstöcke als Zeichen einer besseren Verfassung interpretiert. Indes wollte die AHBR damit einer weiteren Herabstufung der Pfandbriefe vorkommen, die das Institut zu stützen bemüht ist.

Angesichts der Ende April erwarteten Bilanzvorlage erscheint die jetzt erfolgte Herabstufung nicht als günstiges Vorzeichen und der Einstiegszeitpunkt für Anleihen der AHBR denkbar ungünstig.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 22:03 Uhr
  Vortag
BUND 144,35 +0,25%
 OK
Zinsen
25.05.2012 11:45 Uhr
  Vortag
REXP 422,77 +2,82%
 OK