Chaotischer hätte der Montag für die am Abgrund stehende IKB und ihre Muttergesellschaft, die staatliche KfW kaum laufen können. Den Rücktritt von KfW-Chefin Matthäus-Maier steckten Aktien- und Anleihenkurse noch recht gut weg, ohne dass Gerüchte laut geworden wären.
Immerhin hatte der Bundesverband Deutscher Banken am Mittag vermeldet, er gehe nicht davon aus, dass eine weitere Stützungsaktion der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB notwendig werde. Verbands-Präsident Klaus-Peter Müller sagte, „nach menschlichem Ermessen“ sei die jüngste Aktion auch die letzte gewesen.
Koppelin hebt Müllers Beruhigungspille auf
Müller meinte nun, es sei richtig gewesen, die IKB zu retten. Dadurch sei Schaden vom Finanzplatz Deutschland abgewendet worden. Diese Einschätzung gelte auch heute, nachdem klar wurde, dass die erste Rettungsaktion im Umfang von rund 3,5 Milliarden nicht ausreichte. Der private Bankensektor in Deutschland sei in einer robusten Verfassung und eine staatliche Hilfsaktion wie in den Vereinigten Staaten in Deutschland nicht nötig.
Das klang sehr beruhigend und nach einem Schlussstrich unter der Geschichte. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Denn das KfW-Verwaltungsratsmitglied und FDP-Politiker Jürgen Koppelin ließ eine Bombe platzen. Ein zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf von 1,8 Milliarden Euro aus Geschäften mit amerikanischen Ramschhypotheken sei bei der IKB zutage getreten. „Es ist eine unendliche IKB-Geschichte“, sagte Koppelin nach einer Sitzung des KfW-Verwaltungsrates in Berlin. „Erneut wird die KfW einspringen müssen.“ Er befürchte, dass auch die jüngsten Zahlen noch nicht das Ende der Fahnenstange darstellten.
Nicht die IKB, sondern die KfW
Doch Koppelins Aussagen wurden bald darauf als falsch zurückgewiesen. „Wir dementieren das“, sagte ein IKB-Sprecher am Montag in Düsseldorf. Indes las sich das Dementi der IKB dann im Detail doch etwas weicher. „Wir sehen den genannten Wertberichtigungsbedarf zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht“, sagte ein Sprecher der Bank.
Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück korrigierte Koppelin. Vielmehr müsse die Staatsbank KfW wegen der Krise der IKB für das vergangene Jahr eine Wertberichtigung von rund 1,8 Milliarden Euro vornehmen.
Und die Krise der Mittelstandsbank hinterlässt bei der KfW Bankengruppe noch tiefere Spuren. Für 2007 weist das Institut einen Konzernverlust von 6,2 Milliarden Euro aus, teilte diesmal KfW-Verwaltungsratchef Michael Glos mit. Für den Einzelabschluss nach Handelsgesetzbuch ergebe sich ein Minus von 1,4 Milliarden Euro.
Ein Rücktritt aus „akuten gesundheitlichen Gründen“
Grund sei, das Eintreten der KfW in die Liquiditätslinie für die umstrittene IKB-Zweckgesellschaft „Rhineland Funding“. Hieraus habe sich im ersten Quartal bei der KfW ein zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf von 1,8 Milliarden Euro ergeben. Dieser werde vollständig in 2007 erfasst. Ohne die Belastungen hätte sich ein Konzerngewinn von knapp einer Milliarde Euro ergeben.
Die Krise belastet die KfW insgesamt mit 7,2 Milliarden Euro geführt. Davon entfielen 6,8 Milliarden Euro auf verschiedene Instrumente der Risikoabschirmung und 400 Millionen Euro seien Abschreibungen auf den Anteil der KfW an der IKB.
So klärte sich am Ende des Tages die Geschichte wieder. Indes hätte man die Zahlen wohl lieber nicht gehört. Und sie werfen auch ein anderes Licht auf den Rücktritt der KfW-Chefin, die die Position mit sofortiger Wirkung räumt und kommissarisch an Vorstandsmitglied Wolfgang Kroh übergibt. Allerdings bleibe Matthäus-Maier zunächst noch bis September im Vorstand. Sie gebe danach aber „aus akuten gesundheitlichen Gründen“ auch diese Funktion auf.
Die Turbulenzen um die angeschlagene IKB, die mehrheitlich der KfW gehört, und die andauernde Diskussion um ihre Person hätten dazu geführt, „dass ich mich nicht mehr mit voller gesundheitlicher Kraft meiner Arbeit widmen kann und zudem die KfW immer mehr Schaden nimmt.“
Das Kuckucksei
Matthäus-Maier stand seit Monaten wegen angeblicher Fehler beim Management der IKB-Krise und der Kontrolle der Mittelstandsbank in der Kritik. Der Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses, Otto Fricke, kommentierte den Rücktritt von Matthäus-Maier im Gespräch mit Reuters: „Im Endeffekt zeigt das, dass das ganze Konstrukt KfW/IKB jetzt voll vor die Wand gefahren ist“.
Für Kritik hatte Matthäus-Maier, auch aufseiten ihrer sozialdemokratischen Parteifreunde, gesorgt, als sie selbst auf dem Höhepunkt der IKB-Krise die Frage nach einer Verlängerung ihres Mandats als KfW-Chefin aufgeworfen hatte. Sowohl Verwaltungsratschef Michael Glos von der CSU als auch sein Stellvertreter, Finanzminister Peer Steinbrück, hatten dies mit der Begründung zurückgewiesen, dass es für eine Entscheidung dazu momentan nicht der geeignete Zeitpunkt sei.
Die staatliche Förderbank ist mit 45 Prozent der größte Einzelaktionär der IKB. Nach der noch ausstehenden Kapitalerhöhung werden über 90 Prozent bei der KfW liegen. Die IKB wird damit faktisch zu einer Staatsbank. Seit einigen Wochen laufen Bemühungen, die IKB zu verkaufen. Allerdings gibt es auch innerhalb der großen Koalition inzwischen Stimmen, die eine Aussetzung der Transaktion fordern, weil diese derzeit kaum angemessene Erlöse bringen werde.
Politische Federung
Insofern ist die Aktie der IKB derzeit kaum als Anlage zu empfehlen und auch die Ertragsaussichten der Genussscheine sind wohl eher gering. Ganz anders ist dies für die Anleihen. Denn allein aus politischen Gründen werden die Großkoalitionäre keinen Zahlungsausfall der IKB oder eine Beeinträchtigung des Ratings der KfW zulassen. Nicht von ungefähr war es ein Oppositionspolitiker, der am Montag den Stein ins Rollen brachte.
Für den Anleger sind das insofern gute Nachrichten, als sich IKB-Anleihen immer mehr zu möglichen Renditehelfern für ein Depot eignen. Wer Mut hat und die Verluste auch hinnehmen kann, wenn alles ganz anders kommt, kann versuchen, sich einige der mit rund zehn Prozent rentierenden Papiere ins Depot zu legen - allzumal die Kursgewinne bei Rückzahlung steuerfrei wären, weil sie bis Jahresende noch Schutz vor der Abgeltungssteuer genießen. Indes ist die Liquidität der Papiere teilweise sehr gering.