23.11.2006 · Nur die wenigsten Experten rechneten für das Jahr 2006 mit so einer glänzenden Entwicklung im Bereich der Junkbonds. Für 2007 geben sich die meisten daher zurückhaltend. Doch pessimistisch sind sie allemal - mit gutem Grund.
Mit Junkbonds ließ sich in den vergangenen Jahren hervorragend Geld verdienen. Der High-Yield-Master II-Index ist seit Beginn des Jahres 2003 um 77 Prozent auf 569,787 Punkte gestiegen, die der Index zu Wochenbeginn erreichte. Im zu Ende gehenden Jahr zeigte er sich zunächst etwas träge, stagnierte sogar im Frühjahr.
Seit Ende Juni ging es aber wieder steil um insgesamt 7,8 Prozent nach oben. Insgesamt brachten spekulative Anleihen den Anlegern seit Jahresbeginn einen Gesamtertrag von 10,2 Prozent. Der Euro-High-Yield-Index verhielt sich ähnlich, wobei sein Gesamtzuwachs mit über 100 Prozent noch imposanter ausnimmt.
Positive Konjunkturansicht und Renditezwang beflügelten 2006
Verantwortlich für diese Entwicklung ist zum einen die positive Entwicklung der Ausfallraten gewesen, zum anderen hat gerade im dritten Quartal in den Vereinigten Staaten ein günstiges Konjunkturklima die Hausse begünstigt, so die Ratingagentur Fitch. Es gab zum ersten Mal seit zwei Jahren keine weiteren Zinserhöhungen, und im allgemeinen herrscht die Ansicht vor, es werde eine weiche Landung der Konjunktur geben, so daß die Sorgen über steigende Ausfallraten gering sind. Dies rührt nicht zuletzt auch von den niedrigeren Preisen für Energieträger und wiegt für viele Marktteilnehmer schwerer als der deutliche Einbruch am Immobilienmarkt, der den Konsum schwächen könnte.
In Europa kam nach Ansicht der Helaba als wichtiger Grund das niedrige Zinsniveau am Rentenmarkt hinzu. Besonders institutionelle Investoren seien wegen der Renditevorgaben gezwungen gewesen, einen Teil ihrer Mittel in höher verzinsliche Produkte zu stecken. Indes halten viele Analysten die Aussichten für die kommende Zeit nicht für uneingeschränkt günstig.
Bonität wird weiter sinken
So werden die Ratingagenturen in diesem Jahr per saldo die Bonität von mehr Unternehmen herab- als heraufstufen. Allein im dritten Quartal hat Fitch in Amerika drei Prozent des Sektors besser eingestuft, aber für fast neun Prozent gesenkt. Das ist die deutlichste Per-saldo-Herabstufung des Marktes immerhin seit dem Jahr 2003.
Vor allem aber trauen die Analysten der konjunkturellen Entwicklung nicht so recht über den Weg. Ein niedrigeres Wachstum und verschlechterte Kreditbedingungen könnten die Ausfallraten stiegen lassen, auch über 2007 hinaus, auch wenn der Anteil der schlechten Schuldner derzeit sehr gering sei. Vor allem könne eine schwächere Konjunktur verhindern, daß einige Unternehmen in ihre „aggressiv gehebelten Kapitalstrukturen hineinwachsen“.
Zudem sei die Qualität auf dem Emissionsmarkt deutlich gesunken, parallel seien die Kreditkonditionen deutlich lockerer, die Verbesserung der Bilanzen aber schreite gleichzeitig langsamer voran. Auch das rapide Wachstum der Kreditderivate und des Anteils der ausländischen Investoren berge Risiken für den amerikanischen Junkbond-Markt.
Moody's rechnet mit deutlich niedrigeren Erträgen
Insgesamt rechnet Fitch mit nachgebenden Erträgen, selbst wenn sich die erwartete Konjunkturabkühlung wie erhofft nicht allzu jäh vollziehen sollte. Die Erträge würden dann zwar weiter gut bleiben, doch werde sich die Bedeutung der Kupons deutlich erhöhen.
Wesentlich pessimistischer zeigte sich dagegen Moody's-Chefvolkswirt John Lonski gegenüber der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Im nächsten Jahr würden Anleger mit Hochzinsanleihen nur noch einen Ertrag von vier Prozent erzielen. Das wäre deutlich weniger als halb so viel wie im Jahr 2006. Ein langsameres Wachstum von Gewinnen, Umsätzen und Cashflow werde das Risiko deutlich erhöhen.
Er rechnet damit, daß der Renditevorsprung gegenüber amerikanischen Staatsanleihen um bis zu 0,7 Prozentpunkte steigen wird, obwohl die Agentur nicht mit einer deutlichen Verschlechterung der Bonität im Hochzinsbereich rechnet. Die Entwicklung deute darauf hin, daß die Bonität einen Höhepunkt erreicht habe, sagte Lonski.
Lonski war einer der wenigen Analysten gewesen, der die überdurchschnittliche Entwicklung der Junkbonds in diesem Jahr korrekt prognostiziert hatte, auch wenn er nicht mit diesen phänomenalen Erträgen gerechnet hatte.
Investoren sind weitgehend übergewichtet
Auch Standard & Poor's sieht die Bonität auf dem Höhepunkt, nachdem die Ausfallrate im November auf 2,1 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit April 1994 gefallen sei. Im Vorjahr hatte die Ausfallrate noch durchschnittlich 6,1 Prozent betragen. Für Ende 2007 erwartet S&P einen Anstieg der der Quote auf 3,2 Prozent. Weltweit stieg die Ausfallrate zwischen September und Oktober von 0,94 auf 0,98 Prozent und liegt seit nunmehr 33 Monaten unter ihrem 24-Jahres-Durchschnitt von 4,61 Prozent.
Die Helaba erwartet auch in Europa eine Abkühlung des Marktes. So sei mittlerweile knapp die Hälfte der Investoren bei Unternehmensanleihen übergewichtet, und nur ein Drittel noch untergewichtet. Damit seien gute Nachrichten weitgehend eingepreist, so daß die Risikoprämien eher auf schlechte Nachrichten reagieren würden.
Auch am amerikanischen Markt ließ sich im dritten Quartal mit 264,5 Milliarden Dollar ein um über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich niedrigeres Handelsvolumen verzeichnen. Und während im vergangenen Jahr das Volumen tendenziell im Verlauf zulegte, fiel es 2006 von Quartal zu Quartal stetig ab. Fitch sieht darin auch eine zunehmende Präferierung des Handels von Kreditderivaten - und auch das spricht nicht für eine Fortsetzung der Hausse bei Junkbonds im kommenden Jahr.