09.11.2007 · Wer einen guten Gewinn am Anleihenmarkt machen will, kann auf Wundertüten in Form verbriefter Hypothekenanleihen setzen. Oder er greift zum klassischen Unternehmensbond. Beides kann sich rentieren, beides kann schief gehen.
Jede Krise birgt auch Chancen - eine Weisheit, die im Grunde recht banal ist, wäre die Krise doch ansonsten bereits eine Katastrophe. Und da dies nun einmal so ist, birgt selbstverständlich auch die Kreditkrise ihre Chancen. Gerade in Paniksituationen kauft der langfristige Investor, sagt so mancher Optimist. Kaufen, wenn die Kanonen donnern, heißt der passende Börsen-Allgemeinplatz.
Indes kann die Spekulation durchaus aufgehen. Angesichts des Verfalls der Indizes für strukturierte Hypothekenanleihen auf Werte von 40 Prozent für AA- und 20 Prozent für BBB-Ratings, rechnen manche Privatinvestoren, dass sie, wenn sie jetzt mit großem Disagio kaufen und einige Jahre warten gute Gewinne machen können, selbst wenn 20 Prozent der dahinter stehenden Kleinschuldner ausfallen.
Verbriefte Wundertüten
Das ist so falsch nicht, Risiken gibt es dennoch. Denn die strukturierten Papiere sind gepackt wie Wundertüten: erst wenn man sie öffnet, weiß man was darin ist. Und die Ratings der Papiere stehen schon lange unter Beschuss und gelten bei Experten oftmals als völlig überhöht (Leichen im Keller der Verbriefungen).
Liegt am Ende die Ausfallrote höher, kann die Rendite kleiner ausfallen - zumal es sich zum Großteil um Hypothekenkredite mit sehr langer Laufzeit handelt. Möglich, dass sich die Kurse in einigen Jahren deutlich erholt haben, vielleicht auch nicht. Und wer will schon beurteilen, welche Wundertüte die größte Chance hat?
Alternativ bieten sich für spekulative Investoren klassische Hochzinsanleihen an. Auch wenn ein Unternehmen gleichfalls eine Wundertüte sein kann, so lässt es sich unter Umständen dennoch besser beurteilen und auch die Ratings gelten als erheblich zuverlässiger.
Plus 70 oder minus 40?
Wer der ganz großen Rendite nachjagt, muss schon sehr wagemutig sein. Mehr als 70 Prozent Rendite bietet etwa die im Oktober 2010 fällige Anleihe der der früheren Swissair, die vor Jahren pleite ging. Das einzige Problem ist, dass nur Abschlagszahlungen aus der Konkursmasse geleistet werden. Die bislang einzige betrug 5,3 Prozent der Nominale. Geht man danach rentiert das Papier derzeit mit minus 44 Prozent. Auch andere Papiere locken mit Scheinrenditen, deren Gläubiger auf Rückzahlungen ganz oder teilweise verzichtet haben, verzichten müssen oder wohl verzichten werden müssen.
Stillgelegte Schornsteine, löchrige Bilanzen
Sorgen-Anleihen gibt es noch mehr, auch wenn die Insolvenz nicht immer unmittelbar bevorsteht. So ist die Rendite der Anleihe der Bulgaria Steel Finance seit April von rund 20 auf über 25 Prozent gestiegen. Immer noch hat das dahinter stehende Stahlwerk Kremikovtzi die unter EU-Richtlinien erforderliche Verschmutzungsgenehmigung nicht erhalten und musste erst vor kurzem weitere Anlagen stilllegen.
Auch finanziell gab es Unregelmäßigkeiten. So musste die Bilanz 2006 neu aufgestellt werden. Nichtsdestoweniger bescheinigten die Wirtschaftsprüfer, man habe signifikante Teile der Bilanz bezüglich Lieferanten und Geldgebern nicht nachprüfen können, und falls doch, habe es erhebliche Abweichungen von den Büchern von Kremikovtzi gegeben. Erklärungen habe man dafür nicht erhalten. Wer unter diesen Umständen immer noch darauf spekulieren möchte, kann unter der Isin XS0251302609 zugreifen.
Subprimeopfer
Etwas mehr Substanz hat die Spekulation auf von der amerikanischen Hypothekenkrise gebeutelte Emittenten. Mehr als 11 Prozent Rendite bieten Anleihen von GMAC, der Bankentochter des amerikanischen Autobauers General Motors und knapp 17 Prozent die von deren Tochter Residential Capital (ResCap).
Trotz neuer Absatzrekorde hatte der Autobauer im dritten Quartal einen dramatischen Verlust von 39 Milliarden Dollar vermeldet, in der Hauptsache, aufgrund von Wertberichtigungen aktivierter Steuern. Doch dazu kamen Belastungen von GMAC, an der GM noch 49 Prozent hält. Der Quartalsverlust der einstigen „Gelddruckmaschine“ des angeschlagenen Konzerns, der den Mehrheitsanteil noch rechtzeitig versilbert hatte, belief sich auf 1,6 Milliarden Dollar, für die allein ResCap mit einem Verlust von 2,3 Milliarden Dollar verantwortlich war.
Denn GMAC hatte sich, von der Autofinanzierung kommend, dem seinerzeit blühenden Immobilienmarkt zugewendet und wurde durch die Turbulenzen völlig aus der Bahn geworfen. Denn ResCap ist einer der größten Kreditgeber im Subprime-Segment.
Im Sog der Tochter
Die Rating-Agentur Standard & Poor's senkte das Rating für ResCap daraufhin auf BB+ und damit in den spekulativen Bereich mit negativem Ausblick. Moody's vergibt mit Ba3 seit Monatsanfang eine um zwei Stufen schlechtere Note. Die Ergebnisse des Unternehmens könnten auch in den kommenden Quartalen schlecht bleiben, schriebt die Agentur. Zudem wird ResCap schrumpfen. 3.000 der 12.000 Stellen sollen abgebaut werden, aus dem Subprime-Sektor will man sich verstärkt zurückziehen.
An GMAC, dessen Anleihen mit BB+ bzw. Ba2 bewertet werden, geht dies nicht spurlos vorüber. S&P hat das Unternehmen auf negativen Beobachtungsstatus gesetzt. Denn die Agentur zweifelt an den Erfolgsaussichten der Konzentration von ResCap auf bessere Kreditqualität. Moody's hat mit dem Ba2 eine Absenkung des Ratings bereits am 1. November vollzogen. GMACs Kapitalspritze von einer Milliarde Dollar für ResCap sei zu gering gewesen. Schon jetzt sei die Hebelung von GMAC vergleichsweise hoch und wenn GMAC weiter Liquidität in ResCap pumpe, werde man das Rating dem der Tochter angleichen.
Kasachische Inflationspapiere
Wer sich nicht direkt in die Immobilienkrise begeben möchte, dem bleibt noch eine andere Alternative. Bis Mitte des Jahres pflegten kasachische Banken Anleihen auf den internationalen Finanzmarkt zu werfen, als gebe es kein Morgen mehr (vgl. Makrorisiken dominieren Anleihen aus Schwellenländern). Das liegt daran, dass der Bankensektor in dem autoritär geführten Land stark konzentriert und nationalisiert ist. Dadurch fehlt ihm die Eigenkapitalbasis, was ein massives Kreditwachstum zur Folge hatte, dessen Volumen sich zwischen 2001 und 2006 verzehnfacht hat. Das Verhältnis der Kredite zum Bruttoinlandsprodukt stieg nach Angaben der Credit Suisse von 18 Prozent im Jahr 2002 auf 42 Prozent Ende im Jahr 2005.
Dieses massive Wachstum und die damit einhergehende zunehmende Hebelung der Banken hat S&P im Oktober veranlasst, den kasachischen Bankensektor zurückzustufen, da sich die Finanzierungskonditionen erheblich verschlechtert hätten. So kann auch nicht überraschen, dass die Preise der Kreditausfallversicherungen (CDS) kasachischer Banken in diesem Jahr mit die schlechteste Entwicklung zu verzeichnen hatten. 462,5 Basispunkte stiegen die CDS-Spreads der Kaskommertsbank seit Jahresbeginn, um 420 Basispunkte in den vergangenen sechs Monaten und allein in der laufenden Woche um 81 Basispunkte.
Sport und Luxus in Nöten
Daneben gibt es noch einige der „üblichen Verdächtigen“. 14,5 Prozent bietet die mit „CCC“ bzw. „Caa1“ bewertete Anleihe des überschuldeten Luxusporzellans- und -kristallherstellers Waterford Wedgwood. Dieser verzeichnete in der ersten Hälfte des Jahres einen Umsatzrückgang um 7,1 Prozent auf 317 Millionen Euro und einen um 138 Prozent höheren operativen Verlust von 28,6 Millionen Euro. Waterford hofft aber im Weihnachtsgeschäft und durch eine im Juli erfolgte Kapitalspritze wieder aufholen zu können.
12,92 Prozent gibt es von HTM, die die als Ski- und Rackethersteller bekannte Firma Head und den Bindungsbauer Tyrolia als Holding vereint. Erst am Donnerstag vermeldete diese einen Umsatzrückgang für das Dreivierteljahr von 13 Prozent auf 211,8 Millionen Euro und einen operativen Verlust von 5,4 Millionen Euro nach dem im Vorjahr noch ein Gewinn von 9,4 Millionen angefallen war. Immerhin hat Head noch eine Eigenkapitalquote von rund einem Drittel.