14.07.2006 · Die Zahlungsausfälle bei Junkbonds werden steigen, sagt die Ratingagentur Moody's. Schuld daran sind steigende Zinsen, die die Finanzierung verteuern. Das hindert Hedge Fonds nicht daran, verstärkt in Ramschanleihen zu investieren.
Junkbonds haben schon etwas lockendes. Hohe Kupons und hohe Renditen versprechen gute Chancen, ein Depot aufzubessern. Darauf sind in den vergangenen Monaten zunehmend auch Hedge Fonds gekommen, die vermehrt als Nachfrager auftreten.
Daher werde das Emissionsvolumen europäischer Junkbonds in diesem Jahr voraussichtlich die Rekordmarke von 25 Milliarden Euro erreichen, sagt Tanneguy de Carne, der bei der Société Générale die Abteilung für europäische High-Yield-Anleihen leitet. Im Jahr 1999 seien bei einer Junkbond-Emission in Europa etwa zehn Prozent der Investoren Hedge Fonds gewesen, heute mache ihr Anteil rund 40 Prozent aus. „Das Kräfteverhältnis im Markt hat sich in den letzten Jahren völlig verändert und ist ständig in Bewegung“, sagte de Carne.
Zuwachs auch von anderer Seite
Seit Jahresbeginn wurde in Europa ein Emissionsvolumen von 14 Milliarden Euro von hochverzinsten, risikoreichen Anleihen begeben. Der europäische Anteil am weltweiten Junkbond-Volumen wächst. Betrug er mit einem Volumen von 21,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr noch 17 Prozent so werden es in diesem Jahr wohl 20 Prozent werden.
Dennoch sind die Größenverhältnisse weiter ungleich. Der Junkbond-Markt in den Vereinigten Staaten ist immer noch viermal so groß. Dort gibt es gegenwärtig 3.000 Emittenten, gegenüber 230 in Europa.
Zuwachs könnten die Anlageklasse auch von anderer Seite bekommen. Die Ratingagentur Moody's hat im zweiten Quartal die Bonitätsnote für 39 europäische Unternehmen gesenkt. Das war die höchste Zahl seit vier Jahren. Betroffen waren unter anderem der britische Fernsehsender ITV und der Telekommunikationskonzern Vodafone.
Rating-Lücke dramatisch vergrößert
Und Moody's geht nicht davon aus, daß sich der Trend ändert. Denn die steigenden Zinsen verengen die Finanzierungsspielräume und verteuern die Kreditkosten. „Es ist unwahrscheinlich, daß sich die Kreditwürdigkeit in Westeuropa in nächster Zeit wieder zum Positiven wendet“, schrieben die Volkswirte Guillaume Menuet und Andrea Zazzarelli von Moody's. In den kommenden Monaten seien die Unternehmens-Ratings „an die Entwicklung der Geldpolitik gebunden“.
Manch ein Unternehmen, das sich daher derzeit noch eines Investment-Grade-Rating erfreut, könnte in den kommenden Monaten Bekanntschaft mit der Junkbond-Zone machen. Die sogenannte „Rating-Lücke“, also die Differenz zwischen Herauf- und Herabstufungen, liegt derzeit bei minus14. Im ersten Quartal lag sie noch bei minus fünf. Diese Lücke „stellt eine dramatische Verschlechterung“ im Vergleich zu der Lücke im ersten Quartal dar, hieß es in dem Bericht von Moody's. „Sollte ein restriktiveres geldpolitisches Umfeld den Appetit der Unternehmen auf Investitionen nicht dämpfen, würde die Kreditwürdigkeit das gesamte Jahr über unter Druck stehen“, so die Moody's-Analysten.
Kein Spiel für Privatanleger
Daher geht die Agentur davon aus, daß sich die Zahl der Zahlungsausfälle bei Unternehmen verdoppelt. Die Ausfälle von Junkbonds hatten schon im Mai den höchsten Stand in fünf Monaten erreicht. Indes hatte es zu Anfang des Jahres noch keine gegeben.
Während Hedge Fonds zunehmend mit Ramsch spielen reduzierten andere europäische Investoren ihre Positionen, nachdem die Kurse der Papiere abgesackt waren. Nach einer Umfrage von JP Morgan Chase hat sich die Zahl der pessimistischen Anlegergegenüber Anfang Mai auf 37 Prozent mehr als verdoppelt, während Hochzinsanleihen in diesem Zeitraum lediglich 0,5 Prozent einbüßten.
Bei der risikoreichsten Junk-Kategorie hat sich die Zahl der Verkäufer fast verdoppelt. Der Anteil von Investoren mit einer „leicht untergewichteten Position“ bei Papieren mit einer Bonitätsnote von „CCC“ stieg von 14 Prozent auf 27 Prozent.
Hedge Fonds spielen die Strategie, die schon einst Michael Milken und Drexel Burnham Lambert in den siebziger Jahren erfolgreich anwendeten: ein einzelner Junkbond ist riskant, doch ein Pool erwirtschaftet mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immer eine anständige Rendite. Diese Strategie funktioniert aber nur mit einer entsprechenden Liquidität, denn nur so lassen sich die Risiken ausreichend streuen. Für Privatanleger gilt dagegen eher, sich gerade im Umfeld steigender Zinsen, wenn die Zahlungsausfälle steigen, bei Junkbonds eher vorsichtig zu sein.