17.08.2006 · Der Schweizer Chemiekonzern Ciba will die Belegschaft um 20 Prozent verringern. Für die Mitarbeiter ist das schlecht, für die Aktionäre erfreulich. Den Anleiheinhabern ist es egal - da ändert auch die Ankündigung eines Rückkaufs nichts.
Einen guten Tag hatte am Donnerstag die Schweizer Börse, bevor sich der Gewinneinbruch bei der Lebensversicherungssparte von Zurich Financial in Kursverlusten der Aktie manifestierten und die Aktie belasteten. Kurstreibend wirkte vor allem die Ciba Spezialitätenchemie, die über acht Prozent auf 71,60 Franken zulegte.
Weniger reagierten die Anleihen des Unternehmens. Die in Euro denominierte bis 2018 laufende Anleihe mit einem Kupon von 4,875 Prozent bewegte sich erst gar nicht und rentiert weiter mit 5,404 Prozent. Auch der auf britische Pfund lautende und mit 6,5 Prozent verzinste Papier, das 2013 fällig werdende Bond rentiert unverändert mit 6,07 Prozent.
20 Prozent weniger Stellen
Lediglich in die 2008 fällige auf Schweizer Franken lautende Anleihe mit einem Kupon von 3,25 Prozent und einem Volumen von einer Milliarde kam etwas Bewegung - letztlich blieb sie aber unverändert. Offenbar war den Anlegern die Ankündigung des Konzerns, bis zu 50 Prozent des Volumens im September zurückkaufen zu wollen, doch noch zu vage, als daß sie Handlungsbedarf gesehen hätten.
Zur Tilgung will der Spezialitätenchemie-Konzern dazu zum einen den Erlös aus neuen Finanzierungen mit einer Laufzeit von fünf bis sechs Jahren und zum anderen den Barmittel-Überschuß infolge des Verkaufs seiner Textilchemiesparte.
Denn der Schweizer Spezialchemiekonzern Ciba will kleiner werden, um wieder mehr zu verdienen. Dazu müssen in den nächsten drei bis vier Jahren knapp 20 Prozent Belegschaft den Hut nehmen. „Wir wollen agiler und schlanker werden“, faßt Ciba-Chef Armin Meyer die Gründe für den Jobabbau bei seinem seit Jahren in der Sanierung steckenden Konzern zusammen. Gleichzeitig solle das Wachstum in gut laufenden Sparten wie Plastikadditiva oder Lacke durch zusätzliche Investitionen angekurbelt und das Umsatzwachstum in der nahen Zukunft auf drei bis vier Prozent jährlich gesteigert werden.
Heftige Abschreibungen auf Textilchemiesparte
Doch im abgelaufenen Quartal suchten Ciba weiter die Fehler der Vergangenheit heim. Ausgliederungskosten für die im Februar verkaufte Textilchemiesparte führten zu einem Verlust von 239 Millionen Franken, nach 79 Millionen Franken Reingewinn im Vorjahreszeitraum. Am stärksten wirkte sich eine Abschreibung von 224 Millionen Franken aufgrund der Differenz zwischen Buchwert und dem Verkaufspreis für den ehemaligen Bereich aus, gerecht zu werden.
Der Umsatz sank infolge des Verkaufs auf 1,64 Milliarden Franken. Im fortgeführten Geschäft legte der Umsatz um acht Prozent zu. Stolz verwies Finanzchef Michael Jacobi auf den um 88 Prozent auf 143 Millionen Franken gestiegenen Betriebsgewinn nach Restrukturierungskosten: Man habe ein gutes zweites Quartal hinter uns. Es sei besser gelaufen als bei vielen anderen Chemiefirmen. Dieser Schwung sei auch im laufenden Vierteljahr bisher beibehalten worden.
Marktexperten schätzen das Ergebnis bis auf den Reingewinn als überraschend positiv ein, da im Vorfeld viele Analysten damit gerechnet hatten, daß Ciba die Jahresprognose zurechtstutzen müßte. Dennoch müsse die Restrukturierung weitergehen, so Experten. In den Sparten Wasser- und Papierbehandlung gebe es noch einiges zu tun.
Das „Sandwich-Problem“
Ciba konkretisierte das im April angekündigte neue Restrukturierungsprogramm „Operational Agenda“, mit dem bis 2009 jährlich 400 bis 500 Millionen Franken eingespart werden sollen. Die Betriebsgewinnmarge sollte 2007 und 2008 um jährlich mehr als ein Prozentpunkt steigen, und danach sollte das Tempo zunehmen. Dem stünden Kosten von insgesamt 250 bis 300 Millionen Franken von 2006 bis 2009 sowie der Abbau von 2.500 Stellen gegenüber, rund 350 davon in der Schweiz.
Gemäß Meyer wolle Ciba mit dem Umbau dem Dilemma entkommen, in dem viele Spezialchemieunternehmen seit Jahren stecken: während machtvolle Hersteller von Basischemikalien wie BASF - die Ciba-Lieferanten - ihre Preise im Einklang mit den steigenden Rohstoffpreisen erhöhen konnten, wollten die häufig auf Endkundenmärkten agierenden Ciba-Kunden nicht mehr zahlen. „Die einzige Antwort auf das Sandwich-Problem: Wir müssen auch stark sein, und bei Plastic Additives sehen sie das“, so Meyer.
Auf diese Weise könnte sich das Unternehmen auch aus den Schulden befreien, in denen es mit einer Fremdkapitalquote von 65 Prozent immer noch steckt, wovon fast 50 Prozent auf Finanzverbindlichkeiten entfallen, die sich in vier Anleihen manifestieren. Neben der 2008 fälligen Franken-Anleihe wird 2009 eine weitere Franken-Anleihe im Volumen von 330 Millionen Franken fällig. 2013 muß das Unternehmen einen Bond von 300 Millionen britischen Pfund tilgen, 2018 ist dann die Euro-Anleihe im Volumen von 500 Millionen Euro dran.
Euro-Langläufer derzeit wenig attraktiv
Angesichts dieser Verbindlichkeiten ist das niedrige Investment-Grade-Rating von BBB durchaus als Vertrauensbeweis zu betrachten. Der Euro-Anleihe von Ciba fehlen die Vergleichsprodukte. Die Verwendung des Verkaufserlöses zur Schuldentilgung könnte indes die Finanzkraft und auch das Vertrauen in Cibas Anleihen stärken.
Andererseits ist die Laufzeit bis 2018 reichlich lang und so stürzte das Papier zwischen September 2005 und Juni von 108,84 Prozent auf 93,64 Prozent ab und notiert aktuell zu 95,32 Prozent - ein Schicksal, das sie mit den meisten Industrie-Anleihen in diesem Laufzeitbereich teilt.
Denn der Markt für Unternehmensanleihen ist derzeit einfach gegen langlaufende Papiere, da die Unwägbarkeiten und das Zinsrisiko einfach zu groß sind. Insofern verwundert es nur wenig, daß die Anleihen des Schweizer Konzerns sich von den guten Nachrichten des Tages unberührt zeigen. Der Barmittelerlös aus dem Verkauf der Textilsparte beträgt rund 250 Millionen Franken, also etwa zehn Prozent des Volumens der Finanzverbindlichkeiten. Das ist zwar gut, aber für eine Höherbewertung der Anleihen in Anbetracht des schwachen Marktes nicht gut genug.