18.06.2008 · Mit einer Kapitalerhöhung und neuen Kreditlinien will der Autozulieferer Dürr seine Bilanz verbessern und bis zur Hälfte des Anleihevolumens vorzeitig tilgen. Das gibt Aussicht auf einen kleinen Bonus und auch längerfristig sind die Perspektiven nicht schlecht.
Hochzinsanleihen sind immer schon eine spekulative Anlage gewesen, bergen sie doch stets hohe Risiken, die eben durch den hohen Zins abgegolten werden sollen. Nicht alle dieser, als Ramschanleihen titulierten Papiere, erweisen sich als schlechte Anlagen.
Als positives Beispiel scheint sich auch die mit Bonitätsnoten von „Caa1“ bzw. „CCC+“ am unteren Ende der Skala bewerteten Anleihe des Lackieranlagenspezialisten Dür hervorzutun. Das Unternehmen hat sich rund 44 Millionen Euro frisches Kapital besorgt und will damit seine Bilanz auf Vordermann bringen. Nach langer, verlustreicher Durstrecke rüstet sich der vor allem für die Autoindustrie tätige Konzern damit auch für einige kleinere Übernahmen.
Vorzeitige Rückzahlung des halben Volumens möglich
Dürr teilte am Dienstag in Stuttgart mit, bei institutionellen Investoren und Altaktionären seien 1,572 Millionen neue Aktien zu je 28 Euro platziert worden. Das sind knapp zehn Prozent des Kapitals. Von der Hauptversammlung hatte der Anlagenbauer für diesen Schritt schon 2006 grünes Licht bekommen, der Aufsichtsrat muss noch zustimmen.
Vor allem in eine Teilrückzahlung der Hochzinsanleihe soll das frische Kapital zusammen mit vorhandenen Barmitteln fließen. „Dürr plant fest, die Unternehmensanleihe über 200 Millionen Euro teilweise vorzeitig zurückzuzahlen“, sagte ein Sprecher. Die Anleihe ist erstmals zu Mitte Juli mit einem Aufschlag von 5,25 Prozent kündbar. Vorstellbar sei eine Rückzahlung von rund der Hälfte des Volumens.
Aktuell notiert die Anleihe mit einem Kurs von 105,30 Prozent, was nahezu dem Aufschlag bei vorzeitiger Kündigung entspricht. Bei Stückzinsen von etwa 8,60 Euro verbleibt einem Käufer angesichts des Kupons von 9,25 Prozent immer noch ein Aufschlag von rund 60 Basispunkten, was einer Jahresrendite von knapp acht Prozent entspricht.
Spekulationssteuer dürfte kaum anfallen, weil die Anleihe knapp unter zum Kaufpreis ausgelöst wird, sondern lediglich Zinssteuern. Ob es sich lohnt, diesen kleinen Bonus mitzunehmen, hängt sicher von der persönlichen Anlagephilosophie, dem tatsächlichen Kaufpreis und den gezahlten Gebühren ab.
„Wir erwarten eine Höherstufung“
Aber auch bei Nicht-Kündigung scheint die Dürr-Anleihe angesichts der bevorstehenden Bilanzaufbesserung keine schlechte Wahl zu sein. So verhandelt das Unternehmen auch über eine Verlängerung und Erhöhung der syndizierten Kreditlinie in Höhe von zuletzt 270 Millionen Euro.
„Wir erwarten eine Höherstufung beim Rating und gehen von einer Steigerung des Ergebnisses je Aktie aus“, sagte der Sprecher. Im Geschäftsjahr 2010 könne das Ergebnis je Aktie um rund fünf Prozent höher ausfallen. Auf der Agenda stünden auch kleinere Zukäufe, um das Portfolio abzurunden.
Dürr hatte lange mit einer Auftragsflaute bei Lackier- und Montageanlagen gekämpft. Im Geschäftsjahr 2007 verzeichnete man das erste Umsatzplus seit 2003 mit einem Zuwachs von 8,5 Prozent auf 1,476 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis stieg um zwei Drittel auf 55,7 Millionen Euro, nachdem man 2006 noch einen Betriebsverlust von 70 Millionen Euro verbucht hatte.
Kontinuierliche Verbesserung
Bis Ende des laufenden Jahres rechnet der Stuttgarter Konzern trotz des starken Euro mit einem Umsatzzuwachs von bis zu zehn Prozent und einem Anstieg der betrieblichen Marge von 3,8 auf 5 Prozent. Im ersten Quartal stand unter dem Strich ein Gewinn von 4,5 Millionen Euro, ein Jahr zuvor hatte Dürr noch 2,1 Millionen Euro Verlust verbucht.
Einen Großteil der Geschäfte wickelt Dürr mittlerweile in Schwellenländern ab, wo neue Automobilwerke aus dem Boden schießen. Mit einem Auftragsbestand von 1,2 Milliarden Euro war die Belegschaft zuletzt für mehr als neun Monate voll ausgelastet.
Insofern könnte auch Dürrs Bonitäts-Ranking wieder alte Höhen erreichen. Immerhin hatte Moody's die Anleihe einst mit „B2“ zwei Stufen höher eingeordnet. Einen ersten Erfolg kann Dürr bereits verzeichnen. Die Rating-Agentur hob am Dienstag den Ausblick für das Unternehmen von „stabil“ auf „positiv“ an.
Aussicht auf Rating-Anhebung
Als Begründung nannte man neben der erfolgreichen Kapitalerhöhung auch die beständigen operativen Verbesserungen, von denen man erwartet, dass die zumindest aufrecht erhalten werden. Vor allem würdigt Moody's, dass Dürr die verbesserte Rentabilität auch dazu genutzt habe, den Cashflow zu erhöhen und die Hebelung der Bilanz zu senken. 2007 berichtete das Unternehmen den ersten positiven Cashflow nach drei negativen Jahren. Gleichzeitig ist das Verhältnis von Verschuldung und operativem Ergebnis 2007 auf 4,2 gesunken, nachdem es 2006 noch 5,5 betragen hatte. Pro-forma hätte es im ersten Quartal nur noch 3,7 betragen.
Im Engagement des Automobilzulieferers in den Schwellenländern sieht Moody's dagegen auch gewisse Projektrisiken. Zudem seine ungünstige Wechselkursentwicklungen nicht auszuschließen, ebenso könnten die steigenden Rohstoffpreise die Margen gefährden.
Insofern könnten sich die Verhältnisse für Dürr bis zum Fälligkeitszeitpunkt der Anleihe im Juli 2011 noch zum Schlechteren wenden. Das begründet ein grundsätzliches Risiko, wenngleich die Aussichten derzeit durchweg positiv erscheinen.