http://www.faz.net/-gv6-qatr

Unternehmensanleihen : Gläubiger zahlen Treofans Restrukturierung mit

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Moody's wertet die Umschuldungspläne des Raunheimer Folienherstellers Treofan als faktischen Zahlungsausfall. Angesichts der Wirtschaftskrise dürfte die operative Wende auch mit einer finanziell stärkeren Holding auf sich warten lassen.

          Rund 140 Prozent Rendite verspricht die mit 11 Prozent verzinste, im August 2013 fällige Anleihe des Raunheimer Folienherstellers Treofan. Sie hat damit zwar ihren Höchststand von rund 150 Prozent von Anfang April nicht erreicht, doch angesichts der Tatsache, dass der Bond kaum noch gehandelt wird, erscheint das bedeutungslos.

          Vor Jahresfrist rentierte die Anleihe noch mit 42 Prozent, vor zwei Jahren noch ungefähr bei pari. das zeigt, wie sich die Situation für Treofan verschlechtert hat. Doch nach Standard & Poor's hat nun auch die Rating-Agentur Moody's die Einschätzung der Bonität des Unternehmens von der ohnehin schlechten Note „Caa2“ auf „Ca“ gesenkt und das Rating der Anleihe von „Caa3“ auf „Ca“.

          Umschuldung als faktischer Zahlungsausfall

          Ende April hatte Treofan angekündigt, seinen Gläubigern eine Umwandelung der Anleiheschulden in Eigenkapital anzubieten. 86,17 Prozent der Anleiheinhaber hätten sich schon unverbindlich einverstanden erklärt - notwendig ist aber die Zustimmung von 95 Prozent. Auch wenn diese erfolgt, betrachtet dies Moody's als einen faktischen Zahlungsausfall.

          Immerhin ist ungewiss, welchen Wert die Eigenkapitalanteile tatsächlich haben werden. Zwar vermeldete Treofan, im ersten Quartal ein bereinigtes operatives Ergebnis von 8,5 Millionen Euro erzielt zu haben. Das wäre eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Verlust von 600.000 Euro im vierten und sogar dem Gewinn von 6,1 Millionen Euro im ersten Quartal 2008. Dennoch erwatet Moody's angesichts der herrschenden Wirtschaftskrise, dass Mittelzufluss und operativer Gewinn weiter schwach bleiben. Das zeigt sich auch darin, dass Moody's die Note nach erfolgtem Tausch nur auf „Caa2“ mit dem Vermerk „Limited Default“ heraufsetzen will.

          Von Finanzinvestoren in die Schieflage gebracht

          Das Unternehmen, das Polypropylänfolien und -verpackungen herstellt, die vorwiegend in der Nahrungsmittelindustrie verwendet werden, kann als Opfer von Finanzinvestoren angesehen werden.

          Nach der Übernahme durch Bain Capital geriet das Unternehmen in die Schieflage, weil es zu hoch verschuldet war und eine zu belastende Mezzanine-Finanzierung tragen musste. Goldman Sachs kaufte die Kreditforderungen der Banken auf, nahm einige Hedge-Fonds mit ins Boot und zwang Bain zu einem Debt-Equity-Swap.

          2006 gab es dann einige Hoffnungszeichen. Die Eigenkapitalquote wurde positiv, die Hebelung der Bilanz sank auf rund 6, die Eigenkapitalquote war mit 4 Prozent immerhin positiv, wenn auch nicht eben üppig.

          Finanzielle Restrukturierung soll Wende bringen

          Doch schon 2007 rutschte die Eigenkapitalquote wieder in den negativen Bereich, stieg die Nettoverschuldung um mehr als 20 Prozent, während der operative Geweinn um rund ein Viertel sank. In den ersten neun Monaten des Jahres 2008, für die Treofan letztmalig Ergebnisse publizierte, sank die Eigenkapitalquote weiter gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab.

          Jertzt soll neben der Umschuldung der Anleihen, die Verlängerung einer Kreditlinie von Juli 2010 auf Juli 2011 samt einer Neufestlegung der Bedingungen sowie eine nicht näher quantifizierte Kapitalspritze die Wende bringen.

          Das würde zunächst immerhin vorerst die rund 1600 Arbeitsplätze des Unternehmens retten, wobei sich angesichts der schwachen operativen Entwicklung der vergangenen Jahre mit zuletzt deutlich niedrigen Umsätzen und Gewinnen noch zeigen muss, ob nicht operative Restrukturierungsmaßnahmen ergriffen werden müssen.

          Zwar zeigte sich Finanzvorstand Wolfgang Posner Ende April überzeugt, dass die finanzielle Restrukturierung der angemessene Schritt sei, zu einem wettbewerbsfähigen Unternehmen zu werden, doch räumte Treofan gleichzeitig ein, dass die Märkte im Zuge der Finanzkrise und der Rezessionsprognosen sehr volatil seien. Zunächst aber dürften Eigentümer und Gläubiger zumindest erst einmal in Vorlage treten müssen, um die nun mehr erhoffte längerfristige Wende zu finanzieren.

          Quelle: mho

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jamaika-Koalition : Der Grünstreifen am Horizont

          Vor vier Jahren haben die Grünen ihre Chance auf eine Beteiligung an der Regierung vertan. Diesmal wollen sie ernsthaft verhandeln. Das geht nur, wenn die Parteilinken mitmachen. Doch, sind die dazu bereit?
          Die britische Regierungschefin Theresa May und der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei ihrem Treffen in Brüssel.

          Treffen von May und Juncker : Jetzt aber flott!

          Das Stocken der Brexit-Verhandlungen sorgte zuletzt für viel Kritik. Nun machen Jean-Claude Juncker und Theresa May Dampf. Bis Dezember soll ein Plan für die Scheidung stehen.
          Jordi Ciuxart, Vorsitzender des katalanischen Kulturvereins Omnium Cultural, und ANC-Chef Jordi Sànchez vor dem Gerichtstermin in Madrid.

          Krise in Katalonien : Führende katalanische Separatisten inhaftiert

          Die spanische Staatsanwaltschaft hat zwei katalanische Separatistenführer festnehmen lassen. Auch gegen Polizeichef Josep Lluís Trapero wurde Untersuchungshaft beantragt, er kam gegen Kaution jedoch vorerst frei.
          „Es war eine Landtagswahl“: Merkel am Montag in Berlin

          Nach der Niedersachsen-Wahl : Runter vom Baum und Schwamm drüber

          Die Parteien, die eine schwarz-gelb-grüne Bundesregierung bilden wollen, haben bei der Niedersachsen-Wahl alle verloren. Angeblich schadet das nichts. Denn nach der Wahl ist vor der Sondierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.