03.04.2006 · Mit einer neuen, milliardenschweren Anleihe macht der Kabelnetzbetrieber Unity Media GmbH auf sich aufmerksam. Immerhin bietet das Unternehmen für die variabel verzinsliche Anleihe einen Aufschlag von 287,5 Basispunkten. Doch das hat seinen Grund.
Der Anleihenmarkt bringt nicht mehr viele Renditeschnäppchen hervor. Noch weniger, wenn es um eine Neuemission geht. Die neue variabel verzinsliche Anleihe, die der Kabelnetzbetreiber Unity Media GmbH begibt, erscheint da recht attraktiv.
Immerhin 287,5 Basispunkte über dem Drei-Monats-Euribor bietet der Floater. Das macht aktuell einen Zins von 5,693 Prozent. Begeben wird das Papier zu Pari und ist auch noch vorzeitig kündbar.
Refinanzierung von Bankschulden
In diesem Fall gibt es sogar einen Aufschlag von zwei Prozent nach einem und einem Prozent nach zwei Jahren. Erst ab dem dritten Jahr gibt es nichts mehr obendrauf. Wird die Anleihe nach einem Jahr gekündigt, ergibt sich eine Rendite bei Emission von knapp 7,7 Prozent.
Das klingt zunächst einmal ganz gut. Doch allein, wenn man das Emissionsvolumen betrachtet und einen Blick auf den Emittenten wirft, so gerät man ins Schwanken, ob man mit dem Papier wirklich gut fährt.
Denn mit dem Bond im Volumen von 1,35 Milliarden Euro sollen ein bestehendes Bankdarlehen abgelöst werden. 1,35 Milliarden Schulden sind nun einmal keine Kleinigkeit, zumal wenn die Anleiheemission der Refinanzierung und nicht dem Wachstum dient.
Kabelboom...
Hinter der Unity Media GmbH verbergen sich die Kabelnetzbetreiber Iesy und Ish, die in den vergangenen Jahren nicht unbedingt für positive Schlagzeilen sorgten, wenn es um ihre Finanzen ging.
Ish war die nordrhein-westfälische Kabelnetzgesellschaft des amerikanischen Kabelnetzinvestors Callahan Associates. Im Januar 2003 kam Ish unter den Hammer und endete in den Armen von Finanzinvestoren. Die Dachgesellschaft Callahan NRW war bereits 2002 unter einem milliardenschweren Schuldenberg zusammengebrochen und stellte Insolvenzantrag. Schon Ende 2001 hatte die Gesellschaft bei einem Umsatz von 388 Millionen Euro einen Vorsteuerverlust von 527 Millionen Euro ausgewiesen.
Das Unternehmen kaufte in der Hochphase der „New Economy“ Anfang 2000 für geschätzte zwei Milliarden Euro die Mehrheit am nordrhein-westfälischen Telekom-Kabelnetz. Mit weiteren Milliardeninvestitionen sollte das technisch veraltete Fernsehübertragungsmedium zu einem Multimedia-Kanal ausgebaut werden. Das Kabel könnte dann auch als schneller Internetzugang, zum Telefonieren und für interaktives Digitalfernsehen genutzt werden.
... und Kabeldoom
Doch Callahan schaffte es nicht, sich mit kleineren Netzbetreibern, die oft die letzten Meter zwischen Telekom-Netz und Anschlußbuchse kontrollieren, zu arrangieren. Ohne eine solche Vereinbarung mit den zahlreichen im Kabelgeschäft tätigen Mittelständlern waren aber die Ausbaupläne Makulatur.
Dasselbe Problem hatte auch der Netzbetreiber Iesy in Hessen, der heute ebenfalls zur Unity Media GmbH gehört. Iesy hielt sich etwas länger, scheiterte aber ebenfalls mit der Sanierung. Ursprünglich hatten die Finanzinvestoren ihre Beteiligungen an die Kabel Deutschland (KDG) verkaufen wollen, doch das scheiterte am Widerstand des Kartellamts.
Auf diese Weise gibt es jetzt zwei große Kabelnetzbetreiber: die Unity Media GmbH und die KDG, die beide großen Finanzinvestoren gehören. Für die ergibt ein Engagement keinen Sinn, wenn sie nicht bald Geld sehen.
Angriff an allen Fronten
Im vergangenen Jahr begann dann der große Angriff an mehreren Fronten: zum ersten erkämpften die Netzbetreiber gegen den Widerstand von RTL und Pro Sieben Sat.1 eine beschleunigte Digitaleinspeisung der Sender ins Kabelnetz und kündigten sogar die Einspeisungsverträge. Zum zweiten baut Iesy sein Netz für breitbandige Internet-Zugänge aus, um vom DSL-Boom zu profitieren.
Zum dritten erwarb Arena, hinter der Unity Media steht, bekanntermaßen die Rechte zur Ausstrahlung der Fußball-Bundesliga, immer noch das zugkräftigste Fernsehprogramm in der deutschen TV-Welt. Zwar gibt es da noch viele Kinderkrankheiten, weil bislang noch Verträge mit anderen Kabelnetzbetreibern ausstehen.
Doch alles in allem zeichnet sich hier eine Großoffensive der hinter den Unternehmen stehenden Finanzhäusern ab. Offenbar bereiten die Finanzinvestoren den Ausstieg vor und wollen ihre Beteiligungen mit einem zugkräftigen Geschäftsmodell zurücklassen und umschulden.
Damoklesschwert Finanzinvestoren
Das ist insofern positiv, als die Unternehmen auf diese Weise vielleicht doch noch auf einen grünen Zweig kommen. Andererseits könnte ein rascher Ausstieg bei baldmöglichster Gelegenheit die Unternehmen und ihre Gläubiger einer ungewissen Zukunft überlassen. Bei Laufzeiten der Anleihen von sieben Jahren und länger kann dieser Fall rasch eintreten und das Risiko blitzartig zunehmen.
Was den Floater anbetrifft, so ist dieser sicher nicht erste Wahl. Erstens liegt seine Rendite niedriger als die der festverzinslichen Anleihen. Zweitens ist er kündbar - das bedeutet, daß sobald die Rendite interessant wird, das Risiko steigt, von dieser Abschied nehmen zu müssen. Die kürzere Laufzeit ist angesichts des generell hohen Risikos von untergeordneter Bedeutung.
Alles in allem sind die Hochzinsanleihen mit einem hohen Risiko behaftet. Wer sich diese ins Depot legt, muß schon wissen, was er tut und daß er sein Geld vielleicht nie wiedersieht.