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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Unternehmensanleihen Escada in der Krise

 ·  Der Modekonzern Escada braucht dringend Geld. Dem Vernehmen nach sind die Chancen nicht schlecht. Doch aus dem Schneider ist das Unternehmen keineswegs.

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Selbst wenn die Wirtschafts- und Finanzkrise glimpflicher ausgehen sollte als befürchtet, so bedeutet dies doch viel Unbill. Steigende Zahlungsausfälle bedeuten Insolvenzen, Firmenzusammenbrüche, sinkende Nachfrage und restriktivere Kreditvergaben bringen mehr Unternehmen in Schwierigkeiten.

Mit existenzbedrohenden Problemen hat auch der Modekonzern Escada zu kämpfen. Die Rendite seiner 2012 fälligen Anleihe mit einem Kupon von 7,5 Prozent und einem Volumen von 200 Millionen Euro stieg seit Wochenbeginn vom ohnehin schon extrem hohen Niveau von 64 Prozent auf 73 Prozent.

Absatzkrise

Dem größten deutschen Hersteller von Damenluxusmode steht 30 Jahre nach seiner Gründung das Wasser bis zum Hals. Trotz jahrelanger Sanierungsversuche hat das Unternehmen mit Sitz in Aschheim bei München im vergangenen Geschäftsjahr abermals einen Verlust von 70 Millionen Euro angehäuft.

Die Kaufzurückhaltung machte sich rund um den Globus zunehmend bemerkbar. „Gerade die hochwertige Mode ist ein Geschäft, dessen Erfolg stark von Stimmungsfaktoren abhängt“, sagte Escada-Chef Bruno Sälzer.

Der Umsatz ging um rund 15 Prozent auf 582 Millionen Euro zurück. 88 Prozent davon macht Escada im Ausland und ist daher stark von der weltweiten Krise betroffen. Am stärksten gingen die Erlöse im wichtigsten Markt Vereinigten Staaten zurück, aber auch in Asien kauften die Kundinnen nicht mehr soviel bei Escada ein.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2008/09 (31. Oktober) schrieb Escada bei sinkenden Umsätzen ebenfalls rote Zahlen. Die Erlöse gingen um 7,5 Prozent auf 131,5 Millionen Euro zurück, der Fehlbetrag summierte sich auf 6,3 Millionen Euro nach 4 Millionen Euro im Vorjahr.

Liquiditätskrise

Die Eigenkapitalquote, die für einige Jahre erstarkt war, ohne dass Escada damit hätte strotzen können, ist zum 31. Januar auf 16,5 Prozent abgerutscht und liegt nur noch knapp über der des Krisenjahres 2001.

Es bestehe ein Finanzierungsbedarf von 30 Millionen Euro in diesem Jahr, berichtete Finanzvorstand Markus Schürholz am Dienstag. Mit Banken und den Investoren würden derzeit Gespräche geführt. Zusätzlich plant der Konzern eine Herabsetzung des Kapitals, um damit auch die Voraussetzungen für die Ausgabe neuer Aktien zu schaffen. Eine Insolvenzgefahr schloss das Unternehmen nicht aus. „Es ist immer dann zu Ende, wenn kein Geld mehr da ist“, sagte Schürholz.

Die Tatsache, dass der Anleihenkurs unter diesen Umständen nicht noch weiter sank ist dem Umstand zu verdanken, dass die Nachrichtenagentur Reuters erfahren haben will, dass die an Escada beteiligten Tchibo-Miteigner Wolfgang und Michael Herz an einer Kapitalerhöhung proportional zu ihrem derzeitigen Anteil teilnehme wollen.

Noch nicht aus dem Schneider

Indes wird der ungenannte Informant so zitiert, dass die anderen Escada-Aktionäre ebenfalls mitziehen müssten, denn Escada sei kein Herz-Unternehmen. Die Familien sähen sich noch nicht einmal in einer herausgehobenen Stellung und wollten ihre Beteiligung unter 30 Prozent halten, da sie ein Pflicht-Übernahmeangebot scheuten.

Eine Schlüsselrolle fällt dabei dem russischen Großinvestor Aksenenko zu, der knapp 21 Prozent hält. Dieser aber hatte sich in den vergangene Monaten eher auf dem Rückzug befunden, so dass auch dieser ein übermäßiges Engagement scheuen wird.

Escada ist also keineswegs schon aus dem Schneider. Zwar sind wieder einmal Restrukturierungsmaßnahmen im Gange, doch die werden nicht greifen können, wenn die Finanzierung nicht stimmt.

Weiter auf Restrukturierungskurs

Sälzer, früher Chef von Hugo Boss, will Kollektionen verkleinern, wieder mehr Strickmode einführen, sparen und womöglich auch Stellen abbauen. Der Verkauf der defizitären Tochter Primera soll Vorstandsmitglied Michael Börnicke zufolge in den nächsten Monaten abgeschlossen werden. Es gebe reges Interesse.

Sälzers beiden Vorgängern war in punkto Kehrtwende kein Erfolg beschieden. Schon im Wirtschaftsboom hatte Escada zunehmend Probleme, seine Luxuskleider, die kaum unter 1000 Euro zu haben sind, an die Frau zu bringen. Früheren Stammkundinnen waren die neuen Kollektionen zu bunt, andere ärgerten sich über veränderte Schnitte, die ihnen nicht mehr passten.

Sälzer ist Realist: „Am Ende brauchen wir jemanden, der für unser Produkte bezahlt.“ Bei Hugo Boss war er erfolgreich gewesen - doch waren die Zeiten nicht so hart wie heute.

Spekulative Versuchung

Moody's bewertete die Escada-Anleihe zuletzt mit „Caa2“, dem zweitschwächsten Rating jenseits des Zahlungsausfälle. das Verlustrisiko wird allerdings nur auf 48 Prozent beziffert. Folgt man dieser Einschätzung, so betrüge im Insolvenzfall die theoretische Rendite rund 25 Prozent, bezogen auf den Fälligkeitszeitpunkt und unter Entfall sämtlicher Zinszahlungen.

Damit bieten sich spekulative Chancen, verbunden mit entsprechend hohen Risiken. Denn weder muss sich die Schätzung von Moody's als zutreffend erweisen, noch ist klar, wann eine Abfindung der Gläubiger erfolgen würde.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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