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Unternehmensanleihen EMI: Riskanter Renditeglanz einer großen Vergangenheit

12.01.2007 ·  Seit Jahren laufen die Geschäfte des Musikkonzerns EMI mehr schlecht als recht. Im Weihnachtsgeschäft erfüllte dann Robbie Williams die Erwartungen nicht. Jetzt versucht man es mit einer Radikalkur. Doch die Anleihe ist noch aus anderen Gründen riskant.

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Was waren das für Zeiten, als die Beatles noch millionenfach Schallplatten verkauften und für ihre Verdienste um die britische Exportindustrie geadelt wurden. Dies waren die Glanzzeiten des 1897 gegründeten Musikkonzerns EMI. Mit der Trennung der Beatles ging es auch mit EMI abwärts. Schon in den Siebzigern von Thorn Electrical Industries übernommen, konnte der Konzern nie wieder an seine Glanzzeiten anknüpfen.

Seit der Trennung von Thorn im Jahr 1996 wächst man hauptsächlich durch Übernahmen, weil das Geschäftsmodell der klassischen tonträgerorientierten Musikindustrie für den Massenmarkt seit langem schon immer stärker unter Druck steht.

Sinkende Umsätze und Gewinne

Schon im Februar 2005 schockte der britische Konzern die Finanzmärkte mit einem hohen Umsatzrückgang im Jahr 2004 und einem prognostizierten Umsatzrückgang von acht bis neun Prozent für 2005.

Das gleiche vollzieht sich nun in diesem Jahr. EMI hat mit dem Verkauf von Musik-CDs im Weihnachtsgeschäft noch weniger umgesetzt als das Unternehmen erwartet hatte. Wechselkursbereinigt werden die Einnahmen der Sparte EMI Music in dem im März zu Ende gehenden Geschäftsjahr um sechs bis zehn Prozent unter Vorjahr und damit unter dem Marktdurchschnitt von minus vier Prozent liegen, wie der Konzern am Freitag mitteilte.

Damit werden die Umsätze erstmals seit 2003 unter zwei Milliarden Pfund fallen. Es ist dies der vierte Umsatzrückgang in fünf aufeinander folgenden Geschäftsjahren. EMI gab keine Gewinnprognose ab. Indes dürfte wohl auch das operative Ergebnis aufgrund des Umsatzrückgangs sinken - gleichfalls zum vierten Mal seit 2002.

Robbie Williams enttäuscht

EMI hatte im Oktober angekündigt, den größten Teil ihrer Umsätze im zweiten Halbjahr per 30. März machen zu wollen. Zuversicht gaben dem Unternehmen damals die bevorstehenden Veröffentlichungen von Alben erfolgversprechender Künstler, hier wurden namentlich Stars wie Norah Jones, Robbie Williams, Keith Urban und Joss Stone genannt.

Doch die Alben von Jones und Stone wurden vor Weihnachten nicht mehr fertig. Und Robbie Williams scheint seinen Zenit überschritten zu haben. Das neue Album „Rudebox“ hielt sich nur eine Woche auf der Nummer Eins und fiel schon vor dem Weihnachtsgeschäft aus den Top Ten. Auch die Single-Auskopplungen liefen deutlich schwächer als früher.

Immerhin hatte dies ein gutes. Der Finanzinvestor Permira nahm ob dessen Abstand von einer geplanten Übernahme, respektive das Angebot fiel so aus, dass EMI ablehnte. Daraufhin nahmen Standard & Poor's das Unternehmen wieder von der Liste der Kandidaten für eine Abstufung.

Köpfe rollen

Zuletzt hatte das Unternehmen auch mit Übernahmen kein Glück mehr. Nach der Untersagung der Fusion von Sony Music und der Bertelsmann Music Group musste das Unternehmen die Pläne aufgeben, mit Warner Music zusammenzugehen.

Nach dem neuerlichen Einbruch will EMI nun im eigenen Haus radikal aufräumen. In einem ersten Schritt werden der Chef des Plattenlabels EMI Music, Alain Levy, und sein Stellvertreter David Munns mit sofortiger Wirkung aus dem Unternehmen ausscheiden. 110 Millionen Pfund im Jahr sollen eingespart werden - die erste Hälfte bis März 2008 und die zweite in den darauf folgenden zwölf Monaten. Die Restrukturierung soll einmalig nicht mehr als 150 Millionen Pfund kosten.

Der Aktienkurs des Konzerns stürzte darauf um gut zehn Prozent ab. Der Preis der Kreditderivate stieg um über sieben Prozent auf 1,745 Prozent. Denn der Kurs des Konzerns wird kritisch betrachtet. Die angekündigten Maßnahmen sind nicht der erste Restrukturierungsversuch.

Nur auf die Beatles scheint Verlass

Vor allem der noch im Herbst zur Schau getragene Optimismus, stieß Analyst Patrick Yau von Bridgewell Securities sauer auf. Das Unternehmen habe damals zugesichert, das Geschäft laufe gut. Immerhin habe man damals ein Übernahmeangebot ausgeschlagen, das gerüchteweise noch über dem von Warner von 310 Pence je Aktie gelegen habe, ergänzte der Analyst. Diese Bewertung klinge jetzt nach einem frommen Wunsch für EMI, das nun nach einer plausiblen Strategie suchen müsse.

Sinnfällig für die Misere von EMI ist die Tatsache, das noch zu den am besten verkauftesten Alben des Konzerns das Remix-Album „Love“ von den Beatles, gehörte, das sich nun seit sechs Wochen in den britischen Top Ten hält - doppelt so lange wie Robbie Williams.

Die mit 8,625 Prozent verzinste und 2013 fällige Euro-Anleihe des Konzerns (Isin XS0177495107) zeigte sich unterdessen weitgehend unbewegt. EMI genießt derzeit ein Rating von BB/Ba2, das zwei Stufen unter Investment-Grade liegt. Der Ausblick ist allerdings negativ.

Anleihe mit Kündigungsrisiken

Die Anleihe rentiert aktuell mit 6,785 Prozent und damit deutlich höher als für Anleihen ähnlichen Ratings und ähnlicher Laufzeit üblich. Die 2012 fällige Tui-Anleihe etwa rentiert lediglich mit 6,123 Prozent.

Der deutliche Renditeaufschlag spiegelt nicht nur die Problem des Konzerns wider. In ihm sind auch die Bedingungen der Emission eingepreist. So kann der Bond ab dem 15. Oktober 2008 jederzeit gekündigt werden. Geschähe dies bereits 2008, sänke die Rendite auf lediglich 4,44 Prozent ab. Diese Rendite entspricht einem Rating von „A2“, sechs Stufen höher als EMIs tatsächliche Bonitätsnote.

Zudem hält Analyst Yau eine Übernahme von EMI nunmehr für wieder wahrscheinlicher, wenn auch nicht zu dem einst von Permira angeblich gebotenen Preis. Das könnte das Rating und die Kurse weiter unter Druck bringen. Etwas Schutz bietet der „Poison Put“, wonach ein Erwerber die Anleihen zu 101 Prozent zurückkaufen muss.

Auf Kursgewinne braucht man bei der EMI-Anleihe daher nicht zu hoffen. Indes lockt die hohe Rendite, mit der indes ein entsprechendes Risiko mitgekauft wird. Und sechs Jahre Restlaufzeit sind eine lange Zeit, in der noch viel geschehen kann.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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