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Zertifikate und ETFs

Unternehmensanleihen Die Subprime-Krise breitet sich aus

Eine Reihe von negativen Nachrichten, besonders die drohende Insolvenz des Prime-Hypothekenfinanzierers American Mortgage, bringen die Finanzmärkte erneut unter Druck. Anfang eines jahrelangen Niedergangs der Anleihenmärkte oder eine Kaufgelegenheit?

© AP Vergrößern Das Debakel am amerikanische Hypothekenmarkt beginnt sich auszubreiten

Der Anteil der Optimisten an der Börse ist größer als in anderen Bereichen des Lebens. Das ist auch ganz gut so, bedarf es doch eines gewissen Optimismus um die Risiken auf sich zu nehmen, die die Finanzmärkte nun einmal bergen.

Das ist indes weniger gut, wenn es darum geht, das Ausmaß von großen Risiken richtig abzuschätzen. Warnten viele Analysten schon zu Jahresbeginn, dass die Krise am amerikanischen Subprime-Markt nicht auf diesen begrenzt bleiben werde und schon gar nicht ausgestanden sei, so wollten und wollen es viele nicht hören. Das zeigte sich auch am Dienstag, der zu einem Jubeltag an den Aktienmärkten wurde, praktisch deswegen, weil es zunächst keine weiteren spektakulären Negativ-Schlagzeilen gab.

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Drohende AHM-Insolvenz zeichnete sich schon in der Vorwoche ab

Am Mittwoch sieht es schon wieder ganz anders aus, nachdem die amerikanischen Börsen am Dienstag im späten Handel unter Druck geraten waren. Grund war diesmal vor allem, dass mit dem Hypothekenfinanzierer American Home Mortgage Investment (AHM) erstmals ein Unternehmen in großen Schwierigkeiten steckt, das gar nichts mit zweitklassigen Krediten zu tun hatte, sondern Kunden mit höherer Kreditwürdigkeit hat.

Infografik/ Entwicklung der Indizes für Subprime-ABS © DZ Bank Vergrößern

Bereits am Dienstag wurde bekannt, dass American Home sich von seinen Banken mit Forderungen nach mehr Bar-Sicherheiten konfrontiert sah. Schon am Freitagabend hatte das Unternehmen die geplanten Dividendenausschüttungen verschoben. Doch das wurde ignoriert, bis die Firma am Dienstagabend mitteilte, sie bekomme keine Kredite mehr. Am Montag hätten 300 Millionen Dollar gefehlt und am Dienstag seien es weitere 450 bis 500 Millionen Dollar gewesen.

Nun müsse man nach anderen Wegen suchen, um an Geld zu kommen. Dazu zähle auch der Verkauf von Vermögenswerten. An der Börse wurde nach der Ankündigung das Überleben von American Home im Frage gestellt. Die Aktien des Unternehmens fielen um 90 Prozent auf 1,04 Dollar. „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass das Unternehmen entweder Bankrott geht oder sich substantiell so umgestaltet, dass für die Aktionäre nur noch wenig Wert verbleibt“, kommentierte Bose George, Analyst bei Keefe Bruyette & Woods, die Entwicklung.

Befürchtete Bundesregierung eine Bankenkrise?

American Home selbst ist keine Bank und davon abhängig, dass andere Institute die Kreditzusagen der Firma gegenfinanzieren.Das Unternehmen gehört zu den großen Hypothekenanbietern der Vereinigten Staaten und hatte zuletzt einen Marktanteil von 2,5 Prozent. Mit dieser Entwicklung erreichte die Krise am Hypothekenmarkt einen neuen Höhepunkt. Rund 50 Finanzierer sind inzwischen Bankrott oder haben sich selbst verkauft.

Und nachdem sich die deutschen Anleger am Dienstag noch beruhigt hatten, dass der Fall IKB, der ihnen am Montag noch die Laune verhagelt hatte (vgl. Abwärtstrend der IKB-Aktie dürfte sich beschleunigen ), doch nicht so schlimm gewesen war, wird am Mittwoch kolportiert, dass das Bundesfinanzministerium deswegen eine Bankenkrise gefürchtet habe. Minister Peer Steinbrück hat deshalb angeblich sogar seinen Urlaub unterbrochen. Dementiert wurde aus Regierungskreisen bislang lediglich letzteres.

Australische Broker frieren Kundenkonten ein

Mittlerweile geht es auch in anderen Ländern Schlag auf Schlag. Die australische Bank Macquarie warnte Investoren vor Verlusten von bis zu 25 Prozent bei zwei ihrer Fonds. Grund dafür seien die Auswirkungen der Krise am amerikanischen Markt für zweitklassige Hypotheken-Kredite. Die Verluste könnten sich auf bis zu 254 Millionen Dollar summieren - obwohl die Fonds gar keine direkte Verbindung zu den Subprimes hätten. Auch die australischen Fondsgesellschaften Basis Capital und Absolute Capital froren Anlegerkonten ein.

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