19.05.2005 · Cobold-Anleihen machen ihrem Namen alle Ehre. Wenn sie wollen, zeigen sie dem Anleger einen Goldschatz in Form einer hohen Rendite. Aber genauso gut können sie ihm in Form von hohen Verlusten einen üblen Streich spielen.
Im Volksglauben ist ein Kobold ein wohlwollender Hausgeist, der seinem Besitzer Wohlstand bringt. Allerdings können sie auch bösartig werden und ihrem Besitzer Schaden zufügen. Diese Beschreibung trifft im wesentlichen auch auf Cobold-Anleihen zu.
Das Konstruktionsprinzip einer Cobold-Anleihe (so die Bezeichnung der DZ Bank, auch Colibri-Anleihe (Commerzbank) oder Synthia-Anleihe (Landesbank Baden-Württemberg) genannt) ist denkbar einfach. Cobold steht für „Corporate Bond Linked Debt“, also eine Anleihe bezogen auf Unternehmensanleihen, ein sogenanntes strukturiertes Produkt, eine Anleihe mit integriertem Kreditderivat.
Wetten auf die Zahlungsfähigkeit
Es handelt sich dabei im Grunde auf eine Wette auf die Zahlungsfähigkeit eines Korbes von Unternehmen, die ihrerseits Anleihen emittiert haben. Der Anleger erhält eine Nominalverzinsung von aktuell zwischen drei und 6,25 Prozent und am Ende der Laufzeit den Nominalwert der Anleihe zurückerstattet, sofern bei keinem der zugrundeliegenden Unternehmen ein sogenanntes „Kreditereignis“ eintritt.
Als solches gelten in der Regel: Insolvenz, Nichtzahlung oder Restrukturierung von Verbindlichkeiten. Kurzum, solange die Unternehmen ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können, funktioniert die Cobold-Anleihe wie eine klassische Anleihe.
Tritt indes ein Kreditereignis ein, verändert sich der Tilgungsmodus. Statt der Tilgung des Nominalbetrags leistet die emittierende Bank entweder einen Barausgleich oder tilgt die Anleihe durch die physische Lieferung von Anleihen des ausgefallenen Unternehmens. Beide Tilgungsarten unterscheiden sich dabei nicht wesentlich. Denn der Barausgleichsbetrag entspricht dem Kurs, zu dem fremde Banken bereit sind, die zugrunde liegenden Anleihen des ausgefallenen Unternehmens zurückzukaufen. Es ist davon auszugehen, daß sich die Verluste, die der Anleger in beiden Fällen erleidet, letztlich nicht wesentlich voneinander unterscheiden. Der Barausgleichsfall erspart ihm immerhin Arbeit.
Renditeplus für höheres Risiko
Gegenüber einer herkömmlichen Unternehmensanleihen ist das Ausfallrisiko einer Cobold-Anleihe deutlich höher. Denn es muß nur eines von in der Regel drei bis fünf Unternehmen auch nur vorübergehend zahlungsunfähig werden, daß die Tilgung der Anleihe unterbleibt oder zumindest erheblich geringer ausfällt.
In der Konsequenz bieten die Anleihen natürlich auch höhere Renditen. So wird die mit 4,5 Prozent verzinste Cobold 58-Anleihe der DZ Bank (ISIN: DE000DZ6DWN3) an der Börse Stuttgart derzeit mit einer Rendite von 14,29 Prozent gehandelt. Das überrascht kaum: Schließlich liegen dem Produkt neben Altria mit Ford und General Motors zwei Unternehmen zugrunde, die derzeit nicht als die stabilsten Kandidaten gelten, wenn es um Schuldentilgung geht und deren Anleihen gerade erst vor einigen Wochen auf Junk-Status degradiert wurden. Interessant ist das Papier für risikofreudige Anleger allemal. Die Laufzeit endet am 21. Dezember 2007 - solange müßten die beiden amerikanischen Autokonzerne noch durchhalten.
Für die Höhe des Risikozuschlags ist zunächst immer das schwächste Glied in der Kette ausschlaggebend. Das ist in diesem Fall derzeit General Motors. Die mit 6,125 Prozent verzinste, im März 2007 fällige Anleihe (ISIN: XS0144709994) rentiert derzeit bei 8,25 Prozent, die im Juli 2008 fällige, mit sechs Prozent verzinste Anleihe (ISIN: XS0171922486) bei 10,14 Prozent. Demgegenüber erscheinen 14,29 Prozent Rendite noch lukrativer. Doch in einer Restlaufzeit von 31 Monaten stecken viele Risiken. So könnte es am Ende vielleicht Altria sein, die die Kalkulation zum Kippen bringt.
Automobilwerte bringen Chancen
Die kritischen Werte in den derzeit auf dem Markt befindlichen, hoch rentierlichen Anleihederivaten à la Cobold-Anleihe basieren - leicht nachvollziehbar - vorwiegend auf Automobil-Unternehmen und dabei fast immer Ford und General Motors. Kein Wunder, dienen sie den emittierenden Banken doch als Rückversicherungsinstrument gegen den Ausfall von Anleihen der Unternehmen. Wer Wackelkandidaten wie Ford und General Motors ausschließen möchte, für den kommt die mit vier Prozent verzinste Cobold 60-Anleihe der DZ Bank mit einer Laufzeit bis zum 23. Juni 2009 (ISIN: DE000DZ78AB0) in Frage. Sie rentiert derzeit mit 5,67 Prozent und basiert auf drei Anleihen von Daimler-Chrysler, ThyssenKrupp und Tui. Demgegenüber zeigt sich die zugrundeliegende Daimler-Chrysler-Anleihe als höchst rentierliches der drei genannten Papier mit 4,09 Prozent, läuft aber auch bis März 2011.
Cobold-Anleihen sind sicherlich keine geeigneten Produkte, um darauf seine Altersvorsorge aufzubauen. Aber ein leicht verständliches synthetisches Produkt mit dem Potential, die Entwicklung eines Depots ein wenig zu beleben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.748,76 | −0,08% |
| FAZ-INDEX | 1.506,09 | +0,04% |
| TecDAX | 773,61 | +1,29% |
| MDAX | 10.316,30 | +0,10% |
| SDAX | 4.965,37 | +0,82% |
| REX | 421,06 | −0,60% |
| Eurostoxx 50 | 2.512,92 | −0,05% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,97 | +0,04% |
| Dow Jones | 12.844,70 | −0,26% |
| Nasdaq 100 | 2.530,65 | −0,06% |
| S&P500 | 1.347,05 | +0,20% |
| Nikkei225 | 9.015,59 | +1,10% |
| EUR/USD | 1,3272 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 116,56 $ | +0,47% |
| Gold | 1.724,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 137,71 € | −0,22% |