14.01.2010 · Sowohl Emissionsvolumen als auch Kursentwicklung von Unternehmensanleihen verzeichneten 2009 Rekordwerte. Doch während die Flut neuer Papiere anhalten dürfte, sind die Aussichten für die Kurse eher trübe.
Von Daniel MohrDer Anleihemarkt ist schwungvoll in das neue Jahr gestartet. Wer nach dem Rekordjahr 2009 am Markt für Unternehmensanleihen zunächst eine Beruhigung erwartete, wurde auf dem falschen Fuß erwischt.
Am aufsehenerregendsten sind die beiden Neuemissionen der Autokonzerne BMW und Daimler. BMW hat eine Anleihe mit gut drei Jahren Laufzeit und einem Kupon von 2,875 Prozent im Volumen von einer Milliarde Euro begeben und eine zweite im Umfang von 1,5 Milliarden Euro und sieben Jahren Laufzeit, auf die ein jährlicher Kupon von 3,875 Prozent gezahlt wird. Es war die größte Anleiheemission in Euro eines Unternehmens außerhalb des Bankensektors seit Oktober. Daimler hat zwei Anleihen im Volumen von je einer Milliarde Euro begeben. Eine mit einer Laufzeit von gut drei Jahren und einem Kupon von 3 Prozent und eine mit sieben Jahren Laufzeit und einem Kupon von 4,125 Prozent.
Drastischer Renditeverfall
Hieran wird der rasante Wandel des Marktes für Unternehmensanleihen im vergangenen Jahr deutlich. Denn schon vor gut einem Jahr trat Daimler an die Kapitalmärkte und ersuchte für gut drei Jahre Kapital. Einen Kupon von 9 Prozent musste der Stuttgarter Autohersteller damals noch bieten, um eine Milliarde Euro einwerben zu können. Heute sind es für das gleiche Volumen und die gleiche Laufzeit 6 Prozentpunkte weniger.
Auf der Suche nach rentierlichen Geldanlagen haben sich im Laufe des Jahres 2009 immer mehr Investoren für Unternehmensanleihen entschieden. Der Kurs der vor gut einem Jahr plazierten Daimler-Anleihe stieg deshalb von 100 auf mittlerweile 113 Prozent. Die Anleger erhalten zwar je Anleihe einen jährlichen Kupon von 90 Euro, am Ende der Laufzeit im Januar 2012 erfolgt die Rückzahlung der Papiere aber nur zu 1000 Euro. Die jährliche Rendite ist binnen Jahresfrist von 9 auf nunmehr 2,6 Prozent zusammengeschrumpft.
Risiko wird nicht mehr angemessen vergütet
Die Risikoaufschläge für Anleihen von Schuldnern guter Bonität sind mittlerweile gegenüber den entsprechenden Bundesanleihen auf gut 0,6 Prozentpunkte gefallen und haben damit den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 erreicht. Im Krisenverlauf hatten für die Unternehmensanleihen zwischenzeitlich gut 2 Prozentpunkte mehr gezahlt werden müssen als für die Bundesanleihen.
„Wir gehen davon aus, dass die Rally der Unternehmensanleihen bis spätestens März ausläuft“, sagt Patrick Kohlmann, Anleihe-Analyst der Commerzbank. „Das höhere Ausfallrisiko von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen wird nicht mehr adäquat bezahlt.“ Die Rendite von Unternehmensanleihen von Schuldnern guter Bonität dürfte dieses Jahr äußerst mager ausfallen. „Die Anleger werden dies bald realisieren und sich nach Anlagen mit einem besseren Chance-Risiko-Verhältnis umschauen“, sagt Kohlmann. „Das können zum Beispiel Staatsanleihen sein.“
Weiter hohes Emissionsvolumen
Im Jahr 2009 lieferten Anleihen von Unternehmen guter Bonität eine Rendite von knapp 17 Prozent, die von Schuldnern schlechter Bonität sogar 75 Prozent. Das Volumen von in Euro begebenen Unternehmensanleihen war mit 300 Milliarden Euro weit höher als jemals zuvor. „Sowohl Volumen wie auch Rendite sind 2010 nicht annähernd wiederholbar“, sagt Rolf Schäffer, Anleihe-Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er rechnet wegen eines erwarteten Zinsanstiegs nur mit einer knapp positiven Rendite für Unternehmensanleihen im Jahr 2010.
Gleichwohl erwartet Schäffer 2010 mit einem Emissionsvolumen von 200 Milliarden Euro den zweithöchsten je gemessenen Wert für den noch jungen Markt für Euro-Unternehmensanleihen. „Die Unternehmen senken ihre Bankenabhängigkeit weiter und nutzen das günstige Umfeld am Kapitalmarkt“, sagt Schäffer. Dabei rechnet er aber mit einer weiter zunehmenden Risikoneigung der Anleger. „Viele Versicherer versprechen einen Garantiezins von mehr als 4 Prozent. Um das zu erreichen, müssen sie künftig mehr Risiko bei der Geldanlage eingehen.“
Trend zu Hochzinsanleihen
Bereits im November und Dezember stammte die Hälfte der Anleiheneuemissionen von Schuldnern schlechter Bonität oder sogar ganz ohne Rating. Auch begaben im vergangenen Jahr 54 Unternehmen erstmals überhaupt Anleihen.
Dieser Trend geht bislang weiter: Heidelberg Cement beschaffte sich diese Woche als Unternehmen ohne gutes Rating 1,4 Milliarden Euro über zwei Anleihen. Fresenius Medical Care warb am Mittwoch, ebenfalls ohne zum Bereich der Unternehmen mit guter Bonität (Investment Grade) zu gehören, 250 Millionen Euro. Mindestens denselben Betrag will Solarworld ohne Rating erlösen.
Aber auch andere Bereiche des Anleihemarktes erwiesen sich zu Jahresbeginn als aufnahmefähig. Unter ihrem neuen Namen Deutsche Pfandbriefbank plazierte die Hypo Real Estate ihren ersten Pfandbrief.
Lediglich für die Griechen verlief der Jahresauftakt ernüchternd. Für eine Anleihe mit einem Jahr Laufzeit mussten 2,2 Prozent Rendite geboten werden, um sie unterbringen zu können. Noch im Oktober hatten für vergleichbare Papiere 0,9 Prozent gereicht.