Die Credit Suisse Asset Management (CSAM) erwartet im Markt für Unternehmensanleihen eine Welle von Rückstufungen bei den Bonitäten in Richtung “BBB“. „Die Downgradings werden im Jahr 2001 ihren Höhepunkt erreichen“, erklärt Siegfried Cordes, Leiter Portfoliomanagement Renten der Credit Suisse Asset Management Deutschland.
Während in den USA die intensive Phase der Downgradings bereits weitgehend abgeschlossen sei, stehe sie nach Einschätzung von Cordes in Europa erst noch bevor. Der Anleihen-Experte rechnet damit, dass sich hier bis zu 20 Prozent aller bisher in “A“ gerateten Unternehmensanleihen im Laufe des Jahres 2001 in die “BBB“-Kategorie bewegen werden.
Drei Gründe - zwei Szenarien
Cordes sieht drei Gründe für eine verstärkte Bonitätsprüfung der Unternehmen. Erstens bestehe Unsicherheit darüber, ob Unternehmen in der derzeitigen makroökonomischen Situation ihre Bonität halten könnten. Zweitens setze sich vermehrt der Trend aus den USA durch, die Finanzierung nicht über Banken zu regeln, sondern Fremdkapital über Anleihenemissionen zu beschaffen. Drittens verlagere sich das Gewicht von Staatsanleihen hin zu Unternehmensanleihen.
Um die Auswirkungen zu analysieren, hat die CSAM zwei Szenarien erarbeitet. Im Falle einer moderaten Verschiebung erwartet das Institut, dass im Verlauf des Jahres 2001 die Zahl der in “BBB“ gerateten Emissionen bei europäischen Unternehmensanleihen um über 60 Prozent zunehmen wird.
„Legt man das Szenario einer starken Bonitätsverschiebung zugrunde, bei dem die Bonität der betrachteten Emissionen in die niedriger liegende Gruppe fällt“, so Cordes, „ist sogar mit einem Zuwachs der 'BBB“-Emissionen von gut 100 Prozent zu rechnen.“ Das zweite Szenario hält der Anleihenspezialist dabei für wahrscheinlicher.
Gefürchteter Schneeball-Effekt
Das Problem: Bei einer Herabstufung müssten Fondsmanager Positionen verkaufen, wenn interne Richtlinien keine niedrigere Qualität zulassen würden. „Durch den Zwang zur höheren Anleihenfinanzierung wird darüber hinaus ein Schneeball-Effekt einsetzen“, so Cordes, weil kurzfristige Finanzierungsquellen versiegen.“ Neutralen bis positiven Einfluss habe die Entwicklung dagegen auf weiterhin mit "A" bewertete Anleihen, da deren Angebot geringer werde. Das Credit Suisse Asset Management meide aufgrund der Bonitätsverschiebung Richtung "BBB" vermeintlich attraktiv eingestufte "A"-Titel mit "BBB"-ähnlichen Zinsdifferenzen. Als Beispiel dafür nennt Cordes DaimlerChysler oder die vor kurzem schon herabgestufte British Telecom.
Doppelstrategie aussichtsreich
Für Erfolg versprechend hält der Portfoliomanager eher eine Doppelstrategie, die einerseits europäische Hochzinsanleihen sowie Staatsanleihen europäischer Konvergenzstaaten berücksichtigt. Aufstocken will der CSAM-Mann beispielsweise stabile "A"-Werte aus defensiven Branchen und nennt als Beispiele dafür UniLever und Vodafone. Aufgrund der geringer werdenden Zinsdifferenzen und einer niedrigeren Volatilität als bei Unternehmensanleihen hält Cordes auch den Kauf von Hochzinsanleihen der Euro-Aspiranten Polen, Ungarn und Tschechien für aussichtsreich.