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Unternehmensanleihen Blitz-Anleihe von Daimler-Chrysler fair gepreist

30.08.2006 ·  Mit einer anderthalb Milliarden schweren, im Blitzverfahren angekündigten und plazierten Anleihe überraschte Daimler-Chrysler am Dienstag die Märkte. Ansonsten bietet das Papier nicht Spektakuläres.

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Es gibt Unternehmen, die haben keine Probleme, sich das Geld anderer Menschen zu leihen. Dazu gehört unter anderem Daimler-Chrysler, die am Dienstag vormittag eine neue Anleihe ankündigten. Am selben Nachmittag war die Emission mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro und dreijähriger Restlaufzeit bereits plaziert.

Verzinst wird das mit „BBB+“ bewertete Papier mit 4,125 Prozent und rentiert bei einem Preis von 99,923 Prozent mit 4,15 Prozent 37 Basispunkte über dem als Benchmark geltenden Mid-Swap-Satz.

Keine Angaben zur Verwendung des Emissionserlöses

Wozu Daimler-Chrysler das Geld eigentlich braucht, dazu gab es keine Angaben. Indes hat der Konzern, der in den vergangenen Jahren nicht gerade durch eine stabile Ertragsstärke glänzte, einiges vor bei dem Versuch sich neu aufzustellen.

So will Chrysler Zulieferer künftig verstärkt in die Fahrzeugproduktion einbinden und damit Investitionskosten sparen. Zulieferer sollen demnächst Rohbau, Lackierung und Vormontage übernehmen. Dadurch könnten auf einer Produktionslinie mehrere Fahrzeugtypen gleichzeitig gebaut werden und Chrysler könne sich stärker der Entwicklung neuer Modelle widmen, sagte Chrysler-Chef Tom LaSorda.

Den Anfang soll das Jeep-Werk in Toledo machen. Den Rohbau übernimmt die IWKA-Tochter Kuka, für die Lackierung ist der kanadische Zulieferer Magna Steyr zuständig. Eine Tochter von Hyundai Mobis montiert den Antriebsstrang und liefert die Fahrzeuge an Chrysler. Die Zulieferer übernehmen als Auftragsproduzenten die Kosten für die Investitionsgüter, was beispielsweise bei IWKA im ersten Halbjahr aufgrund der Vorleistungen zu Anlaufverlusten geführt hat.

Große Investitionen in Toledo getätigt

In das Werk in Toledo wurden rund 2,1 Milliarden Dollar investiert, in der Region Toledo über die vergangenen fünf Jahre hinweg insgesamt etwa 3,9 Milliarden Dollar. Wie alle amerikanischen Autobauer will auch Chrysler dem seit Monaten schleppenden Absatz auf die Sprünge helfen. Dabei sollen zahlreiche neue Modelle helfen, für deren Design dann mehr Kapazitäten zur Verfügung stünden. Mit den Investitionen will Chrysler das Werk auch besser auslasten und die Kosten für die kapitalintensive Fahrzeugproduktion drücken. Dazu gehört auch, daß die Hersteller von Maschinen und Produktionsanlagen diese selbst betreiben.

Hohe Lagerbestände und die anhaltende Rabattschlacht werden Chrysler im dritten Quartal erstmals seit Jahren wieder einen Verlust bescheren, der sich bis auf eine halbe Milliarde Euro summieren könnte.

Bei der nach harter einjähriger Sanierung wieder erstarkten Konzernschwester Mercedes wird das neue Produktionskonzept zunächst nur mit Interesse beobachtet. „Wir haben keine konkreten Pläne für die Auslagerung von ganzen Werksteilen an Zulieferer“, machte ein Mercedes-Sprecher deutlich. Die technischen Anforderungen an die Fahrzeuge der eigenen Marke seien höher als bei den Jeep-Modellen.

Expansionspläne in Asien

Auch in Asien hat Daimler-Chrysler Expansionspläne. So will man stärker im indischen Lkw-Geschäft mitmischen. Dazu soll die Kooperation mit den lokalen Partnern Tata und Eicher verstärkt werden. Derzeit führe man Gespräche mit beiden Firmen, um die bestehende Kapitalverflechtung und die Zusammenarbeit auszuweiten, sagte Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler der „Automobilwoche“. „Auch wenn es sich dabei nicht um Hightech-Produkte handelt, sehen wir hier schöne Absatzpotentiale“.

An dem Fahrzeugbauer Tata ist Daimler-Chrysler direkt mit 6,8 Prozent, an Eicher Motors indirekt über die japanische Tochter Fuso mit 3,6 Prozent beteiligt. Zudem führt der Konzern Gespräche mit dem indischen Fahrzeughersteller Sutlej Motors über eine Kooperation im Bus-Geschäft. Möglicherweise will sich Daimler-Chrysler in Indien massiv einkaufen.

Auch in China verhandelt der Konzern bereits seit längerem mit Beiqi Foton über eine Gemeinschaftsproduktion von Nutzfahrzeugen. Die Regierung in Peking hatte die Zahl der Gemeinschaftsunternehmen für ausländische Firmen auf zwei begrenzt. Daher versucht der auch im chinesischen Pkw-Markt aktive Konzern, sein Omnibus-Gemeinschaftsunternehmen Yashing Benz zu integrieren.

Diesel-Offensive in Japan

Der Verkauf von Lkws und Bussen in aufstrebenden Märkten wie China oder Indien könnte den Abschwung etwas abfedern, den die Nutzfahrzeughersteller nach einem jahrelangen Boom im kommenden Jahr erwarten.

Und auf Japan weitet Daimler-Chrysler seine globalen Diesel-Offensive aus. Mit einer neuen Mercedes E-Klasse, erstmals seit Jahren auch als Diesel-Variante in Japan erhältlich, will man dem dort noch verbreiteten Vorurteil begegnen, Diesel seien langsam, laut und rußig. In Branchenkreisen wird darüber spekuliert, daß auch andere Hersteller folgen werden. So rechnen manche damit, daß auch Japans führende Konzerne wie Toyota und Honda mit Blick auf die bis spätestens 2010 erwarteten neuen Emissionsvorschriften auf eigene Diesel hinarbeiten.

Anleihe fair gepreist

Für die HSH Nordbank liegt die neue Anleihe auf fairem Niveau zu den bereits ausstehenden Papieren (siehe Infografik) und so empfiehlt sie, den Wert so wie andere Papier des Konzerns zu behandeln, für die das Institut eine Halteempfehlung abgegeben hat.

Das erscheint durchaus eine vernünftige Empfehlung. Denn für das zukünftige Rating sind weniger die Auslandsinvestitionen als vor allem die Ertragsstärke von Mercedes entscheidend, zumal am amerikanischen Markt für Chrysler genauso wenig Wunder zu erwarten sind wie für die Nutzfahrzeugsparte angesichts eines bevorstehenden zyklischen Abschwungs.

Auch im Vergleich zu vom Rating und der Laufzeit her ähnlichen Industrie-Anleihen erscheint die Anleihe angemessen gepreist (siehe Infografik). Und möglicherweise sind auch die schlimmsten Zeiten für diese Anleihen vorbei. Die bis Januar 2010 laufende Anleihe der schwedischen Volvo konnte sich in den vergangenen Wochen jedenfalls leicht erholen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho mit Material von Bloomberg
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