24.01.2007 · „Ramschpapiere“, also riskante Unternehmensanleihen, bieten nur noch geringe Risikopuffer. „Viele Hochzinsanleihen halten wir für zu teuer“, sagt deshalb Monica Fernandez von der DZ-Bank. Außerdem werden mehr Zahlungsausfälle erwartet.
Riskante Unternehmensanleihen waren im vergangenen Jahr eine Ausnahme auf den ansonsten enttäuschenden Zinsmärkten. Nur wer sich auf Schuldner mit zweifelhaftem Ruf einließ, konnte nennenswerte Erträge einstreichen. Doch inzwischen sind die Preise so weit gestiegen, dass Anleihen von Emittenten mit geringer Bonität bei manchen Banken als überteuert gelten.
Als riskant gelten Unternehmensanleihen, die von Ratingagenturen mit den Noten BB+/Ba1 oder schlechter bewertet werden. Auf dem Euro-Anleihemarkt versprachen solche Titel vor einem Jahr noch Zusatzrenditen von durchschnittlich rund drei Prozentpunkten im Vergleich zu soliden Unternehmensanleihen. Inzwischen hat sich der jährliche Renditevorteil halbiert. Das ist wegen der Kursgewinne gut für Anleger, die schon investiert haben, und hat auch spezialisierten Investmentfonds eine gute Wertentwicklung beschert. Die rund 50 vornehmlich im Euro-Raum investierenden Hochzins-Fonds warfen nach Daten von Feri-Research zwischen 4 und 10 Prozent Ertrag ab. Spitzenreiter ist der Aberdeen Global European High Yield Fund A. Erträge von rund 9 Prozent schafften Produkte von Allianz-Dit, WestLB, UBS, Nordea und Threadneedle.
„Viele Hochzinsanleihen zu teuer“
Die Folge der guten Wertentwicklung ist, dass die riskanten Unternehmensanleihen nur noch geringe Risikopuffer bieten. Die durchschnittlichen Renditeaufschläge gegenüber Bundesanleihen liegen nahe dem Rekordtief. „Viele Hochzinsanleihen halten wir für zu teuer“, sagt Monica Fernandez, Analystin der DZ-Bank. Unterstützung erhalte der Markt noch von der Nachfrage nach strukturierten Produkten. Das sind Wertpapiere, über die institutionelle Investoren zum Teil kreditfinanziert in Unternehmensanleihen investieren können.
Sollte am Horizont eine deutliche Eintrübung zu erkennen sein - zum Beispiel bei Anzeichen für ansteigende Ausfallraten, nachlassende Unternehmensgewinne oder Übernahmen -, könnten die Risikoprämien schnell in die Höhe gehen, warnt Fernandez. Risikobewussten Anlegern rate die DZ-Bank daher von Anleihen mit geringer Bonität ab. Wenn Anleger Unternehmensanleihen kaufen wollten, dann sei die bessere Qualität mit Bonitätsnoten von „A“ zu empfehlen. Zur Vorsicht mahnt auch die Bank of America, die das zuvor optimistische Anlageurteil für europäische Unternehmensanleihen gesenkt hat. Die Landesbank Baden-Württemberg bewertet Hochzinsanleihen „neutral“. Noch könne man den Renditevorteil einstreichen, sagt Markus Beck, Analyst der LBBW. Nun könnten aber wegen der niedrigen Renditeaufschläge schon kleinere Ereignisse große Kursbewegungen auslösen.
Risikoprämie hat ihren Grund
Für Privatanleger seien die Risikoanleihen deshalb nur geeignet, wenn sie gute Nerven hätten und rasch reagieren könnten. Die im vergangenen Jahr erfreuliche Kursentwicklung resultiere zu einem guten Teil aus der hohen Liquidität der Investoren. Viele Anleger seien größere Risiken eingegangen. Begünstigt wurde diese Risikofreude durch die geringe Zahl von Unternehmenspleiten. Nach Daten der Ratingagentur Standard & Poor's betrug die Ausfallrate auf dem amerikanischen Hochzinsmarkt in den vergangenen zwölf Monaten rund 1,2 Prozent. Im vergangenen Jahr konnten 29 Unternehmen nicht mehr ihre Schulden bedienen. Betroffen waren Anleihen im Wert von 7 Milliarden Dollar. Für in Euro denominierte Unternehmensanleihen war die Ausfallrate nach Daten von Fitch mit 0,6 Prozent noch geringer.
Die Ausfallraten werden wohl nicht mehr lange so gering bleiben. Zumindest rechnet S&P in Amerika mit einem Anstieg auf mehr als 3 Prozent. Das wieder steigende Risiko hat der Anleihemarkt nach Einschätzung von Analysten noch nicht nachvollzogen. Dabei ist die Gefahr eines Zahlungsausfalls gerade bei Hochzinsanleihen das wesentliche Risiko. Ein Beispiel: Die 2012 fällige Anleihe des Reisekonzerns TUI verspricht derzeit eine Rendite von knapp 6 Prozent. Das sind etwa 2 Prozentpunkte mehr, als von einer fünfjährigen Bundesanleihe zu erwarten ist.
Diese Risikoprämie hat ihren Grund. S&P bewertet TUI mit BB und Moody's mit Ba3. Schuldner dieser Qualität machen den Anlegern häufig Sorgen. Nach Daten von S&P aus den vergangenen drei Jahrzehnten betrug die Wahrscheinlichkeit, dass ein BB-Schuldner innerhalb von einem Jahr zahlungsunfähig wurde, durchschnittlich 1,1 Prozent. Das scheint angesichts der Risikoprämie von 2 Prozent erträglich. Für einen Zeitraum von fünf Jahren steigt die durchschnittliche Ausfallwahrscheinlichkeit eines BB-Schuldners aber auf gut 10 Prozent und bei einem Zeitraum von zehn Jahren auf 18 Prozent.