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Unternehmensanleihen Autozulieferer von Insolvenzen gezeichnet

 ·  Mit dem Insolvenzantrag der amerikanischen Dura Automotive ist der Zahlungsausfall bei dessen Euro-Anleihen wohl perfekt. Und wieder trifft es einen Automobilzulieferer. Im allgemeinen empfehlen sich Anleihen aus der Branche eher nicht.

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Die Automobilindustrie ist im Umbruch. Viele Autohersteller stehen unter Druck, seien es nun GM oder Ford, Peugeot oder VW oder auch Hyundai. Deren Sanierungsbemühungen gehen naturgemäß auch zulasten vieler Zulieferer, die zuweilen an den Rand der Existenzfähigkeit geraten - und darüber hinaus.

Das neuste Opfer ist der amerikanische Autozulieferer Dura Automotive Systems, der am Montag Insolvenz beantragen mußte. Nachdem Dura in der ersten Jahreshälfte einen Verlust von 138,8 Millionen Dollar einfuhr, konnte das Unternehmen bereits am 16. Oktober eine fällige Zinszahlung nicht leisten.

Dura in Insolvenz

Das Unternehmen führt in seinem Insolvenzantrag Verbindlichkeiten in Höhe von 1,73 Milliarden Dollar und Aktiva in Höhe von 1,99 Milliarden Dollar auf. Von der Insolvenz sind die Dura- Sparten in den Vereinigten Staaten und Kanada betroffen. Dura ist bereits der fünfte Autozulieferer, der seit Februar 2005 Gläubigerschutz nach dem amerikanischen Insolvenzrecht beantragt hat, der bekannteste davon Delphi, eine ehemalige Sparte von General Motors.

Der Kurs der 2012 fälligen Dollar-Anleihe mit einem Kupon von 8,625 Prozent fiel am Montag um 3,5 Prozentpunkte auf 29,5 Prozent, die Rendite kletterte auf 43,6 Prozent. Die mit dem Rating „C“ versehene Euro-Anleihe der Tochter Dura Operating Corporation reagierte sogar mit leichten Kursgewinnen - indes legte sie lediglich auf 4,02 Prozent zu und rentiert somit aktuell bei 156 Prozent.

Dura leidet unter den Produktionseinschnitten der amerikanischen Autoriesen GM und Ford. Die Aufträge von Ford, GM und Daimler-Chrysler trugen im vergangenen Jahr 54 Prozent zum Umsatz bei. Dura wurde 1990 gegründet und stellte zunächst hauptsächlich Handbremsen her. Später dehnte das Unternehmen die Produktpalette auf Pedale, Türen, Fenster, Sitzkomponenten und Lenkungsteile aus. Von 1994 bis 2003 übernahm Dura insgesamt 19 Unternehmen und Unternehmenssparten. Dadurch stieg der Umsatz auf das Zehnfache, doch auch die Schulden wuchsen.

Zwischen steigenden Preisen und sinkender Nachfrage

Anfang 2005 begann sich die finanzielle Lage des Unternehmens zu verschlechtern, nachdem Ford und GM ihre Aufträge verringerten. Auch die steigenden Preise für Rohmaterialien belasteten die Rentabilität. Ende Juli vermeldete das Unternehmen überraschend einen Verlust von 131,1 Millionen Dollar für das zweite Quartal, nach einem Gewinn von 2,96 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Um den Hersteller wieder in die Gewinnzone zu bringen, will Vorstandschef Larry Denton zehn Werke schließen und 2.000 Arbeitsplätze in Länder mit niedrigeren Lohnkosten verlagern. Ab 2008 soll die Hälfte des Umsatzes an Billig-Standorten erwirtschaftet werden, der Vorsteuergewinn soll währenddessen um 50 Prozent steigen.

Ähnliches könnte in wenigen Wochen in Deutschland drohen. Die Anleihe des schwäbischen Spiegel-Herstellers Schefenacker rentiert aktuell bei 40,58 Prozent und droht weiter abzustürzen.

Schicksalstage für Schefenacker

Täglich, beinahe stündlich, muß man damit rechnen, daß Insolvenzantrag für Schefenacker gestellt wird, denn der Familienkonzern droht unter seiner Schuldenlast zu ersticken. „Schefenacker ist ziemlich spannend finanziert“, formuliert ein Berater des Unternehmens zynisch. „Da steht es jeden Tag Spitz auf Knopf.“ Zum 30. Juni summierten sich die Schulden auf knapp 429 Millionen Euro, was bedeutet, daß Schefenacker jährlich allein für den Schuldendienst mindestens 40 Millionen Euro ausgeben muß.

Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) erreichte im vergangenen Jahr gerade noch 55 Millionen Euro, im zweiten Quartal ging der Wert sogar auf sechs Millionen Euro zurück. Schefenacker steht aber gegenüber seinen Gläubigern in der Pflicht. Werden die vereinbarten Ertragsziele nicht erreicht („covenant breach“), können sie sofort ihre Darlehen fällig stellen. Dann wäre Schefenacker zahlungsunfähig.

Der 9. November, an dem die nächsten Quartalszahlen vorgelegt werden sollen, ist für Schefenacker damit ein Schicksalstag. Es gilt als geheime Verschlußsache, welche Ziele Schefenacker mit den Gläubigern im einzelnen verhandelt hat. Doch schon jetzt ist klar, daß die Ziele im dritten Quartal wahrscheinlich verfehlt wurden, weil es für den Spiegelhersteller wieder einmal kein gutes Quartal war.

Der Preisdruck vor allem jener Autohersteller, die selbst in der Klemme stecken, sei noch einmal gestiegen, heißt es. Zugleich sei die Produktion teurer geworden: Der Preis für Polypropylen sei im Gefolge des Ölpreises gestiegen, für Alu und Zink fehlte noch dazu das notwendige Preishedging, wird kolportiert.

Kein Interesse an Insolvenz

Und dann machte das Unternehmen auch noch in seinem kleineren und weniger starken Geschäftsbereich - bei den Rückleuchten - massive Fehler. Vor allem bei der Verlagerung der Produktion vom schwäbischen Geislingen nach Slowenien, die eigentlich zu massiven Einsparungen führen sollte. Der Boden der neuen Fabrikhalle soll nicht belastbar genug sein, und für manche Maschine soll das Fabriktor schlicht zu klein gewesen sein, ist zu hören. Halbfertige Rückleuchten mußten fortan durch halb Europa geschippert werden, was der Rendite zwangsläufig nicht zuträglich ist.

Solche Managementfehler dürfte es vielfach gegeben haben in den letzten Jahren. Sie könnten von einem Weltmarktführer wohl auch weggesteckt werden, wenn er denn solide finanziert wäre. Doch die Übernahme des britischen Konkurrenten Britax im Jahr 2000 hat das Unternehmen seinerzeit überlastet. Heute sitzen 97 Prozent der Passivseite in London, so ein Sprecher des Unternehmens.

Hoffnung macht die starke Marktstellung von Schefenacker. Das Unternehmen produziert weltweit jeden dritten Spiegel. Massive Produktionsausfälle durch Insolvenz kann niemand wollen. Mit den Gläubigern wird nun über den Tausch von Forderungen in Eigenkapital verhandelt.

Italiener verkaufen Tafelsiber

Nicht sehr positiv ist auch die Lage bei Pirelli. Die Verbindlichkeiten werden bis zum Jahresende auf rund zwei Milliarden von 1,57 Milliarden Euro zur Mitte des Jahres steigen. Indes hielt der Schreck darüber Anfang des Monats nur kurz an, der Kurs der 2008 fälligen Anleihe erholte sich rasch wieder.

Immerhin beträgt das Ebitda rund 700 Millionen Euro, und das Unternehmen ist eigentlich viel eher ein Mischkonzern als ein reiner Autozulieferer. Für Beruhigung sorgte wohl auch die Ankündigung, daß ein Verkauf der Beteiligung an Italiens viertgrößter Bank Capitalia 400 Millionen Dollar einbringen werde. Unternehmenschef Marco Tronchetti Provera machte damit seine Ankündigung wahr, durch Beteiligungsverkäufe Schulden abzubauen. Das ist angesichts eines Gewinneinbruchs von 15 Prozent im ersten Halbjahr wohl auch keine schlechte Entscheidung.

Die Hoffnung auf den Verkauf von Vermögenswerten stabilisierte wohl auch die Anleihe der italienischen Teksid Aluminium, die Aluminiumgußstücke herstellt. Das Unternehmen hatte im ersten Halbjahr einen operativen Gewinneinbruch von 83 Prozent auf 9,1 Millionen Euro und eine Vervierfachung des Nettoverlustes verzeichnet.

Anfang Oktober gab Teksid bekannt, man prüfe den Verkauf von Vermögenswerten und befinde sich in Verhandlungen. Allerdings sei weder sicher, daß man verkaufen könne, noch zu welchen Konditionen.

Zu viel und zu wenig Risiko

Insgesamt laden die Anleihen der Autozulieferer derzeit wenig zum Kaufen ein. Während etwa Michelin, Continental und Valeo unter dem Druck der negativen Stimmung stehen, unter der die Kurse von Investment-Grade-Bonds derzeit leiden, und auch die Bosch-Anleihe zuletzt schwächelte, sind viele der Junkbond-Emittenten massiv angeschlagen.

Zwar reizt die Dura-Anleihe bei einem Kurs von vier Prozent fast schon zum Einstieg, indes ist dies ein reiner Zock. Groß sind die Gefahren bei Schefenacker, und auch bei Teksid ist längst nicht ausgemacht, daß sich das Unternehmen aus dem Sumpf ziehen kann.

Unter „Kaufen-und-Halten“-Aspekten empfiehlt sich am ehesten die Anleihe des amerikanischen Zulieferers Lear. Nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr heftige Sonderbelastungen zwecks Restrukturierung hinnahm, scheint es nunmehr wieder aufwärts zu gehen.

Indes lag der Verlust im dritten Quartal zwar um 90 Prozent unter dem des Vorjahresquartals, aber deutlich über den Analystenprognosen. Zudem senkte das Unternehmen die Ergebnisprognose für das Kerngeschäft. Trotz eines Ratings von nunmehr wieder „B“ ist Lear auch noch nicht aus dem Schneider.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho mit Material von Susanne Preuß
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