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Unternehmensanleihen Autozulieferer bieten hohe Renditen nicht ohne Grund

27.03.2006 ·  10, 20 Prozent, 40 Prozent Rendite? Mit den Anleihen von Autozulieferern kein Problem - zumindest theoretisch, wenn der Emittent am Ende auch zahlen kann.

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Rendite ist etwas Wunderbares, wenn man sie einstreichen kann. Allerdings muß man dafür ja auch einiges tun. Geht es um Anleihen, bedeutet das hohe Risiken in Kauf zu nehmen.

Im Laufzeitenbereich bis zu zehn Jahren steht ein einst renommierter Name für den absoluten Renditeknüller. Allerdings sagt der Name allein schon, warum die Rendite mit aktuell 58,28 Prozent so hoch. Hinter dem Emittenten Sairgroup Finance verbirgt sich niemand anders als die insolvente Swissair.

Der 40-Prozent-Knüller

Wer sich unter hochrentierlichen Anleihen umtut, dem fällt eine Branche besonders auf. Zahlreiche Automobilzulieferer haben Papiere auf dem Markt, die zumindest auf den ersten Blick verlockend aussehen.

Mit einer Rendite von sage und schreibe 43,4 Prozent verführt die bis Mai 2009 laufende Anleihe der Dura Operating Corporation (Isin: XS0101338829) dazu, den ein oder anderen Euro zu riskieren. Die Dura Operating Corporation ist eine Tochter der Dura Automotive Systems, die Kontrollsysteme aller Art (z.B. Bremssysteme, Gangschaltungen), Scharniere und Befestigungssysteme produziert.

Allerdings eher mit beschränktem Erfolg. Seit mindestens 2001 stagnieren die Umsätze bei rund 2,4 Milliarden Dollar. Das vergangene Jahr war operativ das ertragsschwächste der vergangenen fünf Geschäftsjahre. Der Betriebsgewinn sank um 15 Prozent auf 90 Millionen Dollar, der Reingewinn auf 1,8 Millionen.

Dura leidet nach eigenen Angaben unter den fortwährenden Marktanteilsverlusten von GM und Ford, der Verlagerung der Nachfrage in den Vereinigten Staaten weg von den SUVs, hohen Rohstoffpreisen und Preisdruck von seiten der Hersteller.

Italienische Finanzjongleure

Kurzum steckt das Unternehmen bis zum Hals in der Krise der amerikanischen Automobilindustrie. Man verfolgt ein Restrukturierungsprogramm, dennoch zeigt die Bilanz des vergangenen Jahres heftige Schleifspuren. Die liquiden Mittel sanken um 47 Prozent auf 100 Millionen Dollar, während die Bilanzen alleine Anleiheschulden von über 900 Millionen Dollar ausweisen. Was Wunder also, wenn die Rating-Agenturen den Bonds die Schlechtestnoten „Caa3“ und „CCC“ verliehen haben.

Aber die Ansichten der beiden großen Agenturen gehen bisweilen leicht auseinander. Denn während S&P die Anleihe der Teksid Aluminium mit „CCC-“ ganz nach unten setzt, ist Moody's mit „Caa1“ zwei Stufen optimistischer.

Die bis Juli 2001 laufende Anleihe des italienischen Unternehmens (Isin: XS0172166869), das unter anderem Zylinderblöcke, -köpfe und Ölwannen produziert, rentiert mit 20,2 Prozent. Auch Teksid befindet sich mitten im Umstrukturierungsprozeß und hat erst vor wenigen Tagen eine Umschuldungspaket angekündigt. Die Probleme resultieren nicht zuletzt aus der Zugehörigkeit zum Fiat-Imperium.

„Nur Weicheier und Memmen“

Bei liquiden Mitteln von rund 65 Millionen Euro und einem Neun-Monats-Umsatz von 693 Millionen Euro kann das Unternehmen mit 336 Millionen Euro langfristiger Schulden nicht unbedingt als solide finanziert gelten. Derzeit schreibt man obendrein Verluste.

Indes sind diese Risiken offenbar nichts, was hartgesottene Investoren schreckt. „Nur Weicheier und Memmen noch in dem Bond, kann das Gejammere ja nicht mehr fassen. Ich bleibe drinnen!“, beklagt sich ein Nutzer in einem Internet-Forum in der Diskussion um Dura.

Auch deutsche Autozulieferer bieten Hochrentierliches, allen voran, die Schefenacker AG, die sich der etwas zweifelhaften Ehre eines Ratings von „Caa1“ bzw „CCC“ erfreut. Mit 11,6 Prozent rentiert das 2014 fällige Papier, das an der Stuttgarter Börse am Montag mit einem Plus von 0,9 Prozent zu den Kursgewinnern gehört.

Schefenacker produziert Rückspiegel, Rück- und Innenbeleuchtung und Beschallungssysteme. In den Jahren 2002 und 2003 war das Unternehmen in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, woraus auch die Anleiheemission resultierte. Im Mai 2005 waren dann weitere Maßnahmen zur Refinanzierung notwendig.

Achten aufs Kleingedruckte

In den ersten neuen Monaten des vergangenen Jahres sanken die Umsätze um 2,6 Prozent auf 695,8 Millionen Euro und die Bruttomarge von 14,1 auf 13,7 Prozent. Der Verlust aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit sank indes etwas aufgrund geringerer Abschreibungen. Indes stiegen die Zinszahlungen und Verbindlichkeiten von 590,7 Millionen Euro stehen Vermögenswerte gegenüber, die zu einem Gutteil aus aktiviertem Goodwill bestehen.

Besser ist es da um die Bocholter Flender Holding, die Antriebskomponenten herstellt und damit auch die Automobilindustrie beliefert. Das Unternehmen hat zwar kein Rating, dennoch rentieren die mit elf Prozent verzinsten und bis 2010 laufenden Bonds nur bei 6,305 Prozent. Die Anleihe darf als sicher gelten, da Flender derzeit von Siemens übernommen wird. Doch stagniert derzeit der Kurs - was wiederum seinen Grund hat. 35 Prozent des Anleihevolumens sind zum 1. August zum Kurs von 111 Prozent kündbar. beim aktuellen Kurs von 118 Prozent ein durchaus nicht zu unterschätzendes Risiko. Manchmal steht das Wichtige eben doch im Kleingedruckten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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