22.12.2008 · Unternehmensanleihen der Autobauer werfen aktuell außergewöhnliche Renditen ab. So bringt ein langlaufendes Papiere von General Motors 68 Prozent . Doch die hohen Renditen sind letztlich nur ein Spiegelbild der enormen Risiken.
Unternehmensanleihen werfen im Vergleich mit erstklassigen Staatsanleihen im Schnitt eine so hohe Rendite ab wie noch nie. Noch einmal deutlich mehr bringen die Zinspapiere der Autobauer. In Europa kommt etwa die bis zum 15. November 2011 laufende Anleihe von Fiat (Isin: XS0253995368) auf eine Rendite von fast 18 Prozent. Bei diesem Spreadniveau veranschlagt der Markt die Ausfallwahrscheinlichkeit für Fiat innerhalb der nächsten fünf Jahre auf etwa 60 Prozent.
Den absoluten Vogel schießen aber die von amerikanischen Autoherstellern emittierten Titel ab. So beläuft sich die Rendite der bis zum 15. Juli 2033 laufenden Anleihe von General Motors (Isin: US370442BT17) sogar auf sage und schreibe gut 68 Prozent.
Das klingt natürlich auf den ersten Blick äußerst verlockend. Doch geschenkt bekommen die Anleger diese hohen Renditen nicht. Vielmehr sind mit einem Engagement enorm hohe Risiken verbunden. Der Autosektor geht bekanntlich am Stock und viele Unternehmen kämpfen um ihre Existenz. Regelmäßige Zinszahlungen und eine vollständige Tilgung am Laufzeitende sind deshalb nicht garantiert. Das gilt speziell für General Motors angesichts eines Schuldenbergs von 45 Milliarden Dollar.
Autobranche liegt auf der Intensivstation
Der nach einem langen Tauziehen letztlich doch noch verabschiedete Überbrückungskredit in Höhe von 17,4 Milliarden Dollar verschafft den amerikanischen Produzenten zwar kurzfristig etwas Luft zum Atmen. Von einer langfristigen Rettung kann deswegen aber noch lange nicht die Rede sein.
Die Dramatik der aktuellen Situation kommt auch darin zum Ausdruck, dass der japanische Autokonzern Toyota in dem im März zu Ende gehenden Geschäftsjahr erstmals in seiner Geschichte vermutlich rote Zahlen schreiben wird. Doch damit nicht genug: Die Konzernführung spricht gleichzeitig von einer Notsituation ohne Beispiel. Wenn aber der Primus Toyota mit solchen Problemen konfrontiert ist, wie schlimm muss es dann erst um schwächere Anbieter wie den amerikanischen Konkurrenten bestellt sein.
Wie Ernst es um die Branche bestellt ist, zeigt auch eine jüngst von Sergio Marchionne abgegebene Einschätzung. Der Fiat-Chef geht davon aus, dass weltweit nur sechs Automobilkonzerne die gegenwärtige Wirtschaftskrise überleben werden. Letztlich dürften demnach ein Massenhersteller in Amerika, jeweils einer in Japan und in China, ein Hersteller in Deutschland und ein französisch-japanischer und ein möglicher europäischer Konzern übrig bleiben.
Nur für Anleger mit einem entsprechenden Risikoprofil
Aussagen wie diese machen deutlich, dass Auto-Anleihen alles andere als ein Ruhekissen sind. Wer trotzdem unbedingt in dem Sektor investieren will, der sollte sich eher auf ausgewählte japanische oder europäische Emittenten konzentrieren. Zu den solideren Werten zählen unter anderem Daimler und BMW. Allerdings fallen hier auch die Renditen deutlich dürftiger aus. So bringt die bis 17. Juni 2010 laufende Daimler-Anleihe (Isin: DE000A0T4Y07) derzeit 5,37 Prozent und die bis zum 19. September 2013 laufende BMW-Anleihe (Isin: XS0400017199) 6,49 Prozent. Weil aber auch diese Unternehmen unter der Absatzflaute leiden, muss jeder Investor für sich selbst entscheiden, ob damit die Risiken wirklich ausreichend bezahlt sind.
Bei der WGZ Bank wird das am Markt mittlerweile eingepreiste Szenario als deutlich zu negativ bewertet. Chancenorientierte Investoren sollten daher bei ausgewählten Emittenten zugreifen, lautet deshalb die Empfehlung. Gleichzeitig wird aber auch darauf hingewiesen, dass der Branche 2009 ein weiteres schweres Jahr mit weiter rückläufigen Absatzzahlen und sich verschlechternden Finanzergebnissen bevorsteht. Ratingverschlechterungen könnten vor diesem Hintergrund nicht ausgeschlossen werden. Vermutlich liegt deshalb die Erste Bank mit ihrer Einschätzung richtig, wonach ein pauschales Anlageurteil speziell für die Anleihen amerikanischer Anbieter derzeit nicht abgegeben werden kann. Vielmehr hängt letztlich viel vom individuelle Risikoprofil des jeweiligen Anlegers ab.