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Unternehmensanleihen Auch bei FRE-Anleihen droht der Totalverlust

02.11.2006 ·  Mit notleidenden Immobilien und dem Maklergeschäft in Dubai sowie der Beteiligung an einer Verpackungsfirma versprach die First Real Estate Geld zu verdienen. Inzwischen fürchten die Anleiheinhaber um das Ihrige.

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Die erste Hälfte des Jahrzehnts war nach den schlechten Erfahrungen vieler unerfahrener Anleger mit abstürzenden Aktien ein Paradies für privat plazierte Inhaber-Schuldverschreibungen. Anlegerschützer und auch FAZ.NET warnten immer wieder vor den nur vermeintlich sicheren Papieren.

Spätestens seit der Insolvenz der DM Beteiligungen und der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West ist die Relevanz der Befürchtungen evident geworden (Risiken von Direkt-Emissionen werden selten angemessen vergütet). Und diese Unternehmen sind offenbar kein Einzelfall.

Sanierungsfall Eco-Pack

Sorgen müssen sich offenbar auch diejenigen Anleger machen, die in Inhaber-Schuldverschriebungen der Düsseldorfer „First Real Estate Grundbesitz GmbH“ (FRE) investiert haben. Schon im August teilte das Deutsche Institut für Anlegerschutz mit, daß fällige Inhaberschuldverschreibungen nicht zurückgezahlt worden seien. Am 1. August fällige Zinszahlungen auf die Schuldverschreibungen seien ebenfalls nicht geleistet worden.

Ende September bat das Unternehmen dann ihre Anleger um Zahlungsaufschub für die Ende September fälligen Inhaberschuldverschreibungen und schlug vor, nur die Hälfte der fälligen Beträge zurückzuzahlen und die andere Hälfte hoch zu verzinsen.

Nach eigenen Angaben befindet sich die First Real Estate auf Grund anfallender Sanierungskosten für die Firma Eco-Pack GmbH, an der die First Real Estate beteiligt ist, in einem Liquiditätsengpaß. „Völlig überraschend“, so zitiert die Stiftung Warentest die FRE-Geschäftsführerin Cmok, hätten Kunden der Eco-Pack Ende August fällige Zahlungen verweigert. Daher benötige man drei Millionen Euro für die Sanierung der Eco-Pack, ansonsten drohten Verluste in Höhe von 7,5 Millionen Euro.

„Verdacht des Schneeballsystems“

Die FRE hat sich an der Eco-Pack als Stille Gesellschafterin beteiligt und im Rahmen eines Factoringvertrages die Vorfinanzierung der Forderungen übernommen. Die Eco-Pack sollte mit dem Geld ihren Geschäftsbetrieb finanzieren. Eine Klärung der Schwierigkeiten, so die Stiftung weiter, sei nach FRE-Darstellung am „unverständlichen Verhalten“ der Eco-Pack-Geschäftsführung gescheitert.

Nun wolle man durch gerichtliche Zwangsmaßnahmen die Übernahme der Geschäftsführung sowie die Durchsetzung eines Sanierungsplanes erzwingen. Die Rechtsanwälte Resch bezeichnen dies als „äußerst merkwürdig“, habe man doch als Stiller Gesellschafter grundsätzlich keinerlei Rechte an der Geschäftsführung, weil das das Prinzip sei.

Für die Rechtsanwälte Fröhling, Albers & Partner drängt sich „wieder einmal der Verdacht des Schneeballsystems auf“. Betroffen sollen etwa 8.000 Anleger sein, die etwa 60 Millionen Euro gezeichnet hätten. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt wegen Betrugsverdachts und prüfen noch, ob sie auch Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung einleiten.

Wenig Hoffnung für die Gläubiger

Vor dem Geschäft mit der Eco-Pack hatten die Rechtsanwälte Mertens schon im Juli gewarnt. Das Unternehmen produziere mit dem Geld der Anleger Verpackungen und
verkaufe diese an Kunden, die nicht zahlen. Die Verluste würden dann über die FRE auf die Anleger überwälzt.

Mittlerweile sind auch andere Verfahren anhängig. So erreichte die Kanzlei CLLB Rechtsanwälte aus München für einen Kläger aufgrund der verloren gegangenen Vertrauensgrundlage ein Urteil, nachdem die FRE dem Kläger seine Einlage vorzeitig ausbezahlen muß.

Das Urteil ist indes nicht rechtskräftig und ob es je praktische Relevanz bekommen wird, ist fraglich. Im Falle DM Beteiligungen beträgt die Insolvenzmasse nach jüngsten Meldungen 2,4 Millionen Euro, das Volumen ausstehender Schuldverschreibungen wurde auf rund 97 Millionen Euro beziffert. Bei der Leipzig-West wurde die Insolvenzmasse auf 48 Millionen Euro, die Verbindlichkeiten auf 311 Millionen beziffert.

Nicht viel besser könnte es bei der FRE aussehen. Nachdem die Investition in die Eco-Pack zumindest ein Fehlschlag war, ist offen, was an Substanz vorhanden ist, zumal für die First Real Estate Geschäftsberichte nicht verfügbar sind. Sollten sich die strafrechtlichen Vorwürfe bestätigen, ist nicht davon auszugehen, daß für die Gläubiger viel zu holen ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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