http://www.faz.net/-gv6-nzr6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 03.05.2007, 12:14 Uhr

Unternehmensanleihen Anleiheninhaber von Schefenacker erhalten bessere Konditionen

Mit Erleichterung reagierte das Management des angeschlagenen Autozulieferers Schefenacker auf die Einigung mit den Anleihegläubigern. Diese erhalten jetzt deutlich mehr - doch lohnen wird sich das Investment möglicherweise trotzdem nie.

© FAZ.NET

Wie der Kampf von David gegen Goliath ausgegangen ist, ist bekannt. Weniger berücksichtigt wird in der Geschichte, dass Goliath seinerzeit vor allem seiner Überheblichkeit zum Opfer fiel. Da aber indes jeder noch als schlechtes Beispiel dienen kann, haben sich viele Goliaths der Welt dies eine Lehre sein lassen und hüten sich bisweilen, es zum Steinewerfen kommen zu lassen.

So auch im Fall der Sanierung des angeschlagenen Autospiegelherstellers Schefenacker, der aufgrund einer hohen Schuldenlast und des harten Preisdrucks im Autozuliefergeschäft im vergangenen Jahr bei der Bedienung seiner Schulden in Verzug geraten war.

Mehr zum Thema

Knappe Mehrheit für Konzept

Ursprünglich sollten sich die Gläubiger der mit 9,5 Prozent verzinsten Anleihe mit gerade einmal fünf Prozent der Anteile an einer neu formierten britischen Plc zufrieden geben. Das wären bei einem Firmenwert von derzeit geschätzten 200 Millionen Euro gerade einmal zehn Millionen Euro gewesen, so dass sie 95 Prozent ihres Kapitals verloren hätten. Einige Analysten nannten noch höhere Verlustziffern.

Einen Witz nannten Anleger das Angebot. Und so begann sich David, der nur wenig zu verlieren hatte, zu wehren und drohte mit der Ablehnung des Sanierungsplans, was einen Insolvenzantrag wahrscheinlich gemacht hätte. Das zwang Goliath nolens volens an den Verhandlungstisch.

Am Mittwoch nun stimmte eine Gläubigerversammlung einem überarbeiteten Konzept zu, so dass die Sanierung des Konzerns nun beginnen kann. Indes wurde die erforderliche Dreiviertelmehrheit mit 75,9 Prozent denkbar knapp erreicht. Die Anleihegläubiger erhalten für ihre Anleihen eine Barzahlung in Höhe von 7,5 Millionen Euro und können den fünfprozentigen Kapitalanteil ab 2010 durch zusätzliche Optionsscheine um zweimal fünf Prozentpunkte aufstocken.

Deutliche operative Gewinnsteigerung im ersten Quartal

Für die ersten fünf Prozent gilt dabei, dass die Marktkapitalisierung des Unternehmens mindestens 25 Millionen Euro überschritten haben muss. Für die zweiten fünf Prozent liegt die Grenze bei 50 Millionen Euro.

Das Management des Unternehmens zeigte sich erleichtert über die Entscheidung. Immerhin werden die Verbindlichkeiten in Höhe von 450 Millionen Euro um 200 Millionen Euro verringert. „Das ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur Stabilisierung unserer Finanzen“, sagt Schefenacker-Chef Stephen Taylor. „Mit diesem Ergebnis können wir uns wieder auf die Entwicklung unseres Geschäfts konzentrieren.“

Der Restrukturierungsprozess mache sich bemerkbar; das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres habe die Erwartungen bereits übertroffen. In den kommenden drei Jahren will Schefenacker den operativen Gewinn (Ebitda) auf 100 Millionen Euro verdoppeln.

Erst am Anfang des Wegs

Gleichwohl müssen die Anleiheninhaber zunächst einmal mit schmerzhaften Verlusten leben. Auf dem aktuellen Niveau erhalten sie weniger als 20 Prozent des Nominalwerts, selbst wenn man die Optionen als ausgeübt betrachtet. Um die Verluste auszugleichen, müsste der Wert der Anteile bei einem Firmenwert von 200 Millionen Euro um mehr als das Dreifache steigen.

Schließt man die entgangenen Zinszahlungen bis 2014 mit ein, müsste sich der Firmenwert bis zur ursprünglichen Fälligkeit der Anleihen im Jahr 2014 mehr als verfünffachen. Indes hängen solche Schätzungen stets vom zugrunde gelegten Firmenwert ab. Gemäß dem Einigungsvorschlag beläuft sich das Nettovermögen der Schefenacker-Gruppe nach Restrukturierung indes nur auf 118 Millionen Euro.

Ob es Schefenacker angesichts des harten Wettbewerbs und des anhaltenden Preisdrucks aus der Automobilindustrie trotz seines hohen Marktanteils gelingen wird, solch starke Wertsteigerungen zu erzielen, ist heute noch völlig offen.

Harte Marktbedingungen

Immerhin kam es zum Zahlungsverzug nicht allein aufgrund der hohen Schuldenlast, sondern aufgrund von Umsatzrückgängen in Teilbereichen, dem Zwang, Preisnachlässe einräumen zu müssen und nicht zuletzt aufgrund hoher Rohstoffkosten, die dazu führten, dass der Gewinn vor Schuldendienst vereinbarte Zielgrößen nicht mehr erreichte.

Im dritten Quartal, für das das Unternehmen zuletzt einen Bericht veröffentlichte, sanken die Umsätze im Beleuchtungsgeschäft um 12 Prozent, das bereinigte Ebitda rutschte gegenüber dem Vorjahr mit minus 2,8 Millionen Euro in den roten Bereich, und das bereinigte Ebitda sank um 98 Prozent auf gerade noch 300.000 Euro.

Ohne den Zukauf der insolventen Engelmann-Gruppe wäre der Umsatz um 7,6 Prozent gefallen. Vor allem litt man unter niedrigeren Bestellungen seitens der angeschlagenen amerikanischen Autobauer Ford und GM und Streiks bei Hyundai und Kia.

Keine große Begeisterung

Das alles sind vor allem operative Faktoren, auf die sich das neu aufgestellte Unternehmen zwar besser wird einstellen und reagieren können. Sie sind aber Gegebenheiten eines Marktes. Insofern wird die Aufgabe, den Unternehmenswert zu steigern, für Schefenacker keine leichte - noch weniger, Größenordnungen des nominellen Ertrags der Hochzinsanleihen zu erreichen.

Indes dürfte das für viele Gläubiger gar nicht zur Debatte stehen, da die Anleihe schon seit Mai 2004 unter par notiert und ihr Kurs im September unter 40 Prozent fiel. Ob sich die Spekulation lohnt, die Anleihe zum aktuellen Preis von 12,5 Prozent zu erwerben, steht und fällt mit Schefenackers Entwicklung.

Diese wird offenbar recht unterschiedlich eingeschätzt. Nach der Meldung von der Einigung schnellte der Kurs auf fast 15 Prozent hoch - indes war der Höhenflug nur von kurzer Dauer. Ausgehend von einem Unternehmenswert von 200 Millionen Euro beläuft sich das Angebot derzeit auf 8,75 Prozent des Nominalwerts der Anleihe. Auch davon ausgehend muss der Wert des Unternehmens erst noch deutlich steigen, damit sich die Investition lohnt.

Name Kurs %
F.A.Z.-ANLEIHEN -- --
BUND FUTURE -- --
EURO-BOBL-FUTURE -- --
REX GESAMT PERF. -- --
Zinsen

Macrons Wahl wird den Börsen nicht reichen

Von Gerald Braunberger

Die Aussicht, dass Emmanuel Macron französischer Präsident wird, hat die Börsen beflügelt. Doch auf Dauer wird das nicht reichen. Mehr 9 8

Zur Homepage