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Unternehmensanleihen Anleihen amerikanischer Investmentbanken werden riskanter

02.03.2007 ·  Mit hervorragenden Ratings suggerieren die Anleihen amerikanischer Investmentbanken Sicherheit. Doch die Derivatemärkte behandeln die Papier auf Grund der Risiken im Hypothekengeschäft inzwischen wie Junkbonds.

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Banken-Anleihen gelten als besonders sicher. Gerade große Investmentbanken erfreuen sich zudem bester Rating-Noten. Demgegenüber ist die geäußerte Besorgnis über eine lockere Kreditvorgabe in den vergangen Monaten immer lauter geworden.

So sieht Howard Marks, Chef des auf notleidende Kredite spezialisierten Finanzinvestors Oaktree, durch das Gebaren der Banken einer Krise an den Kreditmärkten den Boden bereitet (Firmenjäger wälzen Risiken auf Kreditmärkte ab). Die explosionsartig gestiegene Nachfrage nach Krediten zur Finanzierung von Übernahmen sorge dafür, dass die Sicherheit für die Anleger und die Qualität der Kredite rapide abnimmt, weil die Fonds die Risiken auf die Kreditmärkte abwälzten.

Lockere Hypothekenkreditvergabe

Die Kredite stehen nicht mehr in den Büchern der Banken, sondern werden an institutionelle Investoren weitergereicht. Rekordniedrige Ausfallraten verführten zu riskanteren Geschäften. Kreditverträge weichen zunehmend auf, ein großer Teil der Kredite in Amerika sei zuletzt ohne jegliche Kreditkonventionen aufgenommen worden, sagt Todd Fisher von der Beteiligungsgesellschaft KKR.

Ähnlich gingen die Banken während des Immobilienbooms vor, indem sie die immer lockerer gewährten Kredite in ein Rekordvolumen von hypothekenbesicherten Wertpapieren weiter transferierten. Daraus, befürchten Anleger, könnte sich nunmehr eine Art Kettenreaktion entwickeln.

Denn in den vergangenen Wochen ist im Bereich der Kredite niedriger Bonität (Subprime) eine dramatische Verschlechterung offenbar geworden. Diese Risikokredite stellen nach Angaben des amerikanischen Hypothekenbankenverbandes rund 20 Prozent aller neu ausgegebenen Hypotheken. Während der neunziger Jahre waren es noch lediglich fünf Prozent gewesen.

Unkalkulierbare Subprime-Kredite

Die klassische Hypothek in Amerika läuft über 30 Jahre und hat einen festen Zinssatz. Angesichts niedriger Zinsen wurden in den vergangenen Jahren Hypotheken mit variablem Zinssatz populär, der in der Regel zunächst unter dem der traditionellen Hypotheken lag. Zudem wurden die Anforderungen bei der Kreditvergabe zunehmend aufgeweicht. So konnten Kunden ohne eine wie früher übliche Anzahlung von 20 Prozent ein Haus kaufen.

Die Vergabe von Hypotheken wurde zunehmend automatisiert, was den unterschiedlichen Risikoprofilen verschiedener Märkte keine Rechnung trug. Das ging solange gut, solange die Schuldner die Häuser mit Gewinn weiter verkaufen konnten. Das aber ist in vielen Regionen nicht mehr der Fall und so geraten immer mehr schwache Schuldner in akute Zahlungsnöte.

Bei den Firmen, die sich auf Subprime- Hypotheken spezialisieren, hat die Marktschwäche zu starken Verlusten geführt. Einige kleinere Kreditinstitute meldeten Konkurs an, größere Anbieter wie Novastar oder New Century Financial, aber auch die britische HSBC mussten Abschreibungen für Kreditausfälle deutlich erhöhen.

Kettenreaktion

Manche Analysten sorgen sich bereits, dass diese Entwicklung auch auf andere Segmente des Hypothekenmarktes überschwappen und sich möglicherweise negativ auf die gesamte amerikanische Konjunktur auswirken könnte.

Diese wirken sich naturgemäß auch auf den Markt für verbriefte Hypotheken und komplexe Finanzinstrumente wie den Collateralized Debt Obligations (CDO). Das sind kreditbesicherte Anleihen, in denen ausländische Großanleger stark engagiert sind. „Dazu gehören auch eine Handvoll deutscher Banken“, sagt der Analyst Joshua Rosner von der Analysegesellschaft Graham Fisher. Es ist schwierig, die Besitzer dieser Anleihen konkret zu benennen, weil die Banken das nicht offenlegen.

Im schlimmsten Fall könnte sich die Entwicklung bei den Risikohypotheken nun auch negativ auf kreditwürdige Kunden auswirken, wenn eine Verkaufswelle und Zwangsversteigerungen zu zusätzlichem Druck auf die Immobilienpreise führen sollte.

Schwer quantifizierbare Risiken

Die Anleger an den Kreditderivatemärkten proben unterdessen bereits den „Worst Case“. Die Preise für Kreditausfallderivate auf Anleihen der großen Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley sind auf Niveaus gefallen, wie sie für Junkbonds oder niedrige Investment-Grade-Anleihen üblich sind.

„Die Jungs haben all die Jahre eine Menge Geld mit der Verbriefung von Hypotheken in einer Boomphase gemacht“, sagt Richard Hofmann, Kreditanalyst bei Creditsights der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Die Frage ist, wie stark sie den Risiken ausgesetzt sind und welcher Gegenwind sie erwartet, wenn sie die Syndizierungsmaschine nicht am laufen halten können.“

Die Risiken sind schwer abzuschätzen, weil die Banken das Subprime-Segment in der Regel nicht ausweisen. Creditsights gibt den Anteil von Krediten schlechter Bonität in den Büchern von Bear Sterans mit 13 Prozent des physischen Eigenkapitals, für Lehman Brothers mit elf Prozent an und schätzt sie für Goldman Sachs und Morgan Stanley auf zehn bis 15 Prozent.

Besondere Gefahren für Kleinanleger

Die Preise für Kreditausfallderivate auf Anleihen von der großen Investmentbanken Morgan Stanley haben sich im laufenden Jahr mehr als verdreifacht, fast ebenso stark wie die von Merrill Lynch. Lehman-Brothers-Derivate haben sich verdoppelt und auch bei Bear Stearns sind die Preise um 50 Prozent gestiegen.

Die Anleihen selbst haben dagegen kaum reagiert. Ihre Renditen sind auf ein Niveau gefallen, was in etwa einem Rating entspricht, das eine Stufe unter der derzeitigen Note liegt. Dies liegt schlicht daran, dass Großinvestoren mit steigenden Risiken die zinstragenden Bonds nur wenig reduzieren, sondern vor allem stärker in die Absicherung durch Kreditausfallderivate investieren. Dadurch bleiben die Anleihenkurse träge, während die der Derivate zulegen.

Das zeigt, welche Risiken der Anleihenmarkt mittlerweile für Kleinanleger hat. Nur spät bis gar nicht gibt die Entwicklung der Anleihenkurse die Risiken des Papiers wieder. Viel wichtiger ist daher die Betrachtung der Preise der Kreditderivate - doch dazu haben die wenigsten Privatanleger Zugang.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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