16.12.2008 · Die Existenzkrise der amerikanischen Autohersteller hat die Renditen von Unternehmensanleihen auf neue Rekordwerte getrieben, auch in Europa. Doch die Direktanlage ist für Privatanleger schwierig. Eine sorgfältige Auswahl der Titel ist nötig.
Die Existenzkrise der amerikanischen Autohersteller hat die Renditen von Unternehmensanleihen auf neue Rekordwerte getrieben, auch in Europa. Die Unsicherheit über die erhoffte staatliche Rettung von Ford, Chrysler und General Motors hat die Furcht vor einer Kettenreaktion geschürt.
Dadurch sind die Preise der Unternehmensanleihen stark unter Druck geraten. Wer jetzt zugreift, kann selbst von Zinstiteln altehrwürdiger Unternehmen wie BMW oder Daimler erwarten, dass sie jährliche Renditen von 6 bis 8 Prozent abwerfen. Das gilt natürlich nur, sofern auch in Zukunft genügend Geld für Zins und Tilgung in der Kasse sein wird.
Risikoprämien wirken verlockend
Derart hohe Risikoprämien wirken verlockend, allerdings ist der Kauf für den Privatanleger nicht ganz einfach. Ein großer Teil der Anleihen wird nur in einer Mindeststückelung von 50.000 Euro verkauft. Es gibt zwar eine Auswahl mit einer Mindestanlage von 1.000 Euro, aber die Liquidität ist meist eingeschränkt. Das führt zu hohen Abständen zwischen den Kursen für An- und Verkauf solcher Anleihen. Bei Daimler-Anleihen liegt dieser Abstand derzeit in der Größenordnung von etwa 1,5 Prozent, TUI-Titel werden mit einer Geld-Brief-Spanne von bis zu 4 Prozent gehandelt. Mit anderen Worten: Wer solche Anleihen erwirbt, muss damit leben, dass seine Position im Moment des Kaufs mit einigen Prozent im Minus liegt.
Das muss Anleger, die ihr Kapital bis zum Ende der Laufzeit binden können, nicht abschrecken. Unbedingt notwendig ist allerdings eine ausreichende Risikostreuung. Denn die Preise der Anleihen sind deshalb so stark gefallen, weil die Investoren eine Kreditklemme befürchten, die zu einer beispiellosen Pleitewelle führen könnte.
Ausfallraten von 60 Prozent befürchtet
Dass es für diese Befürchtungen kein Beispiel gibt, zeigt der Itraxx-Crossover. Der Index spiegelt die durchschnittlichen Kosten für die Absicherung von Forderungen gegen 50 europäische finanzschwache Schuldner. In den vergangenen Tagen ist dieses Krisenbarometer erstmals auf fast 1.100 Punkte gestiegen. Das bedeutet, dass die Absicherung der Forderungen bei einer Laufzeit von fünf Jahren durchschnittlich 11 Prozent der versicherten Summe im Jahr kostet.
Wer solche Preise für Sicherheit zahlt, befürchtet, dass mindestens 30 der 50 Unternehmen in den kommenden fünf Jahren insolvent sein werden. Nimmt man statt einem erwarteten Forderungsrestwert von 40 Prozent nur einen Restwert von 20 Prozent an, liegt die befürchtete Ausfallrate immer noch bei 25 von 50 Unternehmen oder 50 Prozent. Zum Vergleich: Die bisher höchsten Ausfallraten wurden Anfang der neunziger Jahre gemessen, als 30 Prozent der finanzschwachen Anleiheschuldner innerhalb von fünf Jahren pleitegingen. Heute geht es um namhafte Firmen. Im Itraxx-Crossover sind zum Beispiel die Dax-Werte TUI und Infineon vertreten sowie Heidelcement und Fresenius.
Sorgfältige Auswahl der Einzelwerte und der Fonds nötig
Der blinde Kauf einer Unternehmensanleihe könnte also trotz der hohen Zinsen leicht zu einer Enttäuschung führen. Wer nicht genügend Geld und Muße hat, seine Anlagen selbst breit zu streuen, sollte Fonds nutzen.
Auch bei ihnen ist eine sorgfältige Auswahl ratsam. So hat zum Beispiel der Fonds „Schroder ISF Euro Corporate Bond A" (Isin LU0113257694) in den vergangenen zwölf Monaten knapp 2 Prozent an Wert verloren. Das ist kein schlechtes Ergebnis angesichts des schwachen Marktes und auch im Vergleich zur Konkurrenz: Im selben Zeitraum hat zum Beispiel der DWS Euro-Corp Bonds einen Verlust von gut 20 Prozent erlitten.
Die Fonds werden von ihren Managern aktiv gesteuert. Sie weichen nach eigenem Ermessen von den Vergleichsindizes ab. Das lässt die Anleger auf eine überdurchschnittliche Wertentwicklung hoffen, birgt aber auch die Gefahr eines schlechteren Abschneidens. Und es kostet Geld, denn die Fondsgesellschaften fordern einmalig rund 3 Prozent Ausgabeaufschlag und jährlich 1 Prozent des Fondsvermögens für die Verwaltung.
In dieser Hinsicht sind börsengehandelte Indexfonds (Exchanged Traded Funds, ETF) von Vorteil. Sie bilden einen Index nach. Die ETF sind auch privaten Anlegern zugänglich. Einen Ausgabeaufschlag gibt es nicht, und die jährlichen Verwaltungskosten liegen unterhalb von 0,5 Prozent. Es gibt inzwischen auch ETF, die in Unternehmensanleihen investieren. Eine Variante ist ein börsengehandelter Fonds der Deutschen Bank, der den ItraxxCrossover abbildet, also nicht in Anleihen investiert, sondern stattdessen Kreditabsicherungen verkauft. Allerdings hat dieser ETF (Isin LU0290359032) seit Jahresbeginn rund 15 Prozent seines Werts verloren.