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Unternehmensanleihen Anlegen bei BMW und Bertelsmann

19.01.2009 ·  Selbst die größte Kreditkrise hat für Sparer auch ihre guten Seiten: sechs Prozent Zinsen zum Beispiel. Die kann jeder bekommen, der sein Geld jetzt BMW als Kredit gibt oder der Deutschen Telekom. Damit helfen Sparer den Unternehmen sogar.

Von Patrick Bernau
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Selbst die größte Kreditkrise hat für Sparer auch ihre guten Seiten: sechs Prozent Zinsen zum Beispiel. Die kann jeder bekommen, der sein Geld jetzt BMW als Kredit gibt oder der Deutschen Telekom.

Damit helfen Sparer den Unternehmen sogar. Denn einige haben derzeit kaum Chancen, anderswo günstig an Geld zu kommen. Schon seit Wochen beschweren sie sich, dass sie von den Banken nicht mehr genügend Darlehen bekommen - nicht nur, weil Firmenkredite jetzt riskanter sind als sonst, sondern auch, weil die Banken selbst weniger Geld verleihen. Einspringen kann jeder Privatanleger, indem er Firmenanleihen kauft.

Firmenanleihen sind so günstig wie schon lange nicht mehr

Die sind nichts anderes als ein Kredit an ein Unternehmen, zum Beispiel an die Deutsche Telekom. Die verkauft zunächst die Anleihen und bekommt dafür Geld. Dann zahlt sie den Anleihenbesitzern jedes Jahr einen festgelegten Zins, den "Kupon". Und wenn die Anleihe nach einigen Jahren ausläuft, zahlt die Telekom das Geld zurück.

Wenn ein Anleger sein Geld schon früher braucht, kann er die Anleihe an der Börse verkaufen. Dabei kann er sogar mehr bekommen, als er anfangs bezahlt hat. Denn wenn die Telekom in der Zwischenzeit für neue Kredite weniger Zinsen zahlen muss, ist der festgelegte Kupon der Anleihe inzwischen mehr wert als zuvor. Muss die Telekom aber mehr Zinsen zahlen als früher, ist der Kupon weniger wert und mit ihm die ganze Anleihe.

In den vergangenen Monaten sind die Zinsen für viele Unternehmen gestiegen, Firmenanleihen sind darum so günstig wie selten - und so leicht zu bekommen wie seit Jahren nicht. Denn die neuen Anleihen dieser Tage sind viel besser für Privatanleger geeignet als ältere. Noch vor wenigen Wochen gab es die meisten Firmenanleihen erst ab 50.000 Euro Anlagesumme. „Aber viele institutionelle Anleger können die nicht kaufen, obwohl sie es wollen. Sie haben die Risikobudgets nicht mehr“, sagt Anleihenanalyst Philip Gisdakis von der Hypo-Vereinsbank. Also verkaufen viele Firmen jetzt Anleihen für 1.000 Euro, um Privatanleger anzulocken.

Natürlich haben solche Anleihen ein Risiko. Wer die Anleihe verkauft, bevor sie fällig ist, kann Geld verlieren - zum Beispiel eben, falls die Unternehmenszinsen bis dahin noch weiter steigen und die Kurse von Firmenanleihen darum sinken. Doch Anleihen sind deutlich stabiler als beispielsweise Aktien.

Unterschiedliche Risiken: Anleger müssen die Firmenpapiere gut auswählen

Das hat drei Gründe: Erstens sind Anleihebesitzer keine Miteigentümer der Firmen, sondern nur Kreditgeber. Sie bekommen ihr Geld zurück, auch wenn der Gewinn sinkt. Zweitens ist der Zahlungsstrom für den Kreditgeber sehr überschaubar: Er weiß, was er heute bezahlt und wann er wie viel Geld zurückbekommt. Auf diese Weise lässt sich eine erwartete Rendite berechnen, die mit großer Wahrscheinlichkeit auch so erzielt wird. Und drittens ändern sich Unternehmenszinsen selten heftig, sagt HVB-Experte Gisdakis. Wenn es der Konjunktur wieder besser geht, erhöht die Zentralbank zwar die Zinsen. Aber das Insolvenzrisiko der Firmen sinkt dann. Und deshalb fallen dann auch die Zinsen für Firmenanleihen.

Doch auf das Insolvenzrisiko müssen Anleger ebenfalls achten. In der Rezession steigt es kräftig. Ist eine Firma erst mal pleite, gibt es nur noch wenig Geld zurück: im Durchschnitt rund die Hälfte, hat die Ratingagentur Moody's ausgerechnet.

Dieses Risiko ist in den aktuellen Anleihekursen allerdings schon berücksichtigt, glaubt Anleihenexperte Grégoire Pesquès bei der Société Générale. Er hat ausgerechnet: Mit Anleihen, die Ratingagenturen derzeit als spekulativ einschätzen, bleibt den Sparern sogar dann eine ordentliche Rendite, wenn im kommenden Jahr rund 30 Prozent der Firmen pleitegeht. Selbst in der Weltwirtschaftskrise von 1929 erreichte diese Quote nur 15 Prozent.

Das gilt allerdings höchstens für den Gesamtmarkt. Analyst Gisdakis bei der Hypo-Vereinsbank betont, dass das Risiko noch nicht in allen Anleihen richtig berücksichtigt sei. Deshalb müssten Anleger die Firmenpapiere gut auswählen. Der Manager des Unternehmensanleihen-Fonds LBBW Rentamax, Dietmar Zantke, zum Beispiel empfiehlt derzeit Anleihen von Unternehmen, denen Rezessionen wenig ausmachen: etwa die Deutsche Telekom und andere Neuemissionen, die derzeit seiner Einschätzung nach noch günstig sind (siehe Tabelle unter "Anleihen"). Die Titel großer Konzerne werden derzeit ohnehin oft empfohlen, weil viele Anleger darauf setzen, dass die Regierungen diese Konzerne nicht pleitegehen lassen.

Wer das Risiko einer Anleihe einschätzen will, dem helfen die Bewertungen der Ratingagenturen (je weiter vorne im Alphabet, desto sicherer) oder die Preise für "Credit Default Swaps" (CDS): Das sind Versicherungen gegen den Ausfall einer Anleihe (je niedriger, desto sicherer). Besser als eine einzelne Anleihe kann allerdings ein Fonds sein, der viele kauft: Wenn dann eine Firma pleitegeht, ist nicht so viel Geld verloren.

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