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Umfrage Investoren möchten aus Staatsanleihen raus

 ·  Institutionelle Anleger halten wenig von Schuldtiteln der Regierungen. Das hat eine Erhebung des Fondsverbands BVI ergeben. Neben der Rendite zählen auch Liquidität und Zuverlässigkeit.

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Institutionelle Investoren müssen Staatsanleihen halten, obwohl sie ungeliebt sind. Dies ergibt eine Umfrage, die der Fondsverband BVI unter professionellen Anlegern wie Altersvorsorgeeinrichtungen, Banken, Versicherern oder Sozialversicherungsträgern durchgeführt hat. Die Fragestellung war, in welchen Vermögensklassen diese Anleger in Form von Spezialfonds investiert sind und wie stark sie investiert wären, wenn es nicht die Vorgaben der gesetzlichen Regulierung gäbe. Die Umfrage führte die Finanzberatung Kommalpha unter 134 Spezialfondskunden durch, die zusammen ein Vermögen von rund 380 Milliarden Euro verwalten. Insgesamt sind in Spezialfonds derzeit rund 900 Milliarden Euro angelegt. Damit erlaubt diese Studie einen repräsentativen Einblick in die Welt der institutionellen Investoren.

18 Prozent ihres Anlagevermögens halten institutionelle Investoren demnach über Spezialfonds in Staatsanleihen. Doch dürften sie frei von den staatlichen Vorgaben entscheiden, halbierten sie ihr Engagement in diesen Papieren auf 9 Prozent. Dies scheint die These zu belegen, die derzeit stark in Finanzkreisen diskutiert wird, wonach der Staat die Finanzmarktregulierung so ausgestaltet, dass die Finanzierung der Staatsschulden auch gegen den Willen der Investoren sichergestellt wird.

Besondere Investmentvehikel

Gleichzeitig scheint die Geldanlage in Aktien behindert zu werden. Denn die Großanleger würden gern, wenn sie frei entscheiden könnten, ihre Aktienquote in Spezialfonds auf 24 Prozent anheben und damit gegenüber dem aktuellen Anteil von 12 Prozent verdoppeln. Diese Zahl erscheint relativ hoch angesichts der Tatsache, dass viele Versicherer mit einer noch viel geringeren Aktienquote von oft weniger als 3 Prozent arbeiten. Doch diese Studie erfasst nicht die gesamten Engagements in Aktien, Anleihen oder Immobilien, sondern nur jene Engagements, die über Spezialfonds gehalten werden.

Außer in Aktien erhöhten die professionellen Investoren gern auch ihre Spezialfonds-Engagements in Immobilien, Kapitalbeteiligungen (Private Equity) und Unternehmensanleihen - zu Lasten von Staatsanleihen, Pfandbriefen und kurzfristig liquiden Guthaben wie Geldmarktfonds. Das hohe Interesse an Immobilien-Spezialfonds hat jüngst Matthias Danne, Immobilienvorstand der Deka-Bank in Frankfurt bestätigt. „Wir rechnen im Jahr 2013 mit einer weiteren Zunahme im institutionellen Geschäft“, sagte Danne auf einer Veranstaltung der Deka. „Immobilienfonds bieten im derzeitigen extremen Niedrigzinsumfeld die Möglichkeit, der Realzinsfalle zu entgehen.“

Spezialfonds sind besondere Investmentvehikel, die sich ausschließlich an professionelle Großanleger richten und die von den Fondsgesellschaften häufig individuell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden. Daneben investieren institutionelle Anleger oft auch direkt in Aktien, Anleihen oder andere Finanzmarktinstrumente. Zudem nutzen sie Publikumsfonds, die sich ursprünglich in erster Linie an Privatanleger richteten.

Liquidität und Zuverlässigkeit zählen

„Mit den Renditen von Anleihen von Industriestaaten lassen sich die von institutionellen Investoren geforderten Renditen nicht mehr erzielen“, sagte Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI. „Viele Investoren wollen deshalb renditestärkere Anlagen höher gewichten.“ Institutionellen Investoren hätten meist Zahlungsverpflichtungen, die einen gewissen Grundbedarf an Anleihen unabhängig von der Bonität der Schuldner und des Zinsniveaus notwendig machten. Derzeit hätten die Großanleger gut 60 Prozent ihres Spezialfondsvermögens in Zinstitel investiert. Sie streben laut Studie eine Quote von nur gut 40 Prozent an.

© F.A.Z. Vergrößern Mehr Aktien und Immobilien, weniger Staatsanleihen und Pfandbriefe – so das Wunschdenken der institutionellen Anleger

Die Ausrichtung auf Staatsanleihen ist für viele institutionelle Investoren wegen des niedrigen Zinsniveaus und hier besonders auch wegen der negativen Realzinsen problematisch, weil sie Gefahr laufen, ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber Rentnern oder Pensionsempfängern beispielsweise nicht nachkommen zu können. Deshalb sind für Großanleger die erwartete Rendite und das Kursschwankungsrisiko nicht die einzigen Kriterien für die Geldanlage. Daneben zählen die Liquidität und die Zuverlässigkeit, einen regelmäßigen Zahlungsstrom aus der Geldanlage zu erhalten. Doch die aktuelle Verzinsung von Bundesanleihen liegt bei rund 1,5 Prozent und damit unter den Zahlungsverpflichtungen der Lebensversicherer.

Deshalb sind viele institutionelle Investoren darauf angewiesen, Finanzinstrumente zu suchen, die eine höhere Rendite versprechen. Speziell Versicherer würden gern laut BVI-Studie eine weitaus höhere Aktienquote in Spezialfonds anstreben. Nur 6 Prozent ihres in Spezialfonds investierten Vermögens hätten sie derzeit in Aktien angelegt. Diesen Wert würden sie gern auf 24 Prozent vervierfachen. Der BVI kritisiert, dass die von der EU-Kommission geplante Regulierung für die Versicherungsbranche, die unter dem Stichwort „Solvency II“ diskutiert wird, Anlagen in Aktien und Immobilien benachteiligten. Dort ist vorgesehen, dass Versicherer Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital unterlegen müssen, jedoch so gut wie alle anderen Finanzinstrumente.

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