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UBS-Skandal Die Gefahren des „Delta One“-Handels

Nicht nur bei der UBS gibt es „Delta One“-Geschäfte. Zahlreiche Investmentbanken haben investiert. Umso drängender ist die Frage, warum die Risikosysteme der Bank im Fall Adoboli nicht früher Alarm schlugen.

© AFP Vergrößern Wegen Betrugs angeklagt: Der UBS-Händler Kweku Adoboli

Kweku Adoboli, der für einen Verlust von 2 Milliarden Dollar verantwortliche Händler der UBS in London, ist am Freitag von der Londoner Polizei wegen Betrugs vor Gericht vorgeführt worden. Die Londoner Finanzaufsicht, die Financial Services Authority (FSA), und die schweizerische Aufsicht untersuchen, warum der Händler den Verlust anhäufen konnte und die Risikosysteme der Bank nicht früher Alarm schlugen. Adoboli soll nach Angaben der BBC seine Kollegen selbst über seine Verluste und „nicht autorisierten“ Transaktionen informiert haben.

Adoboli war in der Abteilung der sogenannten „Delta One“ beschäftigt, einer Handelsoperation, die zwischen dem Aktienhandel und Eigenhandel aufgehängt ist. Delta bezeichnet das Ausmaß der Korrelation zwischen der Preisbewegung von einem Wertpapier und einem bestimmten Basiswert, also einem Index, Aktienkurs oder der Notierung eines Rohstoffes oder Edelmetalls wie Gold. Ein Delta von „Eins“ bedeutet, dass sich der Preis des künstlich geschaffenen Wertpapiers in absolutem Einklang mit dem Index, Aktienkurs oder der Rohstoff-Notierung bewegt. Da Anleger liquide Produkte handeln wollen und zwar auch auf Märkten, deren Produkte nicht oder nur schwer zu handeln sind, konstruieren Banken künstliche Wertpapiere, die die Preisbewegung des Basiswertes exakt abbilden.

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Händler sollen keine offenen Spekulationen eingehen

Bekanntes Beispiel ist der explodierende Markt der Exchange Traded Funds (ETF). Dies sind börsennotierte Wertpapiere, die mittlerweile auf zahlreiche Indizes, Rohstoffe oder Edelmetalle angeboten werden. Adoboli soll Direktor der Produkte für ETF gewesen sein und nach Angaben von UBS entstand der Verlust auf der Aktienseite.

Die Aufgabe der Händler an den Delta One Tischen ist es, die synthetischen Produkte für die Kunden zusammenzustellen. Dabei kommt es gegenüber dem Kunden nur darauf an, dass er ein Produkt erhält, dessen Preis mit dem Basiswert exakt korreliert. Die Händler werden jedoch dafür bezahlt, das Produkt so geschickt mit eigenen, bankinternen Transaktionen zu verbinden, dass für die Bank noch ein Gewinn abfällt. Während dessen soll die Gesamtposition natürlich abgesichert sein, denn was dem Kunden verkauft wird, wird im Prinzip intern gekauft. Die Händler der Delta One Tische sollen keine offenen Spekulationen eingehen. Gerade deshalb zählt das Geschäft nicht zum riskanten Eigenhandel, wirft aber kontinuierlich Erträge ab. Deshalb haben zahlreiche Investmentbanken in letzter Zeit in den Handel von Delta One investiert.

Die Gefahr ist, dass ein Händler ein in dem Korb der Transaktionen schlummerndes Risiko nicht absichert. Dann ergibt sich eine offene Flanke, die ungeplante Gewinne oder Verluste produziert. Es ist allerdings ausgeschlossen, dass sich so gigantische Verluste ergeben, wie sie Kerviel 2008 bei der Société Générale und jetzt Adoboli anhäuften.

Alle Händler in der City waren überrascht

Kerviel arbeitete ebenfalls im Bereich Delta One, sollte also nur minimale Preisdifferenzen zwischen großen, abgesicherten Transaktionen ausnutzen. Dennoch begann er, zunächst sogar gewinnbringende offene Spekulationspositionen einzugehen, zunächst auf die Allianz-Aktie, später auf den Dax. Seine Kenntnisse aus der Risikokontrolle, in der er zuvor gearbeitet hatte, ermöglichten es ihm, seine Geschäfte, die anfänglich hohen Gewinne und später horrenden Verluste zu verschleiern. Er selbst profitierte anfänglich von einem höheren Bonus. Skeptische Fragen der unerfahrenen Mitarbeiter von der Risikokontrolle wimmelt er erfolgreich ab. Dann kam eine Pechsträhne am Markt, er verdoppelte die Einsätze seiner offenen Positionen, bis er schließlich Kontrakte auf einen Umsatz von 50 Milliarden Euro geöffnet hatte und sich gar die derivate Börse Eurex verwundert bei der Société Générale meldete. Nachdem die Société Générale die Positionen schloss, blieb ein Nettoverlust von 4,9 Milliarden Euro.

Es spricht viel dafür, dass es Adoboli ähnlich ergangen sein könnte. In der Londoner City wird vermutet, dass er - möglicherweise bewusst - darauf verzichtet hatte, das Wechselkursrisiko gegenüber dem Schweizer Franken abzusichern. Alle Händler in der City waren überrascht, als die Schweiz am 6. September einen Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro festlegte und der Schweizer Franken schlagartig um 8 Prozent abwertete. Es war eine für den Devisenmarkt unvorhergesehene und rasante Bewegung. Wurde Adoboli auf dem falschen Fuß erwischt? Versuchte er zunächst durch massive weitere Spekulation den Verlust auszugleichen? Flog deshalb sein Verlust erst am 12. September auf? Die weiteren Untersuchungen werden dies klären. Was die Banken, Aufsichtsbehörden und Marktteilnehmer schockt, ist die Tatsache, dass es ein Händler trotz der seit Kerviel verbesserten internen und externen Kontrollsysteme wieder geschafft hat, solche verheerenden Verluste anzuhäufen und dass es wieder eine Bank gab, die dies nicht erkannt hat.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 17.09.2011, 07:00 Uhr

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