17.03.2009 · Für die Banken haben sich die Finanzierungskosten in den vergangenen Wochen deutlich verbessert. Doch sie reichen den Vorteil nur zögerlich an ihre Kunden weiter. Das weckt nun den Unwillen der Europäischen Zentralbank.
Von Stefan RuhkampDie Europäische Zentralbank hat binnen weniger Monate ihren Leitzins von 4,25 auf 1,5 Prozent reduziert. Ziel ist es, das Zinsniveau zu senken und dadurch die Nachfrage der Wirtschaft nach Krediten anzuregen. Doch die Rechnung geht derzeit nicht auf, weil die Geschäftsbanken die Leitzinssenkung nur zu einem Teil an die Kreditnehmer - die Unternehmen und Verbraucher - weitergeben. Den Verdruss über diese eingeschränkte Wirkung des Leitzinses hat vor einigen Tagen schon Bundesbankpräsident Axel Weber angedeutet. Jetzt tadelt auch Jürgen Stark, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), die Kreditwirtschaft. Er erinnert die Banken an ihre Verantwortung und fordert sie auf, auch ihre Zinsen zu senken.
Bisher halten sie sich damit zurück. So haben sich zum Beispiel die durchschnittlichen Zinsen für neue Baukredite seit Beginn der Leitzinssenkungen im Oktober nur um einen halben Prozentpunkt verringert. Von ähnlich geringen Zinsnachlässen berichten auch Experten für gewerbliche Kredite. Umgekehrt sind die Zinsen für Einlagen der Sparer gefallen. Seit Oktober ist zum Beispiel der durchschnittliche Zins für einjährige Festgeldanlagen von knapp 5 auf 2,5 Prozent gesunken. Niedrige Leitzinsen, niedrige Einlagenzinsen und auf der anderen Seite kaum gesunkene Kreditzinsen - das riecht nach einer Ausweitung der Gewinnmargen.
Das gegenseitige Misstrauen wird kleiner
Doch die Rechnung ist nicht ganz so einfach. Denn nicht alle Finanzierungsquellen der Banken sind so viel günstiger geworden wie das Einlagengeschäft. Ihren akuten Geldbedarf können die Banken über wöchentliche Auktionen bei der Europäischen Zentralbank decken, derzeit in unbegrenzter Höhe zum Leitzins von 1,5 Prozent. Aus Sicherheitsgründen leihen sich viele Banken derzeit bei diesen Auktionen mehr, als sie benötigen. Nur einen Teil können oder wollen sie auf dem Tagesgeldmarkt an andere Banken weiterverleihen. Der Rest geht in die mit nur 0,5 Prozent verzinste Einlagenfazilität der EZB. Diese negative Zinsdifferenz für einen Teil des aus den Auktionen stammenden Geldes erhöht die Gesamtkosten der Finanzierung.
Wie steht es um die anderen Finanzierungsquellen? Der Markt, auf dem sich die Banken untereinander für einen bis zwölf Monaten Geld leihen, ist weiterhin angespannt. Doch haben sich die Bedingungen im Vergleich zum vergangenen Herbst, als das gegenseitige Misstrauen einen Höhepunkt erreichte, gebessert. Damals betrug zum Beispiel der Abstand zwischen dem Zins für eine dreimonatige Leihe (Euribor) und dem Tagesgeldsatz rund 1,6 Prozentpunkte. Heute liegt dieser Abstand, den man als eine Risikoprämie verstehen kann, bei etwa 0,9 Prozentpunkten. Seit dem vergangenen Herbst ist also nicht nur das Zinsniveau, sondern auch dieser Risikoaufschlag gefallen. „Die Stimmung auf dem Geldmarkt hat sich allmählich verbessert“, berichtet der Disponent einer deutschen Bank: „Manche Banken haben zwar immer noch keinen ungehinderten Zugang, aber es geht doch voran.“
Finanzierungsbedingungen haben sich unterm Strich verbessert
Bei längeren Laufzeiten auf dem Anleihemarkt ist dagegen der Risikozinsaufschlag gestiegen. Die Risikoscheu spiegelt sich in den Absicherungskosten für handelbare Kreditausfallversicherungen. Der Itraxx-Index, der diese Risikoprämien für erstrangige Forderungen gegen europäische Banken misst, hat vor einigen Tagen den Rekordstand von 220 Punkten erreicht. Die Absicherung kostete also durchschnittlich 2,2 Prozent der versicherten Summe. Seitdem ist der Index zwar auf 180 Punkte gefallen, aber auch das ist noch ein hoher Wert. Den gestiegenen Risikozinsaufschlägen steht erleichternd gegenüber, dass auch das langfristige Zinsniveau im Euro-Raum gefallen ist. Insgesamt haben sich deshalb die Zinsen für neubegebene Bankenanleihen etwas ermäßigt, wenngleich der Rückgang bei weitem nicht so stark ist wie der des Leitzinses.
Unter dem Strich haben sich also die Finanzierungsbedingungen der Banken gebessert. Den an die Geschäftsbanken gerichteten Tadel der Notenbanker will Dieter Hein, Bankenanalyst bei Fairesearch, dennoch nicht teilen: „Wir stecken mitten in einer schweren Rezession. Da sind die Banken gut beraten, weniger Kredite zu vergeben und höhere Zinsen zu verlangen, denn später werden die Ausfallraten steigen.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.910,50 | +0,21% |
| Nasdaq 100 | 2.565,13 | +0,76% |
| S&P500 | 1.349,96 | +0,22% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3292 | +0,32% |
| Rohöl Brent Crude | 118,56 $ | +0,60% |
| Gold | 1.746,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 137,17 € | −0,41% |