Home
http://www.faz.net/-gvt-zpll
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Teuerung Inflations-Zertifikate müssen genau geprüft werden

16.07.2008 ·  Die Inflation ist in Deutschland so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Auf der Suche nach Schutz stoßen Anleger auch auf die neuen Inflations-Zertfikaten. Alle angebotenen Produkte sollten aber genau auf ihre Sinnhaftigkeit geprüft werden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Lange Zeit war in den Vorjahren an den Finanzmärkten eher von Deflation, also der Gefahr fallender Preise die Rede, als von Inflation. Doch inzwischen hat sich der Wind bekanntlich eindeutig gedreht.

Wie berechtigt die Diskussionen sind, zeigt sich auch zur Wochenmitte wieder. Denn da wurde bekannt gegeben, dass explodierende Energie- und Lebensmittelpreise im Juni in Deutschland für die höchste Inflationsrate seit fast 15 Jahren gesorgt haben. Mit einem Anstieg von 3,3 Prozent steigen die Verbraucherpreise dabei hierzulande deutlich weniger als im Durchschnitt Europas mit zuletzt 4,0 Prozent.

Aber auch so ist der verzeichnete Preisanstieg in Deutschland der höchste seit Dezember 1993. Und wie ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht wurde, ist in Amerika die Jahresinflationsrate im Juni mit plus 5,0 Prozent sogar auf den höchsten Stand seit 1991 geklettert. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich Sparer immer öfter die Frage stellen, wie sie ihr Kapital erhalten können. Bei den aktuellen Inflationsraten ist das mit einem traditionellen Sparbuch jedenfalls nicht mehr gesichert. Erst Recht nicht, wenn man auch noch die fälligen Steuern auf die Zinseinkünfte mitberücksichtigt.

Zertifikatebranche versucht den Inflationstrend zu nutzen

Inzwischen versuchen die Banken natürlich verstärkt, der Situation angepasste Produkte anzubieten, um damit Kunden zu locken. Auch die Zertifikatebranche wäre nicht mehr sie selbst, wenn sie nicht ebenfalls versuchen würde, von dem Trend hin zu steigenden Preisen zu profitieren. So wurden zuletzt etliche Inflations-Zertifikate aufgelegt. Diese weisen vom Grundprinzip her eine Koppelung an die Entwicklung der Inflationsrate auf, im Detail gibt es dann bei den einzelnen Produkten aber deutliche Unterschiede.

Mit die besten Konditionen bei weiter anziehender Teuerung weisen dabei die so genannten 200 Prozent Inflationsanleihen von Morgan Stanley auf. Das Institut hat gerade die Zeichnung einer zweiten Tranche abgeschlossen (Isin: DE000MS5DJX9). Das bis zum 04. Juli 2011 laufende Produkt beinhaltet einen hundertprozentigen Kapitalschutz zum Ende der Laufzeit und im ersten und zweiten Laufzeitjahr erfolgt die Verzinsung in Höhe der doppelten Inflationsrate. Im dritten Jahr gibt es dann eine Kuponzahlung von 4,75 Prozent.

Experten rechnen mit einer bald schon wieder abflauenden Inflation

Aber auch wenn der Name Inflations-Zertifikate zunächst gut klingt, müssen sich Anleger wie bei allen Finanzprodukten auch in diesem Fall vor dem Einstieg genau überlegen, was sie eigentlich erwerben. Bei den existierenden Inflations-Zertifikaten kann der Kurs während der Laufzeit wie etwa bei Anleihen bei stark steigenden Zinsen unter den Nominalwert fallen. Wer vor der Endfälligkeit verkaufen muss, schneidet deshalb eventuell schlecht ab. Auch ist zu bedenken, dass die angebotenen Produkte mit Tagesgeld konkurrieren, das inzwischen immerhin mehr als fünf Prozent Rendite abwirft. Und wenn die EZB auf die steigenden Inflationsraten mit weiteren Leitzinsanhebungen reagieren sollte, dann könnte es mittelfristig sogar noch mehr werden.
Auch muss man sich überlegen, was die Anbieter eventuell dazu bewegt, vorderhand lukrative Inflations-Zertfikate anzubieten. Möglicherweise steckt dahinter auch die hausinterne Annahme, dass die Inflation bald wieder ihren Schrecken verlieren wird. So geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) davon aus, dass der Inflationsdruck 2009 nachlassen wird. Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat eben erst angesichts der Teuerung in Deutschland vor Panik gewarnt. Im historischen Vergleich sei eine Inflationsrate von 3,3 Prozent nicht als exzessiv oder besonders gefährlich anzusehen, sagte der Würzburger Wirtschaftsprofessor. Den Höhepunkt der Inflationsentwicklung hält Bofinger für überschritten.

Ob Pofinger mit dieser Einschätzung Recht behält, wird sich zwar erst noch zeigen müssen. Das ändert aber nichts daran, dass sich Interessenten vor dem Kauf von Inflations-Zertifikaten zunächst genauestens überlegen sollten, auf was sie sich einlassen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 22:03 Uhr
  Vortag
BUND 144,35 +0,25%
 OK
Zinsen
25.05.2012 11:45 Uhr
  Vortag
REXP 422,77 +2,82%
 OK