14.09.2010 · Ein Großteil der deutschen Banken verlangt für einen Dispokredit zweistellige Zinsen von ihren Kunden. Dies ergab eine Umfrage der Stiftung Warentest bei knapp 1.000 Instituten. So hohe Zinsen sind kaum zu rechtfertigen.
Der Verkauf des deutschen Privatkundengeschäfts der Citibank an den Crédit Mutuel scheint am aggressiven Geschäftsgebaren der operativen Einheit nur wenig geändert zu haben. Neben der Santander Consumer Bank verlangt sie mit einem Jahreszinssatz von knapp 17 Prozent den höchsten Preis für die Überziehung des Girokontos.
Die beiden Institute stehen jedoch nicht alleine. Denn auch einzelne Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken langen nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest kräftig zu. Die Sparkassen in Münden und die Raiffeisenbank Gefrees berechnen ihren Kunden Dispozinsen von knapp 15 Prozent jährlich.
Beachtliche Sollzinsen zu beobachten
Solche Zinsen sind angesichts der überaus günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten der Institute „beachtlich“ und könnten zu einem näheren Blick auf den Paragraph 138 des Bürgerlichen Gesetzbuches reizen. Auch das zu beobachtende Geschäftsgebaren kann zu denken geben. Häufig sei es für Bankkunden sehr schwierig, überhaupt Informationen zu den anfallenden Dispozinsen zu erhalten, bemängelten die Verbraucherschützer. Viele Banken hätten erst gar nicht auf die Umfrage reagiert, manche löschten den Angaben zufolge nach der Anfrage die vorher im Internet frei zugänglichen Informationen.
Aus Sicht der Stiftung Warentest sind die hohen Zinssätze beim Dispokredit kaum zu rechtfertigen. Nach der Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank auf gerade einmal ein Prozent sollten auch die Zinsen für Kredite fallen, erklären sie. Die Verbraucherschützer raten Kunden, bei zu hohen Zinsen die Bank zu wechseln. Zudem seien Abruf- oder Ratenkredite oft die günstigere Alternative zum teuren Dispokredit.
In der Studie, die in der Zeitschrift „Finanztest“ nachzulesen ist, lassen sich allerdings auch Geldinstitute finden, die etwas tiefere Zinsen berechnen. So verlangen viele Direktbanken Zinssätze im einstelligen Bereich. Vergleichsweise vorteilhafte Konditionen - im Vergleich mit den Extremen - bieten auch die PSD Banken und einige kleine Filialbanken. Allerdings dürften Kunden selbst die angesichts der günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken kaum als günstig betrachten.
Finanztest: Hohe Zinsen sind kaum zu rechtfertigen
Unter Dispositionskredit - umgangssprachlich auch „Dispokredit“oder „Dispo“ genannt - ist die von Kreditinstituten in Deutschland seit dem Jahr 1968 auf einem Girokonto für Privatpersonen eingeräumte, betraglich begrenzte Überziehungsmöglichkeit für Zwecke des Zahlungsverkehrs zu verstehen. Ohne besondere Vereinbarungen müssen auf dem Girokonto getätigte Transaktionen im Rahmen des Zahlungsverkehrs normalerweise durch Kontoguthaben gedeckt sein. Vom Überziehen des Kontos spricht man dann, wenn das Guthaben oder eine ausdrücklich eingeräumte Kreditlinie dafür nicht ausreicht, die Verfügungen aber vom Kreditinstitut dennoch ausgeführt werden. Es handelt sich damit um eine „geduldete Kontoüberziehung“.
Der Dispositionskredit ist eine Form des unbefristeten Kontokorrentkredits und gestattet dem Kontoinhaber, im Rahmen des Zahlungsverkehrs Transaktionen auch ohne Kontoguthaben vornehmen zu können. Voraussetzung für die Gewährung von Verbraucherdarlehen dieser Art ist, dass außer den Zinsen keine weiteren Kosten in Rechnung gestellt und die Zinsen nicht in kürzeren Perioden als drei Monaten belastet werden. Das Kreditinstitut muss den Kontoinhaber vor der Inanspruchnahme über die Höchstgrenze des Darlehens, den zum Zeitpunkt der Unterrichtung geltenden Jahreszins, die Bedingungen, unter denen der Zinssatz geändert werden kann sowie die Regelung der Vertragsbeendigung informieren.
Tipps zum Dispokredit
• Dispositionskredit. Überziehen Sie Ihr Girokonto nie für längere Zeit, denn kein Kredit ist so teuer wie der Dispo. Sprechen Sie mir Ihrer Bank, wenn Sie Ihr Konto weit überzogen haben. Manchmal können Sie den Dispokredit in einen Ratenkredit umwandeln - mit geringeren Zinsen.
• Alternativen suchen. Häufig ist ein Abrufkredit günstiger. Die Bank gewährt Ihnen einen Kreditrahmen, den Sie beliebig ausschöpfen können. Genau wie beim Dispokredit sind die Zinsen variabel. Ähnlich günstig ist der Ratenkredit. Laufzeit, Zins und monatliche Rückzahlung stehen von vornherein fest. Abruf- und Ratenkredite können Sie bei jeder Bank beantragen.
• Schuldenfalle vermeiden. Lassen Sie vom Dispo die Finger, wenn Sie bereits verschuldet sind. Nehmen die Schulden überhand, greift die Bank mitunter auf Ihren Zahlungseingang zu - ob Ihnen dann noch genug zum Leben bleibt, ist oft ungewiss. Auch der gewährte Disporahmen ist keineswegs sicher, die Bank kann ihn kürzen oder ganz streichen.
• Kontrolle behalten. Eröffnen Sie ein Konto bei einer anderen Bank, wenn die Schulden drücken und Sie den Konflikt mit der Bank fürchten. So behalten Sie die Kontrolle über Ihren Zahlungseingang und können erst das Lebensnotwendige finanzieren. Außerdem stehen Sie nicht ohne Konto dar, wenn Ihnen die Bank im Streitfall kündigt.
• Neues Konto. Ein Kontowechsel kann auch sinnvoll sein, wenn Sie bewusst ab und an auf den Dispokredit zugreifen möchten und Ihre Bank zu denen gehört, die am oberen Ende der Zinsskala liegen. Es gibt günstige Alternativen. Der Kontowechsel ist allerdings nicht ganz einfach.
Sind Banken gemeinnützige/ wohltätige Einrichtungen???
Moritz Baumgartner (cheech00)
- 14.09.2010, 16:20 Uhr
Kreditwürdigkeit unter Basel III
Jonas Müller-Hübenthal (Dr_Dolittle)
- 14.09.2010, 17:16 Uhr
Banken behalten Sonderrechtsstellung
Marc Voß (kleinhonk)
- 14.09.2010, 17:32 Uhr
Schulden einschränken
Closed via SSO (ud-la)
- 14.09.2010, 19:24 Uhr