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Tendergeschäfte Die Banken misstrauen sich noch immer

 ·  Obwohl sich die Lage nach den beiden Dreijahrestendern der EZB etwas entspannt hat, misstrauen die Banken sich weiterhin. Die Einlagenfazilität bei der EZB erreicht den höchsten Wert seit zwei Monaten.

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© dpa Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main

Die Liquiditätsschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) über eine Billion Euro hat in den vergangenen Monaten auf dem Geldmarkt die Risikoprämien sinken lassen. Trotzdem misstrauen sich die Banken noch immer, wie sich an den hohen Übernachteinlagen ablesen lässt. Mitte der Woche erreichte die Einlagenfazilität bei der EZB mit 806,5 Milliarden Euro den höchsten Wert seit zwei Monaten. Das Rekordhoch am 3. Mai belief sich auf 828 Milliarden Euro.

Den jüngsten Anstieg der Einlagenfazilität führen Geldmarkthändler auf das nahende Ende der Mindestreserveperiode zurück. Dann parken die Banken ihre überschüssigen Mittel bei der EZB, um sie mit Beginn der neuen Mindestreserveperiode auf das dafür vorgesehene Konto zu übertragen. Europas Banken müssen in dem vierwöchigen Zeitraum eine Mindestreserve bei ihren nationalen Notenbanken vorhalten. Diese müssen sie aber nur durchschnittlich erfüllen. Deshalb halten die Banken zu Beginn der Mindestreserveperiode sehr hohe Bestände auf ihren Zentralbankkonten, die sie dann im Verlauf reduzieren. Die neue Mindestreserveperiode beginnt nächsten Mittwoch.

Trotzdem sind die von der EZB nur mit 0,25 Prozent verzinsten Übernachteinlagen in den vergangenen Wochen kaum unter die Marke von 700 Milliarden Euro gesunken und bleiben damit auf einem hohen Niveau. Die hohe Einlagenfazilität der Banken bei der EZB belegt nach Ansicht von DZ-Bank-Analyst Michael Leister die unter Europas Banken reichlich vorhandene Liquidität, weshalb er vorerst auch keinen dritten Langfristtender der EZB erwartet. Dass die Mittel aber nicht an den Geldmarkt und in die Realwirtschaft flössen, zeuge gleichzeitig von dem weiterhin unter den Banken vorhandenen Misstrauen. „Die Lage am Geldmarkt bleibt angespannt, sie ist aber nicht mehr dramatisch“, sagt Leister und beschreibt so die Lage nach den beiden Langfristtendern der EZB.

Dass die von der Zentralbank über den ungewöhnlich langen Zeitraum von dreiJahren und zum Leitzins von derzeit 1 Prozent zur Verfügung gestellten Mittel nicht in der Wirtschaft ankommen, darauf deutet auch die jüngste Statistik des britischen Finanzdatenanbieters Thomson Reuters. Nach dessen Angaben ist das Volumen an Konsortialkrediten in Europa im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 35 Prozent auf 343 Milliarden Dollar gefallen.

Das sei der niedrigste Halbjahreswert seit 2003. Konsortialkredite sind Darlehen über ein großes Volumen, die mehrere Banken einem Unternehmen zur Verfügung stellen. Auf Anspannungen am Geldmarkt wies auch der Vorstandschef der zweitgrößten spanischen Bank BBVA, Francisco Gonzalez, hin. Die Stimmungslage gegenüber den spanischen Banken habe sich seit dem EU-Gipfel nicht verbessert, ließ er sich am Mittwoch von der Nachrichtenagentur Reuters zitieren.

Der ESM entspannt die Lage am Geldmarkt

Trotzdem hat sich laut DZ-Bank-Analyst Leister die Lage am Geldmarkt etwas entspannt. Dabei verweist er auf die Risikoprämien, also die Differenz zwischen dem Satz für dreimonatige Interbankkredite (Euribor) und dem Eonia, der die Zinserwartungen ohne Kreditrisiken abbildet. Diese Risikoprämie beträgt aktuell 0,43 Prozentpunkte oder 43 Basispunkte. Bevor die EZB ihren ersten Dreijahrestender im Dezember 2011 aufgelegt hatte, war diese Kennziffer auf über 100 Basispunkte gestiegen. Jedoch ist das aktuelle Niveau noch immer hoch. In krisenfreien Zeiten waren 20 Basispunkte üblich.

Zur Entspannung hat laut Leister auch der EU-Gipfel am Ende der Vorwoche beigetragen. Die Möglichkeit des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), Banken direkt finanzieren zu können, sowie die seit geraumer Zeit von der EZB reduzierten Sicherheitsanforderungen in der Bankenrefinanzierung hätten die Angst vor einer systemischen Krise reduziert. An diesem Donnerstag tagt der EZB-Rat. Die Finanzmärkte erwarten eine Senkung des Leitzinses von 1,0 auf 0,75 Prozent. Die Banken hoffen auf einer weitere Lockerung der Anforderungen an Sicherheiten, die sie bei der EZB beleihen können.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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