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Tagesgeld Wieder viel Zins

07.01.2012 ·  Banken brauchen in der Krise dringend Geld. Und locken deshalb die Sparer mit attraktiven Zinsen. Das Geld ist sicher.

Von Dyrk Scherff
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Alle klagen nur über die Euro-Schuldenkrise. Doch es gibt jemand, der der Krise etwas Gutes abgewinnen kann: der Sparer. Denn er bekommt von den Banken ordentliche Zinsen geboten: für Tagesgeld bis zu drei Prozent, für drei Jahre Laufzeit sogar bis zu vier Prozent.

Wo gibt es das schon? Der Leitzins der EZB liegt gerade mal bei einem Prozent, und Bundesanleihen bieten für zehn Jahre nur mickrige zwei Prozent.

Vertrauenskrise treibt Zinsen

Die Schuldenkrise hat mit den hohen Sparzinsen zu tun. Denn für die Banken ist es schwer und teuer geworden, sich Geld zu beschaffen. Die Institute leihen sich kaum mehr wie sonst üblich Geld untereinander. Und wenn doch, dann nur zu hohen Konditionen. Sie haben das Vertrauen verloren, dass sie es auch wirklich wieder zurückbekommen. Denn niemand weiß genau, wie die Finanzlage der anderen Banken wirklich ist. Die EZB hilft mit Krediten aus, aber sie will dafür solide Wertpapiere als Sicherheiten. Die werden langsam rar.

Also entdecken die Banken den Privatkunden. Der ist frustriert über niedrige Anleihezinsen. Mit höheren Tages- und Festgeldzinsen lässt er sich locken. Und drei oder vier Prozent sind für die Banken nicht wirklich teuer. Zudem haben die Einlagen einen schönen Nebeneffekt: Sie sind risikoarm und stabilisieren die Bankbilanz. Das schafft Vertrauen und erleichtert die übrige Finanzierung der Bank.

Je höher der Zins, desto unsicherer der Ruf

Alle Finanzhäuser haben derzeit dieses Finanzierungsproblem. "Deswegen gehen viele Banken den Weg über die Privatanleger", sagt Max Herbst, der mit seiner FMH Finanzberatung die Zinskonditionen der Banken beobachtet. Institute, die nicht den allerbesten Ruf haben oder aus südeuropäischen Krisenländern stammt, sind dann in den Ranglisten oft vorne zu finden.

Etwa die italienische IW Bank, die seit einigen Wochen Tages- und Festgeld in Deutschland anbietet. Oder die deutsche IKB, die 2007 vom Staat gerettet werden musste. Auch die spanische Santander-Bank mischt vorne mit, wobei dies schon seit Jahren Teil des Geschäftsmodells und weniger der Krise in Spanien geschuldet ist. Das Institut hatte vor einiger Zeit die schwedischen SEB-Filialen in Deutschland übernommen.

Wettbewerb belebt das Geschäft

Aber auch die Deutsche Bank bietet für ihre Verhältnisse hohe zwei Prozent und leistet sich sogar noch eine teure Werbekampagne im Fernsehen. Das dürfte vor allem Sparkassen und Volksbanken ärgern, deren Kunden sicher nicht zu einer IKB wechseln würden, aber schon zur Deutschen Bank.

So sind auch diese Institute gezwungen, ihre Zinsen nicht zu tief anzusetzen. Die Folge: Das gesamte Zinsniveau für Tages- und Festgeld bleibt hoch, und die Kunden fast aller Banken profitieren von der Umwerbung der Privatkunden. Der Durchschnittszins ist zuletzt sogar fast stabil geblieben, obwohl die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen deutlich von 1,5 auf 1,0 Prozent gesenkt hat.

Unterschiedliche Sicherheit

Wer sich für die Angebote der Banken entscheidet, sollte aber ein paar Dinge beachten. Einige Konditionen gibt es nur bei Online-Banken. Wer lieber in eine Filiale geht, muss Abstriche beim Zins in Kauf nehmen. Einige attraktive Konditionen beim Tagesgeld gelten zudem nur für Neukunden oder sind zeitlich befristet wie bei der Advanzia Bank, die ihre drei Prozent nur für ein paar Wochen bietet. Und schließlich sind die Einlagen unterschiedlich sicher.

Für alle Banken gilt: Zumindest bis zu 100.000 Euro sind alle Einlagen im Pleitefall der Bank geschützt. Allerdings nicht immer über das deutsche Sicherungssystem. Bei Auslandsbanken müssen sich die Sparer im Ernstfall manchmal an das Einlagensystem im Heimatland der Bank wenden. Das gilt etwa für die luxemburgische Advanzia Bank, die italienische IW Bank, die estnische Bigbank oder die österreichische VTB Direktbank, die in Zinsvergleichen mit oben auftauchen.

Das kann kompliziert werden und lange dauern: Die Pleite der isländischen Kaupthing Bank 2008 ist da deutschen Sparern noch in unangenehmer Erinnerung. Sie mussten viele Monate auf ihr Geld warten, das sie als Tagesgeld zu attraktiven Zinsen bei der Bank geparkt hatten.

Ganz sicher ist nichts

Und das Beispiel Island zeigt zudem, dass auch die Einlagensicherung kein voller Schutz sein muss. Denn wenn alle großen Banken und fast auch der Staat pleitegehen, kann selbst die Rückzahlung von 100.000 Euro ein Problem werden. Lange war daher im Fall von Kaupthing unklar, ob deutsche Sparer Geld zurückbekommen.

Am Ende hatten sie Glück, und es wurde gezahlt. Es ist also immer auch wichtig, ob der Staat stark genug ist, notfalls für die Einlagensicherung zu garantieren, wenn die Banken es nicht mehr können.

Deutsche und manche ausländische Banken bieten einen höheren Schutz der Einlagen, der weit über die Grenze von 100.000 Euro hinausgeht. Deutsche Banken garantieren Millionensummen oder gar unbegrenzt.

Haken gibt es viele

Haken stecken manchmal auch im Kleingedruckten der Bedingungen, etwa beim Neuling auf dem Tagesgeldmarkt, der IW Bank. Sie ist die Online-Tochtergesellschaft der viertgrößten italienischen Bank Ubi Banca. Mit drei Prozent für Tagesgeld ist sie Marktführer. Wer das Angebot wahrnimmt, muss bereit sein, die Bank vom Bankgeheimnis zu entbinden. Und muss der Weitergabe sensibler Daten zu Guthaben, Produktart und Laufzeit an andere Firmen zustimmen.

Dann sollten Sparer vielleicht doch lieber auf einen viertel Prozentpunkt verzichten und eine andere Bank wählen. Oder sich eines der neuen Kombiprodukte aus Tages- und Festgeld ansehen, die es von NIBC und VTB gibt. Hier sind 50 oder 20 Prozent der angelegten Summe täglich verfügbar und nur der Rest fest angelegt. Für zwei Jahre gibt es dafür auch mindestens drei Prozent.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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