08.01.2008 · Banken locken mit hohen Zinsen. Bis zu fünf Prozent werden geboten. Das gilt aber nur für kurze Zeit. Dann muss die Bank gewechselt werden.
Von Dyrk ScherffWer keine Aktien mag, hat es derzeit nicht leicht. Zehnjährige Bundesanleihen werfen nur 4,2 Prozent im Jahr ab. Angesichts des Risikos solcher lang laufender Papiere ist das nicht gerade viel. Für die meisten sicherheitsorientierten Sparer drängt sich daher derzeit vor allem Tagesgeld auf. Auch hier gibt es teilweise bis zu fünf Prozent. Das Geld ist täglich verfügbar, ohne dass Kursverluste drohen, wie das bei Anleihen der Fall sein kann.
Das Problem ist jedoch, wie es der Name verrät, dass sich die Zinsen täglich ändern können. Wer über viele Monate oder gar mehr als ein Jahr sein Geld dort anlegen und die maximale Rendite erzielen will, der müsste also täglich schauen, wo es die besten Zinsen gibt. Eine ganz schön aufwendige Sache. Und so lassen sich viele Sparer zunächst von hohen Lockzinsen verführen, die weit über dem Marktzins liegen und oft für bis zu sechs Monate garantiert sind. Danach fallen die Zinsen aber stark - oft weit unter den Durchschnitt. Wer dann nicht wechselt, lässt sich viel Ertrag entgehen.
Kontenspringen lohnt sich
Ein Beispiel: Wer Anfang 2003 5000 Euro auf ein Tagesgeldkonto der ING-Diba legte, der hatte Ende 2007 5706 Euro angesammelt, was einer Rendite von jährlich 2,68 Prozent entsprach (siehe Infografik). Das ist weniger, als er mit dem besten Geldmarktfonds erzielt hätte. Wäre er hingegen als „Kontohopper“ ständig zum jeweils besten Anbieter gewechselt, hätte er 3,33 Prozent im Jahr bekommen und jetzt 180 Euro mehr auf dem Konto.
Am Beispiel ING-Diba zeigt sich, dass es gefährlich ist, über längere Zeit Kapital auf dem Tagesgeldkonto der gleichen Bank schlummern zu lassen. Bis 2005 tauchte die Bank regelmäßig in der Liste der höchsten Zinsen vorne auf. Millionen Sparer eröffneten dort ihr Konto und ließen ihre Euros für lange Zeit liegen. Doch in den vergangenen beiden Jahren hat die Bank meist nur noch durchschnittliche Zinsen gezahlt.
Häufig wechselnde Spitzenreiter
Auch die Citibank und die Dresdner Bank standen vor einigen Jahren immer wieder mal vorne, doch jetzt sind sie in den Ranglisten nicht mehr oben zu finden. Bei Driver & Bengsch passierte Ähnliches. Bis 2006 lockte die Bank regelmäßig mit hohen Zinsen. Auf lange Sicht stand Driver & Bengsch am häufigsten ganz vorne (siehe Infografik) und zahlte Neukunden dabei im Durchschnitt 3,87 Prozent. Im Jahr 2007 sind sie nur noch auf Platz 10 zu finden, die ING-Diba sogar nur auf Platz 30, kurz hinter Citibank und Dresdner Bank.
Stattdessen stehen mit Cortal Consors und der DAB Bank zwei Online-Broker in der Rangliste 2007 vorne - für Neukunden wohlgemerkt. „Die beiden Banken nutzen hohe Tagesgeldzinsen, um Sparer zu locken und sie für die Eröffnung eines Wertpapierdepots zu gewinnen“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Sie dienten vor allem der Kundengewinnung.
Benachteiligte Bestandskunden
Für Bestandskunden sieht die Rechnung ganz anders aus. Sie bekommen bei den beiden Brokern, aber auch bei der 1822direkt weniger als die Neukunden. Hier punkten Banken wie die ING-Diba oder auch Driver & Bengsch. Sie zahlen mittlerweile allen Kunden den gleichen Satz. Für neue Konten ist das weniger als die Konkurrenz, für bestehende oft mehr. Wer die Bank nicht ständig wechseln möchte, bleibt lieber bei solchen Instituten.
Sparer, die immer zum besten Anbieter gehen wollen, sollten ein paar Dinge beachten. Wer kündigt und drei Monate später wiederkommt, weil die Bank gerade tolle Zinsen bietet, gilt oft nicht als Neukunde und bekommt dann auch nicht die hohen Lockzinsen. Die meisten verlangen eine Abstinenz von sechs bis 12 Monaten. „Die DAB Bank sieht Rückkehrer sogar nie als Neukunden an“, betont Max Herbst.
Einlagensicherung beachten
Die tollen Zinsen gelten zudem oft nur für Beträge von 5000 oder 15.000 Euro. Bei 25.000 Euro zum Beispiel bot Cortal Consors im vergangenen Jahr neuen Kunden im Durchschnitt nur 3,12 Prozent statt der 4,48 Prozent, die es für kleinere Summen gibt. Damit lag die Bank für große Anlagesummen hinter vielen Wettbewerbern.
Außerdem sollten Kontohüpfer beachten, dass der Wechsel an sich Zinsen kostet. Bis das aktuelle Top-Angebot entdeckt, das neue Konto eingerichtet und das Geld übertragen ist, vergeht schnell eine Woche. In unserem Beispiel sinkt dadurch die Rendite von 3,3 auf 3,07 Prozent im Jahr. Statt 889 bekommt der Kunde für seine 5000 Euro nur 815 Euro Zinsen ausbezahlt.
Bei ausländischen Banken sollten Sparer grundsätzlich Bedenken haben. Hier lohnt es sich nachzuforschen, welcher Einlagensicherung sie angeschlossen sind und in welchem Umfang diese greift (Deutsche Sparer besser geschützt als britische).
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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