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Tagesgeld Tagesgeld - immer mehr Anbieter kämpfen um Kundengelder

21.07.2007 ·  Trotz haussierender Börsen: Die Deutschen setzen weiter auf Tagesgeld. Immer mehr Anbieter wollen an die Kundengelder ran. Und den Anlegern beschert der steigende Wettbewerb Zinsen bis zu 4,5 Prozent.

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Lange Listen mit goldenen Zahlenreihen flimmern über den Bildschirm. Dann verkündet eine mystische Stimme aus der Tiefe des Raums: „Eine neue Zinsrechnung hat begonnen. 4,5 Prozent Superzins.“

Die „neue Zinsrechnung“ ist noch immer die alte: Die Börsen können haussieren wie sie wollen, Tagesgeld bleibt eine Lieblingsanlage der Deutschen. Kein Wunder: Große Vermögen lassen sich damit nicht aufbauen, aber dafür ist eine flexiblere und risikoärmere Anlageform kaum zu finden.

Selbst im Fernsehen wird für Tagesgeld geworben

Weil das so ist, herrscht ein heftiger Wettbewerb um die Kunden. So leistet sich der Online-Broker Cortal Consors sogar TV-Reklame. Mit der 4,5-Prozent-Offerte führt das zum französischen Bankkonzern BNP Paribas gehörende Anlagehaus die Listen der Tagesgeldvergleiche an.

Zumindest diejenigen Listen, die von einem Anlagebetrag von 10.000 Euro und einer Anlagedauer von sechs Monaten ausgeben. Das sind sowohl vom Betrag wie auch von der Frist her gute Durchschnittszahlen, die viele Anleger interessieren dürften. In Tagesgeldrechner wie dem von FAZ.NET lassen sich jedoch auch andere Summen und Zeiträume (zehn Tage bis zwölf Monate) eingeben. Und genau von diesen Variablen ist abhängig, wie attraktiv ein Angebot wirklich ist. Denn eine „beste Bank“ für alle Anleger gibt es nicht.

Die Stammkundschaft bleibt ohne „Superzins“

In der Kombination „10.000 Euro - sechs Monate“ schneidet Cortal Consors deshalb so gut ab, weil „10.000“ und „sechs“ genau in die Eckdaten des Angebots passen. 4,5 Prozent gibt es nur für Beträge bis 20.000 Euro. Wer mehr anlegt, bekommt für seine zusätzlichen Euros nur noch 3,25 Prozent. Dieser schon nicht mehr ganz so tolle Zinssatz wird schließlich auch nach dem Auslaufen des „Superzins“-Angebots gezahlt, und dann für die gesamte Anlagesumme.

Die Beschränkungen stehen nicht im Großgedruckten; dafür muss der Bankkunde schon die Fußnoten zu Rate ziehen. Dabei erfährt er von weiteren Einschränkungen. Nur Neukunden kommen in den Genuss des Angebots. „Neukunde“ ist, wer in den vergangenen sechs Monaten nicht Kunde von Cortal Consors war. Das alles lässt Skeptiker von einem Lockvogel-Angebot sprechen.

Ähnliche Limits - mal mehr, mal weniger - gibt es jedoch auch bei der Konkurrenz. Anleger sollten sich hier nicht über merkwürdige neue Namen wundern. Das Thema Tagesgeld hat nach dem großen Erfolg der ING-Diba-Bank viele Finanzdienstleister auf den Plan gerufen.

Wo liegt der Haken?

So findet sich direkt nach Cortal Consors die Advanzia Bank aus dem luxemburgischen Munsbach. Das erst ein Jahr alte Unternehmen lockt mit einem Effektivzins von 4,35 Prozent, für Neu- und Altkunden, nur 5.000 Euro müssen sie mindestens mitbringen. Wo liegt hier der Haken? Auf der eigenen Homepage bringt es das Unternehmen selbst auf den Punkt: „Warum soll Advanzia als ausländische Bank vertrauenserweckend und seriös sein?“ heißt es im FAQ-Fragenkatalog rhetorisch. Die Antwort beruhigt nur halb: „Unser Selbstverständnis ist europäisch.“ Immerhin ist die Bank Mitglied der „Association Pour La Garantie Des Dépots Luxembourg“; damit sind Kundeneinlagen bis zu einer Höhe von 20.000 Euro abgesichert.

Ähnlich unbekannt ist die Nummer drei der Top-Renditebanken, die Credit Europe Bank. Mit 4,25 Prozent liegt dieses holländische Institut nahe am Advanzia-Angebot. Es gilt aber nur für Neukunden (Stammkunden: vier Prozent) und bis zu einer Summe von 250.000 Euro. Anleger dürften sich bei Credit Europe eine ähnliche Frage stellen wie bei Advanzia: Wer ist das eigenlich? Zumal die Bank bis vor kurzem noch Finansbank hieß. Allerdings verweist man auch hier auf die Einlagensicherung - in diesem Fall des niederländischen Bankensystems. Investments bis 20.000 Euro sind hier zu 100 Prozent abgesichert, Beträge zwischen 20.000 und 40.000 Euro zu 90 Prozent.

Der Marktführer wird träge

Wer trotzdem lieber auf deutsche Tugenden setzt, ist mit dem Direktbank-Ableger der Frankfurter Sparkasse, 1822direkt, am besten bedient. 4,05 Prozent gibt es hier, das Angebot ist sieben Monate gültig. Nominal vier Prozent bieten derzeit eine Reihe von Banken, darunter auch Driver & Bengsch. Dieses Wertpapierhandelshaus fällt schon seit geraumer Zeit durch Spitzenpositionen in Tagesgeldlisten auf, zudem ist das Angebot nicht befristet. Etwas abgeschlagen mit drei Prozent (3,25 Prozent vom 15. August an) liegt das Tagesgeldkonto der ING-Diba. Experten finden das „verständlich“, zumal die Diba früher stets mit Spitzenzinsen gelockt hat und damit inzwischen Marktführer geworden ist.

Egal, für wen sich der Anleger letztlich entscheidet: Die Führung des meist online zu eröffnenden und zu führenden Tagesgeldkontos sollte kostenlos sein; das ist meistens auch der Fall.

Wichtiger noch: Der Anbieter sollte schnell auf Zinsänderungen der Europäischen Zentralbank reagieren. Insbesondere dann, wenn der Zinstrend wie derzeit nach oben weist. Für September rechnen die meisten Investmentprofis damit, dass die EZB den Leitzins von 4,0 auf 4,25 Prozent anhebt. Eigentlich müssten Tagesgeldanbieter dann schnell nachziehen. Ob und wie schnell sie das tun, vermag jedoch - siehe das Negativbeispiel ING-Diba -niemand im vornherein zu prognostizieren. Zumal jeder Monat und jeder Promillepunkt niedrigerer Zinsen für die Anbieter bares Geld bedeutet.

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