09.04.2008 · Die Finanzkrise macht Privatanleger als Geldquelle für Banken interessant. Die isländische Bank Kaupthing bietet inzwischen eine Verzinsung von 5,65 Prozent. Sie hat dafür allerdings auch gute Gründe.
Die Krise an den Finanzmärkten hat Geld zu einem knappen Gut gemacht. Die Banken misstrauen sich und bunkern ihre liquiden Mittel. Umso attraktiver ist für sie der Privatkunde geworden. Manche Banken sind inzwischen bereit, hohe Zinsen für Tagesgeld zu zahlen, das der Kunde täglich abheben kann. Neuer Spitzenreiter ist die isländische Kaupthing Bank, die seit diesem Mittwoch Privatkunden mit 5,65 Prozent jährlichem Zins lockt.
Die Bank habe schon vor zwei Jahren damit begonnen, ihre Finanzierungsquellen zu diversifizieren, sagt Michael Kramer, Leiter der deutschen Kaupthing-Niederlassung. Ziel sei es, Privatkunden mit attraktiven Zinsen langfristig an die Bank zu binden. Allerdings agiert die isländische Bank aus einer schwierigen Position heraus.
Island gilt nicht als Hort der Sicherheit
Im Jahr 2006 löste die Ratingagentur Fitch einen starken Verfall der isländischen Krone aus, als sie vor der Schwäche des isländischen Bankensystems warnte. Die Investmentbank Merrill Lynch meinte damals, die Risikostruktur der isländischen Banken ähnele jener in Schwellenmärkten. Auch in der heutigen Finanzkrise gilt Island nicht als Hort der Sicherheit. Das ist unter anderem an den Preisen für Kreditabsicherungen abzulesen.
Wer eine erstrangige Forderung gegen Kaupthing auf dem Derivatemarkt versichern will, zahlt derzeit nach Daten des Informationsdienstes Bloomberg gut 8 Prozent an jährlicher Risikoprämie. Zum Vergleich: Für Forderungen gegen die Deutsche Bank reicht derzeit eine Risikoprämie von weniger als einem Prozent der versicherten Summe.
Staatsgeld für Verbindlichkeiten?
Die große Abneigung der Investoren ist nachvollziehbar: Islands Inflationsrate ist auf 7 Prozent gestiegen, der Leitzins auf 15 Prozent. Die isländische Krone hat in den vergangenen Monaten im Umtauschverhältnis zum Euro gut ein Viertel ihres Wertes verloren. Auf die Kreditinstitute des Landes - die drei größten sind Kaupthing Bank, Landsbanki Islands und Glitnir Bank - entfallen etwa 80 Prozent der isländischen Auslandsschulden. Jahrelang hatten sie Unternehmenskäufe vor allem mit dem Geld ausländischer Gläubiger bezahlt.
Die kreditfinanzierte Expansion isländischer Banken bedrohe das bisher erstklassige Rating des Staates Island, warnt nun die Ratingagentur Moody's. Es bestehe die Gefahr, dass für die Verbindlichkeiten Staatsgeld verwendet werden müsse. Die hohen Risikoprämien, die isländische Banken derzeit zahlen müssen, hält die isländische Notenbank für das Ergebnis einer „skrupellosen Spekulation“ gegen das isländische Bankensystem. Die Regierung denkt schon öffentlich über Eingriffe in den Markt nach. Angesichts dieser Umstände ist nachvollziehbar, warum die Kaupthing Bank bereit ist, den deutschen Privatkunden hohe Zinsen zu zahlen.
Mindestmaß an Absicherung vorgegeben
Auch Banken aus anderer Herren Länder haben in den vergangenen Monaten den deutschen Markt für sich erschlossen - darunter die Wiener Vakifbank und die lettische Parex. Die indische ICICI lockt seit einigen Tagen mit 4,75 Prozent für täglich abrufbares Geld. Anleger, die sich für solche Angebote interessieren, sollten stets auf die Absicherung achten. Seit den neunziger Jahren müssen die europäischen Finanzdienstleister ihren Kunden ein Mindestmaß an Absicherung für den Fall der Insolvenz garantieren.
In Deutschland gibt es zu diesem Zweck eine Reihe von Sicherungseinrichtungen, die jeweils getrennt voneinander für die Mitgliedsgesellschaften einstehen. Geschützt sind die Einlagen der Sparer, also beispielsweise das Geld auf dem Girokonto oder dem Sparbuch. Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass für jeden Sparer oder Anleger 90 Prozent der Einlagen - begrenzt auf 20.000 Euro - abgesichert sind.
Im isländischen System abgesichert
Die Banken haben darüber hinaus Entschädigungsfonds eingerichtet, die höhere Summen abdecken. In diesen Fonds sind aber nicht alle Anbieter organisiert. Norisbank und Parex Bank zum Beispiel sind angeschlossen, die Denizbank erfüllt dagegen nur die gesetzlichen Mindestanforderungen. Bei der Kaupthing Bank ist auch dieser Punkt anders organisiert: Die Einlagen der Bank seien nicht im deutschen System abgesichert, sondern im isländischen, berichtet Kaupthing-Niederlassungsleiter Michael Kramer. Damit seien bis zu 20.887 Euro im Falle einer Insolvenz geschützt. Dafür stünden die isländischen Banken gerade, und wenn die nicht zahlen könnten, der isländische Staat, versichert Kramer.
Anleger, die kleinere Summen nur kurzfristig unterbringen wollen, brauchen nicht unbedingt das Höchstmaß an Sicherheit. Bei größeren Summen und einer längerfristigen Anlage sowie bei weniger bekannten Banken ist dagegen eine umfangreiche Absicherung empfehlenswert.