17.03.2010 · Tagesgeldkonten bringen immer weniger, obwohl der Leitzins im Euroraum seit Mai vergangenen Jahres unverändert ein Prozent beträgt. Manchmal zahlt es sich für die Anleger aber aus, ihr Geld etwas länger festzulegen.
Von Kerstin PaponDie Zeiten für Anleger werden immer magerer. Aktuell wird Tagesgeld in Deutschland durchschnittlich nur noch mit rund 1,2 Prozent verzinst. Im Mai vergangenen Jahres waren es noch 1,9 Prozent. Dies ergibt sich aus den Daten, die die FMH Finanzberatung hierzulande täglich unter zahlreichen Banken erhebt.
Damals hatte die Europäische Zentralbank (EZB) im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise den Leitzins für den Euroraum auf ein Prozent gesenkt und ihn seither dort belassen. Trotzdem bröckeln die Einlagenzinsen immer weiter ab. Und ein Ende der Niedrigzinspolitik ist vorerst nicht in Sicht.
2 Prozent sind Spitze
An der Spitze stehen nun Institute, die ihren Kunden Tagesgeldzinsen von rund 2 Prozent bieten. Gleichwohl sind solche Angebote in der Regel an gewisse Bedingungen geknüpft. So gilt das Zinsangebot der DAB Bank von 2,5 Prozent nur für Neukunden. Für andere höhere Offerten wie die der Frankfurter Noa Bank greift nur die gesetzliche Einlagensicherung von 50.000 Euro je Privatanleger.
Viele Angebote liegen jedoch weit darunter. Rechnet man die für dieses Jahr hierzulande erwartete Inflation von rund einem Prozent mit ein, bleibt vielen Sparern unter dem Strich fast nichts mehr. Häufig legen sie angesichts nahe null liegender Zinsen sogar drauf. So bekommt beispielsweise ein Anleger bei der SEB für seine täglich verfügbaren Einlagen einen Zins von 0,2 Prozent. Noch weniger zahlt die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland für ihre mit einer Schildkröte als „sicher, flexibel und gebührenfrei“ beworbene Tagesanleihe. Am Dienstag betrug der Zins 0,18 Prozent.
Es gibt nichts, aber das ist immerhin sicher
Trotz der niedrigen Zinsen setzen Anleger weiter auf Tagesgeld. „An erster Stelle steht ganz klar die Sicherheit und nicht die Rendite“, sagt Sigrid Herbst von der FMH Finanzberatung. Daher seien vor allem heimische Institute gefragt, deren Einlagen nicht nur gesetzlich, sondern zusätzlich abgesichert seien, wie durch den Sicherungsfonds der privaten Banken „Für Tagesgeldeinlagen sind massenweise Konditionen von 1 bis 1,5 Prozent zu finden, aber die wenigsten Sparer raffen sich auf und schichten ihre Einlagen um“, sagt Herbst. „Anleger schätzen zurzeit die größtmögliche Flexibilität; mit täglich verfügbaren Einlagen halten sie sich alle Möglichkeiten offen“, sagt Mathias Behrendt von der Frankfurter Sparkasse: „Tagesgeld ist deswegen bei unseren Kunden nach wie vor sehr gefragt.“
Doch auf der Suche nach einem Tick mehr Rendite kann es sich für die Anleger durchaus lohnen, ihr Geld zumindest kurzfristig anzulegen, etwa in Festgeld mit mehrmonatiger Laufzeit. Dies gilt um so mehr, als sich unter Ökonomen die Erwartung verstärkt, dass die EZB erst im kommenden Jahr mit Zinserhöhungen beginnen dürfte.
Bei der indischen ICICI-Bank beispielsweise bekommen Anleger deutlich mehr Zinsen, wenn sie ihr Geld festlegen. Derzeit zahlt das Institut 1,6 Prozent für Tagesgeld und 2,4 Prozent für ein einjähriges Festgeld. Legen Sparer ihr Geld drei Jahre an, sind es 3,4 Prozent. Eine Mindestanlagesumme gibt es nicht. ICICI ist Mitglied der freiwilligen Sicherungseinrichtung der privaten Banken in Deutschland. Für die ersten 50.000 Pfund (etwa 55.000 Euro) greift die gesetzliche Einlagensicherung Großbritanniens, da die deutsche Niederlassung zum britischen Ableger der Bank gehört.
Festgeld bringt oft weniger
Doch längst nicht alle Banken zahlen für Festgeld höhere Zinsen. Der genaue Vergleich lohnt sich daher. Im Durchschnitt verzinst sich Festgeld mit sechsmonatiger Laufzeit nach Berechnungen von FMH aktuell mit rund 1,1 Prozent, also noch niedriger als Tagesgeld. Bei einer Anlagedauer von einem Jahr sind es 1,4 Prozent.
Während die auf das Tagesgeld gezahlten Zinsen keineswegs fest sind, sondern von der kontoführenden Bank täglich geändert werden können, gilt für das Festgeld der anfänglich vereinbarte Zinssatz über die gesamte Laufzeit hinweg. Anders als beim Tagesgeld können Anleger während der Laufzeit aber nicht über ihre Einlagen verfügen oder sie aufstocken. Sie sollten also sicher sein, für diese Zeit auf das Geld verzichten zu können. Herbst rät Anlegern darauf zu achten, dass die Beträge bei Fälligkeit nicht automatisch wieder angelegt würden. Für die Bank bringen Festgelder eine bessere Planbarkeit der Einlagen mit sich.
Festgeld ist out
Hört man sich unter verschiedenen Banken um, dann zeigt sich in der Tat ein vermehrtes Interesse an dieser längerfristigeren Anlageform. Auch Spareinlagen seien wieder beliebter geworden, heißt es bei der Postbank. In ihrer klassischen Form haben diese Einlagen eine dreimonatige Kündigungsfrist. Anleger können je Kalendermonat 2000 Euro vorschusszinsfrei abheben. Der Vorschusszins beträgt andernfalls ein Viertel des Habenzinses.
Manche Banken haben kaum noch Festgeldanlagen im Angebot oder setzen den Zins prohibitiv auf null, weil Anleger lange Zeit nur noch Tagesgeld wollten, heißt es zur Begründung. Andere Banken wie die Deutsche Bank bieten ihren Kunden gar kein Tagesgeld, sondern nur tagesgeldähnliche Anlagen mit bestimmten Kündigungsfristen oder Verfügungsbeträgen, aber einem ähnlich niedrigen Zinssatz.
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Dietrich Reimold (Reimold)
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gisbert heimes (gisbert4)
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