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Tagesgeld „Das Geld ist bei uns sicher“

02.05.2008 ·  Die Kaupthing Bank aus Island ist derzeit der aggressivste Anbieter von Tagesgeld in Deutschland. Mit ihrem Angebot für Tagesgeld setzt die Bank ihre Wettbewerber unter Druck. Dennoch ist eine Geldanlage bei der Bank sicher, meint ihr Vorstandsvorsitzender Hreidar Mar Sigurdsson. Das Gespräch.

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Herr Sigurdsson, Sie bieten Ihren Kunden in Deutschland 5,65 Prozent Zinsen auf dem Tagesgeldkonto, so viel wie niemand sonst. Wie ist das möglich?

Wir arbeiten sehr kosteneffizient. Wir sind mit unserem Internetangebot in neun Ländern aktiv. Alles basiert auf einem Computersystem, das leicht den jeweiligen Marktgegebenheiten angepasst werden kann. Wir haben keine Kosten für Filialen, und daher können wir den Kunden sichere und gute Konditionen bieten.

Warum gerade in Deutschland?

Wir haben die Kaupthing Bank von Island nach Skandinavien, Großbritannien und Benelux ausgedehnt, so war es der nächste natürliche Schritt für uns, in Deutschland Fuß zu fassen. Wir beginnen mit dem Angebot als Online-Bank und gehen in vorsichtigen Schritten voran. Deutschland ist ein großer Markt, aber ein schwieriger mit vielen Anbietern.

Ist ein weiterer Ausbau Ihrer Geschäfte in Deutschland geplant?

Wir werden in der Zukunft unser Geschäft in Deutschland ausbauen. Kaupthing wird Angebote für kleine und mittlere Unternehmen und für vermögende Privatkunden machen. Im Privatkundengeschäft liegt der Fokus aber ganz klar auf dem Internet. Außerhalb Islands haben wir nur Internet-Banking.

Ist eine Übernahme in Deutschland geplant?

Nein, wir wachsen in erster Linie organisch. Wir brauchen keine Übernahme. Wir halten jedoch die Augen offen, und wenn sich eine günstige Möglichkeit ergibt, werden wir diese nutzen. Es würde aber keine sehr große Übernahme sein.

In Deutschland gibt es die Befürchtung, dass Kaupthing Liquiditätsschwierigkeiten bekommen könnte und die Anlegergelder damit in Gefahr sind.

In den vergangenen neun Monaten hat sich die Marktsituation weltweit deutlich verändert. Das belastet alle Banken. Wir konnten unsere gute Liquiditätslage aber bewahren und sind in einer exzellenten Lage. Wir haben strikte Regeln für unsere Liquiditätsausstattung, die haben wir eingehalten, und davon profitieren wir heute.

Also keine Gefahr für deutsche Anleger?

Nein, die Geldanlage bei uns ist absolut sicher.

Die Kosten für die Absicherung gegen den Ausfall Ihrer Kredite sind überproportional gestiegen, ein eindeutiges Zeichen mangelnden Vertrauens in die Kaupthing Bank.

Es kamen zwei Sachen zusammen. Die Liquiditätslage am gesamten Kapitalmarkt hat sich während der Kreditkrise deutlich angespannt, darunter leiden alle. Zudem hatte Island spezifische Probleme.

Welche?

Unser Finanzsystem ist in den vergangenen Jahren sehr schnell gewachsen. Es gibt die berechtigte Befürchtung, dass es nun etwas langsamer wächst.

Sind die Banken zu groß für die Insel geworden?

Das ist ein häufiges Missverständnis. Sie vergleichen doch die Royal Bank of Scotland auch nicht mit der Einwohnerzahl von Glasgow. Kaupthing ist natürlich groß, wir machen unser Bankgeschäft aber in vielen verschiedenen Ländern, wir sind die drittgrößte dänische Bank. 25 Prozent unserer Vermögenswerte liegen in Großbritannien. Wir sind eine europäische Bankengruppe.

Ihre Regierung macht die Hedge-Fonds für die Unruhen im isländischen Finanzsystem verantwortlich. Haben Sie Angst vor Hedge-Fonds?

Die Hedge-Fonds sind sehr aktiv. Wir haben aber keine Angst vor ihnen. Sie spielen eine wichtige Rolle an den Finanzmärkten. Gleichwohl ist höchste Vorsicht geboten. Viele Hedge-Fonds arbeiten mit hohen Short-Positionen, setzen also auf fallende Notierungen zum Beispiel der isländischen Krone. So etwas sollte nicht toleriert werden. Hedge-Fonds können aber eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Finanzinstrumenten spielen. Sie haben sich dabei aber den Gesetzen und der Regulierung zu beugen.

Wenn Ihre Kreditabsicherungen dauerhaft so teuer bleiben, welche Folgen hat das für Kaupthing?

Es würde für uns ein langsameres Wachstum bedeuten. In den vergangenen Jahren sind wir sehr schnell gewachsen. Aber wenn sie sich unsere Cost-Income-Ratio anschauen, sind wir eine der effizientesten Banken in Europa. Deswegen können wir auch höhere Zinsen an unsere Kunden zahlen. Das Wachstum kann sich zwar verlangsamen, es ist aber nichts, wo wir besonders beunruhigt sein müssten. Wir sind eine gesunde Bank.

Die Rating-Agenturen haben die Noten für Kaupthing gesenkt und einen negativen Ausblick gegeben.

Das Rating, das wir derzeit haben, ist in Ordnung. Moody's ist von der Qualität unserer Vermögenswerte überzeugt und auch von unserem diversifizierten Geschäftsmodell. Wir waren natürlich gerne eine „AAA“-Bank, aber „A“ zerstört nicht unser Geschäftsmodell.

Und der negative Ausblick von Fitch?

Wir glauben, der negative Ausblick begründet sich in der unruhigen Lage an den internationalen Finanzmärkten. Das Vertrauen wird aber bald in die Märkte zurückkehren, so dass der negative Ausblick zurückgenommen wird.

Welche Folgen hat die internationale Kreditkrise für Kaupthing?

Wir hatten ein paar Verluste in der zweiten Jahreshälfte 2007. Das erste Halbjahr war ein Rekordjahr, das zweite war nicht so gut. Wir sind aber bei weitem nicht so stark betroffen wie viele andere Banken. Wir waren und sind überhaupt nicht in Subprime-Kredite investiert. Wir haben im zweiten Halbjahr 2007 200 Millionen Euro abgeschrieben. Der Nettogewinn lag aber bei einer Milliarde Euro.

Könnte die Zentralbank Sie im Zweifel retten?

Das wird nicht nötig sein.

Sind Sie besorgt über den Kursverfall der isländischen Krone?

Wir haben den Kursverfall schon seit einiger Zeit erwartet. Wir hatten vier Jahre in Folge das höchste Außenhandelsdefizit der OECD-Staaten in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. Ich glaube nicht, dass es das schon einmal gab. Unglaubliche Mengen an Kapital wurden in Island investiert. Als die Geldzuflüsse wegen der internationalen Kreditkrise ausblieben, begann die Krone zu fallen. Mittlerweile ist sie auf einem vernünftigen Niveau angekommen, um für eine Wende in der Außenhandelsstatistik zu sorgen. Für manche Bereiche ist der Verfall der Krone mit Nachteilen verbunden, es war jedoch nötig, um das System ins Gleichgewicht zurückzubringen.

Das Gespräch führte Daniel Mohr.

Quelle: F.A.Z.
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