08.11.2011 · Der Wettbewerb um Tages- und Festgeld ist intensiv. Banken sind in ihrer Finanzierung auf die Einlagen ihrer Kunden angewiesen. Ein Überblick über die besten Angebote.
Von Markus FrühaufEuropas Banken müssen rekapitalisiert werden. Die Konjunkturrisiken zwingen die Europäische Zentralbank (EZB) zu einer Leitzinssenkung. In diesem Umfeld überrascht es, dass die Banken noch immer um die Gunst des Sparers mit attraktiven Tages- und Festgeldzinsen buhlen. Die Münchner DAB Bank bietet einen Jahreszins von 2,75 Prozent, Cortal Consors 2,6 Prozent und die ING-Diba 2,5 Prozent. Aber auch die Deutsche Bank oder die Commerzbank werben mit attraktiven Angeboten neue Kundengelder ein. Nach den Statistiken der Bundesbank haben die deutschen Banken und Sparkassen zwischen April und Ende September ihre Kundeneinlagen um 87 Milliarden auf 3268 Milliarden Euro erhöht.
Die Deutsche Bank bietet derzeit einen Jahreszins von 2 Prozent für Festgeld. Im Vergleich zu Tagesgeld sind die anlegten Mittel für die Kunden nicht jederzeit abrufbar, sondern erst nach zwölf Monaten. In den ersten neun Monaten 2011 hat die Deutsche Bank neue Kundeneinlagen von 7 Milliarden Euro verzeichnet. Welche Bedeutung die Kundeneinlagen haben, zeigt sich auch am Gesamtbedarf: Insgesamt muss Deutschlands größte Bank ein Geschäftsvolumen von 1,14 Billionen Euro finanzieren. Davon entfallen 286 Milliarden Euro auf die Einlagen der Privatkunden.
Die Kundeneinlagen der Commerzbank summieren sich auf 262 Milliarden Euro. Deutschlands zweitgrößte Bank hat mit ihrem Tagesgeldangebot, das für sechs Monate einen Zins von 2,3 Prozent bot, zwischen Juli und Ende September 1,6 Milliarden Euro eingeworben. Derzeit läuft eine Sonderaktion für Festgeld mit einem Jahreszins von 2,1 Prozent. Ein Commerzbank-Sprecher wertet diese Angebote als wichtiges Marketinginstrument, um neue Kunden oder neues Geld zu gewinnen sowie bestehende Kundenbeziehungen auszubauen.
Der Wettbewerb um Kundeneinlagen wird nach Ansicht von Reinhard Messenböck, Partner der Beratungsgesellschaft BCG, weiter hoch bleiben. Er erwartet ein Auseinanderdriften des Marktes. Im Tagesgeldbereich, vor allem bei Internetangeboten, rechnet er mit einem anziehenden Wettbewerb und höheren Zinsen. Daneben würden Wettbewerber, die mit dem Tagesgeld Zinserträge erzielen wollen, eher vorsichtig mit dem Kundenzins agieren. Bei sonstigen Einlagenprodukten wie etwa Spareinlagen oder Festgeld erwartet der BCG-Berater nur geringe Anpassungen der Konditionen. "Bei diesen Produkten werden vor allem die Privatbanken mit der Zeit ihre Konditionen anpassen müssen, damit sie ihre Refinanzierungsmöglichkeiten nicht verlieren", sagt Messenböck.
Darauf verweist auch Stefan Best, Analyst der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P): "In der Refinanzierung der Banken werden Kundeneinlagen in Zukunft eine sehr hohe Bedeutung haben." Diese seien in Verbindung mit glaubwürdigen Einlagenschutzsystemen deutlich stabiler als etwa die kurzfristige Geldmarktfinanzierung, die in Krisenzeiten hohen Schwankungen unterliegen könne.
In Deutschland sind Einlagen gesetzlich bis zu 100 000 Euro geschützt. Die Einlagen bei Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken sind durch den in diesen Verbünden geltenden Institutsschutz theoretisch in unbegrenzter Höhe geschützt. Ob diese Zusage im Falle einer Finanzkrise, in der mehrere große Banken zusammenbrechen, aufrechterhalten werden kann, ist bislang erfreulicherweise noch nicht auf die Probe gestellt worden. Durch die pauschale Einlagensicherung der Bundesregierung hätten Sparkassen und Volksbanken ihren Hauptwettbewerbsvorteil, die gefühlt höhere Sicherheit im Vergleich zu anderen Banken, verloren, sagt Messenböck.
Die privaten Banken wie Deutsche Bank oder Commerzbank werden zwar ihre beim Bundesverband deutscher Banken angesiedelte Einlagensicherung deutlich stutzen. Aber auch künftig werden die Einlagen je Kunde bis zu einem Höchstbetrag geschützt, der bei Deutscher Bank und Commerzbank deutlich über der Milliardengrenze liegt.
Aufgrund der gegenwärtigen Anspannung am Geldmarkt, wo sich die Banken untereinander wegen der Unsicherheiten im Zuge der Euro-Staatsschuldenkrise kaum noch Kredit gewähren, werden die Einlagen als Refinanzierungsinstrument sehr geschätzt. Und die deutschen Banken haben in den kommenden Jahren einen hohen Finanzbedarf. Bis Ende 2014 müssen sie fällig werdende Anleihen über fast 130 Milliarden Euro sowie Pfandbriefe über 216 Milliarden Euro tilgen. Während Pfandbriefe am Markt plaziert werden können, fällt das für die unbesicherten Anleihen immer schwerer. Zudem müssen die Banken immer höhere Risikoaufschläge zahlen, was die Zinserträge schmälert. Die können aber nicht nur durch hohe Einlagenzinsen unter Druck geraten, sondern auch durch Anpassungen der Kreditkonditionen - gerade nach der jüngsten EZB-Zinssenkung. Fest steht aber: Die Banken können es sich nicht mehr leisten, die Sparer mit mageren Einlagenzinsen zu vergraulen.
Im Schadensfall ist eine Leistung des Einlagensicherungsfonds der Banken
nicht einklagbar
Klaus Wege (covenants)
- 09.11.2011, 14:47 Uhr
Intensiv?
Wolfram Obermanns (procax)
- 09.11.2011, 13:30 Uhr
Bestes Angebot...
Christian Mertens (Polemikus)
- 09.11.2011, 13:27 Uhr